Thomas D. Williams an der Uni : Keine Moralpredigt

„Eine Reflexion über Moral und wie sie uns durch unser Leben leitet” hielt am Dienstag der frühere Pressesprecher des Vatikans, Thomas D. Williams, vor etwa 60 Zuhörern im Audimax der Universität Witten/Herdecke.
Der Amerikaner stellte dabei die unterschiedliche Begrifflichkeit von Moral und Ethik bei Atheisten und Christen heraus, redete aber ohne erhobenen Zeigefinger.
Am Anfang steht eine Entschuldigung. Williams bittet die Zuhörer zunächst um Verzeihung, dass er den Vortrag nicht in Deutsch abhalte. „Ich werde aber langsam sprechen”, verspricht der Theologe. Tatsächlich war sein Englisch klar und deutlich zu verstehen. „Moral interessiert mich”, sagt Williams und fragt anschließend, ob Moral ohne Religion überhaupt möglich sei. „Natürlich”, gibt sich der Geistliche selbst die Antwort. Denn es gäbe sehr viele Menschen, die nicht christlich leben würden, aber trotzdem gute Menschen seien.
Williams stellt die Frage anschließend anders: „Hilft Religion dabei, moralischer zu leben?” Um diese Frage zu beantworten, müsse er die Unterschiede zwischen Moral bei Christen und Atheisten deutlich herausheben. Der Theologe beleuchtet zunächst die Frage nach dem Leben nach dem Tod. „Wenn der Mensch nur über seine rein biochemische Zusammensetzung definiert wird”, so Williams, „dann wäre sein Wert sehr reduziert.” Er glaube, dass alle Menschen, die an ein Leben nach dem Tod glauben, ihre Mitmenschen besser behandeln würden.
Auch die biblische Idee der Schöpfung helfe dabei, eine Antwort auf die Ausgangsfrage zu finden. „Materialisten gehen bei der Entstehung des menschlichen Lebens eher von Zufall aus”, so Williams. Vergäßen dabei aber die Liebe Gottes. „Wir könnten gute Klavierspieler oder gute Sportler sein. Aber wenn wir nicht lernen, zu lieben, dann haben wir verfehlt, was Gott dem Menschen auftrug”, sagt der Geistliche.
Auch an den freien Willen würden Materialisten nicht glauben. „Sie sagen, dass alle Handlungen nur Reaktionen auf äußere Umstände seien”, so der Medienfachmann. Wenn der freie Wille aber im Leben eines Menschen fehle, dann fehle auch die Möglichkeit, moralisch zu handeln. „Dann gibt es kein Gut und Böse, jeder wäre dann halt so, wie er ist.”
Die Moral des Menschen habe sich natürlich entwickelt. „So jedenfalls glauben Christen.” Aber auch in diesem Punkt macht Thomas D. Williams eklatante Unterschiede zu nichtgläubigen Menschen aus: „Bei ihnen steht die Evolution im Mittelpunkt.”. Auch die Moral sei dann das Ergebnis der Evolution. „Sie glauben, dass Gott damit nichts zu tun hätte.” Aber mit diesem Ansatz sei Moral nicht möglich.
Thomas D. Williams kommt zu dem Schluss, dass die Frage nach Glaube oder Nichtglaube keinen Einfluss auf das moralische Verhalten eines Menschen habe. „Es gibt viele gute Atheisten und viele schlechte Christen”, so der Theologe. Aber: „Werte wie Demokratie, Gleichheit und Freiheit sind biblische Werte.” Deswegen würden Christen großzügiger mit ihrem Geld und mit ihrer Zeit umgehen. „Macht sie das automatisch zu moralischeren Menschen”, fragt er abschließend. Nein, sagt er, aber die Religion sei ein guter Weg, um zu einem moralischeren Leben zu finden.







