Hohe Hürden für einen Handlauf in Witten

Die hohen Stuften bis zum Eingang sind für die Mutter (81) von Uwe Achenbach (54) ein Hindernis. Er würde gerne einen Handlauf anbringen. Er hat nachgemessen: Es bliebe noch mehr als ein Meter frei bis zur anderen Wand. Fotos:Thomas Nitsche, Barbara Zabka
Die hohen Stuften bis zum Eingang sind für die Mutter (81) von Uwe Achenbach (54) ein Hindernis. Er würde gerne einen Handlauf anbringen. Er hat nachgemessen: Es bliebe noch mehr als ein Meter frei bis zur anderen Wand. Fotos:Thomas Nitsche, Barbara Zabka
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Eine Sohn darf keinen Haltegriff am Mietshaus anbringen, in dem die Mutter (81) wohnt. Angeblich würde die Mindestbreite des Eingangs unterschritten.

Witten..  Zwei Stufen werden für Margret Achenbach täglich zur Qual. Jedes Mal, wenn sie das Haus an der Annenstraße 50c betreten oder verlassen möchte, ist die 81-jährige Mieterin im Prinzip auf Hilfe angewiesen, um die Barriere zu überwinden.

Seit einem Oberschenkelhalsbruch im Dezember ist sie schlecht zu Fuß. Ein Handlauf im Eingangsbereich wäre hilfreich, bescheinigt auch ihr Arzt, doch ein Stange zum Festhalten gibt es nicht. Sohn Uwe (54) möchte deshalb selbst einen Handlauf anbringen. Aber das ist nicht so einfach – sagt die Wohnungsgenossenschaft Witten-Ost, die dort vermietet.

Stange schon im Internet besorgt

Letztlich geht es um eine ungefähr einen halben Meter lange Stange aus Edelstahl, die Uwe Achenbach im Internet für rund 20 Euro bestellt hat. Er würde sie seitlich an der Hauswand befestigen – oder auch durch eine Firma anbringen lassen. Die gewünschte Skizze habe er bereits bei der Wohnungsgenossenschaft vorgelegt. Die antwortete in einem Brief: „Die von Ihnen geplante Anbringung eines Handlaufs wie in der Skizze dargestellt, ist nicht genehmigungsfähig. Die Landesverordnung NRW schreibt für Hauszugänge eine Mindestbreite von einem Meter vor.“ Diese würde unterschritten. Doch ein Ortstermin unserer Zeitung mit Uwe Achenbach und einem Zollstock beweist das Gegenteil: Der schmale Handlauf beeinträchtigt die Breite nicht.

Sorgt um Bruchsteinsockel

Hannelore Lopau vom Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Witten-Ost sieht ein weiteres Problem: Der Bereich, in dem der Handlauf angebracht werden soll, sei ein Bruchsteinsockel, also eine sehr unebene Fläche. Sie befürchtet, dass bei unsachgemäßer Montage Wasser ins Mauerwerk eindringen könne. Kein Argument für Uwe Achenbach: „Es gibt viele technische Möglichkeiten, das sicher zu befestigen.“

Dass er sich selbst um die Angelegenheit kümmert, müsste eigentlich sogar im Sinn der Genossenschaft sein. Es sei selbstverständliche Tradition, so Hannelore Lopau, dass Mieter bestimmte Dinge in Eigeninitiative regeln.

„Die Zeiten sind doch längst vorbei“, sagt dagegen Frank Nolte von der Wohnungsgenossenschaft Witten-Mitte, der sich daran erinnert, wie sein Großvater einst selbst die Holzfenster gestrichen habe. „Aber wenn ein Mieter bei uns 40 Jahre wohnt und nun auf solch einen Handlauf angewiesen ist, dann kriegt er ihn sofort.“ Erst neulich habe es solch einen Fall in Bommern gegeben.

Seit 57 Jahren dort zu Hause

Margret Achenbach lebt seit 57 Jahren in der Wohnung an der Annenstraße. Zum Glück im Erdgeschoss, zu dem eine kurze Treppe mit Geländer führt. Ihren Rollator lässt sie neben der Haustür stehen. Und sie hofft, dass Hilfe in der Nähe ist, wenn sie mal wieder einkaufen muss.

Vier Wohnungsgenossenschaften

Vier Wohnungsgenossenschaften gibt es in Witten. Die größte davon ist Witten-Mitte mit 1800 Wohnungen. Die Wohnungsgenossenschaft Witten-Süd betreut etwa 500 Wohnungen. Die Siedlungsgenossenschaft Arbeiterheim hat auf dem Sonnenschein etwa 250 Wohnungen.

Die Wohnungsgenossenschaft Witten-Ost vermietet knapp 700 Wohnungen. Schwerpunkt ist die „Siedlung“ im Bereich Annenstraße/In der Mark/Ardeystraße/Schleiermacherstraße mit rund 500 Wohnungen in überwiegend denkmalgeschützten Häusern.