„Ich wurde mit einem schweren Verweis bestraft“

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„Ich wurde 1892 als Sohn des Gerichtsvollziehers Heinrich Signus und seiner Frau Agnes in Kunzendorf, Oberschlesien, geboren. (...) Am 1. Juli 1912 wurde mir die Lehrerstelle in Mittel-Dammer übertragen. Von 1914 bis 1918 nahm ich am Weltkrieg teil. (...) Aus meiner Ehe mit Gertrud Signus ging ein Sohn hervor, der frühzeitig starb. Im Mai 1923 wurde ich als erster Lehrer und Organist nach Kunzendorf berufen. Mai 1933 trat ich der NSDAP bei. Anfang 1934 musste ich mich wegen Disziplinlosigkeit vor dem Parteigericht verantworten. Ich wurde mit einem schweren Verweis bestraft, und der Parteileitung wurde untersagt, mich mit einem Amt zu betrauen. (...) 1939 rückte ich als Hauptmann ins Feld. (...)1943 kam ich als Ischi-askranker zur Kur nach Baden-Baden. (...) Dann wurde ich wegen Mangel an Dienststellen der Führerreserve überwiesen. Meine Schulstelle in Kunzendorf wurde vom zweiten Lehrer verwaltet, der 1938 wegen Trunksucht zwangssuspendiert wurde. Im August 1944 wurde ich als einziger Deutscher aus der Ortsgruppe mit zwei Ostarbeitern notdienstverpflichtet und an die Ostgrenze überwiesen. Hier arbeitete ich bis zum Zusammenbruch. Ende Mai 1945 kehrte ich nach Kunzendorf zurück und arbeitete bei Russen und Polen in der Landwirtschaft. Am 13. August 1946 wurde ich dem Flüchtlingsamt Witten-Annen überwiesen.“ Heinrich Signus, 1946