Hunderte machen sich auf den Weg zum Radfest in Witten

Radfest bei Bilderbuchwetter: Neben den Besuchern fanden auch zahlreiche Hersteller den Weg ins Ruhrtal.
Radfest bei Bilderbuchwetter: Neben den Besuchern fanden auch zahlreiche Hersteller den Weg ins Ruhrtal.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Das 9. Radfest im Ruhrtal lockte bei Traumwetter Hunderte von Besuchern an. Vor dem „Ritt“ zum Schleusenwärterhaus wurde der Rheinische Esel geputzt.

Witten..  Gustav Schneider arbeitet sich Meter für Meter mit der Heckenschere auf dem Rheinischen Esel entlang. Der 82-jährige Wittener kürzt die Brombeersträucher, die durch den Zaun auf den Radweg wuchern. „Esel kraulen“ heißt die Aktion am Sonntagvormittag. Tatsächlich hatte der Esel die Schönheitsbehandlung nötig.

„Gerade jetzt, bei dem schönen Wetter, sind viele Mütter mit Kindern unterwegs. Da schlitzen sich die Kleinen ganz schnell die Hände die stacheligen Brombeersträuchern auf“, sagt Gustav Schneider und knipst den nächsten widerspenstigen Zweig ab. Etwa zwei Kilometer weiter, genau an der Grenze zwischen Witten und Bochum, steht der Initiator der Aktion, der begeisterte Radfahrer Andreas Müller (63), vor zwei vollen Müllsäcken. „Ach, wir kommen heute gut voran“, sagt der Wittener Verkehrsplaner zuversichtlich. „Im letzten Jahr hatten wir hier mehr zu tun.“ Beide Städte, Bochum und Witten, fühlten sich mittlerweile für die Pflege des Radwegs verantwortlich.

Andrang an der Würstchenbude und am Kuchenbüfett

Während sich der Rheinische Esel im Laufe des Vormittags zur reinlichen Ausfahrtmeile herausputzt, steht auch auf einer anderen beliebten Freizeitstrecke der (Draht-)Esel im Mittelpunkt. Im saftigen Grün des Ruhrtals tummeln sich ab Sonntagmittag Zweiradfreunde rund um das Schleusenwärterhaus. Sie feiern das neunte Radfest. Parkplätze sind dort überflüssig. Dafür säumen etwa hundert Fahrräder schon zum Auftakt den Rand des gepflasterten Wegs.

Passend zum Namen des Veranstalters, der Wabe, gleicht der Festplatz heute einem großen surrenden Bienenstock. Der Andrang an Würstchenbude und Kuchenbüfett ist groß. Auch die Info-Stände zu E-Bike oder Verkehrssicherheit sind dicht umringt. Interesse wecken ebenfalls die Liegeräder, die die Bochumer Firma „tri-mobil“ ausstellt. Sie sind nichts für den kurzen Weg zum Bäcker, aber für lange Strecken ein echter Geheimtipp.

Probefahrt auf neuen Liegerädern

Viele wagen eine Probefahrt auf den bequem aussehenden Liegedreirädern. Einmal bis zur Herbeder Straße und zurück. Lara Krampitz testet das neuartige Gefährt: „Ein angenehmes Fahrgefühl. Das Radfest ist eine tolle Möglichkeit, auch mal außergewöhnliche Modelle auszuprobieren.“ Bei Preisen von 700 Euro aufwärts verzichtet die 38-Jährige allerdings auf einen Spontankauf.

Tochter Mia interessiert sich mehr für die rote Hebebühne am Giebel des Schleusenwärterhauses. Mutige Besucher können aus 20 Metern Höhe auf die Festwiese hinunterschauen. Die Sechsjährige ist Feuer und Flamme. „Da hinten kann man sogar noch den Rathausturm sehen“, staunt sie über die gute Aussicht. Auch die Kunststücke der Artistengruppe „Manni & Slam Biker“ sind aus der luftigen Höhe gut zu erkennen.

Akrobatik auf Mountainbikes

Alle halbe Stunde springen Olli, Eddy und Manni auf ihren BMX-Rädern über die aufgestellte Rampe. Salti, Drehungen und sogar ein Rückwärtssprung begeistern die Zuschauern. Das Publikum schwankt – dort bewundernder Applaus, da ängstliche Gesichter. Doch die drei sind Profis und meistern alle Tricks gefahrlos.

Solche Stunts bleiben den Festbesuchern erspart. Sie müssen auch ohne Salto aufpassen, keinen Unfall zu bauen. Denn es ist so viel los, dass der Ruhrtalradweg vorm Schleusenwärterhaus zum Nadelöhr wird: Bitte absteigen und schieben.