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Hochprozentiger Schnapsvorrat im Finanzamt Witten aufgetaucht

08.03.2013 | 12:00 Uhr
Hochprozentiger Schnapsvorrat im Finanzamt Witten aufgetaucht
Hochleistungsschmierstoffe mal anders. Im Finanzamt versteckte früher ein Beamter seine Schnapsvorräte in einem präparierten Ordner.Foto: Walter Fischer

Witten.  Eine Flasche Mariacron wurde im Finanzamt in Witten entdeckt. Vor langer Zeit hatte offenbar ein Beamter sie in einem präparierten Ordner verborgen, den er mit der Aufschrift "Flüssig-Schmierung" versah. Doch die Zeiten zu denen in den Amtsstuben der Alkohol floss, liegen längst in der Vergangenheit.

Das Versteck ist raffiniert. Wohl jahrzehntelang blieb es unentdeckt. Hinter dem unscheinbaren Rücken eines staubigen blauen Aktenordners steckt noch heute ein ganz starker Stoff: eine Flasche mit Mariacron. Und das im Finanzamt .

Der Weinbrand steckt in einer eigens dafür angefertigten Metallhalterung. Daneben sind sechs weitere für Schnapsgläser. Nur noch drei sind erhalten geblieben. Eine dicke Staubschicht hat sich über sie und die Flasche gelegt.

Trinken früher nicht unüblich

Den guten Tropfen hat schon lange Zeit niemand mehr angerührt. „Wir können nicht mehr aufklären, wer den Aktenordner benutzt hat“, sagt Finanzamtsleiter Martin Klünemann . Der Hausmeister hat dieses Fundstück im Aktenkeller entdeckt. „Immerhin“, so sagt Klünemann, hätte der damalige Besitzer Humor bewiesen. Der wohl trinkfreudige Beamte beschriftete das Rückenetikett mit „Flüssig-Schmierung“ und „Hochleistungsschmierstoffe“.

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Trotz der humorvollen Note verfinstert sich beim Thema Alkohol am Arbeitsplatz die Miene des Finanzamtschefs. Zwar lägen die Zeiten, in denen in Amtsstuben zuweilen tiefer ins Glas geschaut wurde, länger zurück. „Als ich Anfang der 90er Jahre bei der Finanzverwaltung angefangen habe, gab es das nicht mehr.“ Doch die alten Geschichten von betrunkenen Mitarbeitern kennt Klünemann nur zu gut. Früher, da habe Azubi statt Auszubildender häufig auch mal „Arsch zum Bier holen“ bedeutet. Trinken sei öffentlich kaum verpönt gewesen. Im Gegenteil. Erst in den 80er Jahren habe ein Umdenken stattgefunden. „Damals müssen einige extrem aufgefallen sein.“

Heute Alkohol in Ämtern verboten

Mittlerweile werde Trinken in der Behörde nicht mehr toleriert. Wird heutzutage jemand angeheitert im Dienst auffällig, droht ihm ein Disziplinarverfahren. Und er müsste sich einer Therapie unterziehen.

Auch wenn in Betrieben und Ämtern der Konsum von Alkohol verboten ist – in Witten trinken manche Berufstätige dennoch Tag für Tag. Jährlich suchen 250 Alkoholiker die Hilfe der Suchtberatung der Diakonie in der Röhrchenstraße allein wegen eines Alkoholproblems auf. Suchtberaterin Brigitte Stenzel (61) weiß, dass die Kreativität von alkoholkranken Menschen kaum Grenzen kennt. Das Verheimlichen der Sucht wie mit dem Aktenordner sei typisch für Betroffene. Sie leugneten und verharmlosten ihr Alkoholproblem .

Früher seien Mitarbeiter häufig in Versuchung gekommen. „In den Betrieben war Alkohol nicht selten“, so Stenzel. Bei Betriebsfesten, Geburtstagen oder Jubiläen knallten häufiger die Korken. Teilweise seien in manchen Kantinen sogar alkoholische Getränke käuflich zu erwerben gewesen. „Damals war noch nicht bekannt, welcher volkswirtschaftliche Schaden durch Alkoholsucht entsteht.“

Sucht kann den Arbeitsplatz Kosten

Heutzutage fallen Alkoholiker schneller auf. Häufiges Fehlen, Reizbarkeit, unkoordinierte Bewegungsabläufe oder eine undeutliche Aussprache seien laut der Expertin Merkmale für eine mögliche Suchterkrankung. Arbeitgeber registrierten bei Betroffenen häufig nachlassende Leistungsfähigkeit. Abmahnungen oder der Verlust des Arbeitsplatzes sowie des Lebenspartners seien häufig die Folge.

Soweit muss es nicht kommen. In vielen großen Betrieben gibt es Suchtvereinbarungen. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer können so die Hilfe der Diakonie in Anspruch nehmen. Klünemann weiß das. Zum Glück, so sagt er, gebe es in der Wittener Behörde keinen Problemfall. Beim einstigen „Hochleistungsschmierstoff“ ist ein wenig Schmunzeln also erlaubt.

Stefan Rebein



Kommentare
22.03.2013
13:16
Hochprozentiger Schnapsvorrat im Finanzamt Witten aufgetaucht
von emergcon | #12

Es hällt sich gar ein Gerücht, dass man unter dem Rathaus eine ganze Kneipe gefunden hätte...

11.03.2013
09:05
Hochprozentiger Schnapsvorrat im Finanzamt Witten aufgetaucht
von mmayer | #11

Und wieder ein Beweis für die Humorlosigkeit der oberlehrerhaften Moralapostel ... man hätte ja eine lustige Geschichte daraus machen können, aber die neuen Miesepeter, nein, da geht nix ohne den erhobenen Zeigefinger.

10.03.2013
21:10
Hysterie, hysterie....
von rossi42 | #10

genauso wie andere Furoren:
Es ist wohl eher kein Material eines Trinkers, der seinen Stoff verstecken will.
Indiz 1: Jemand der was versteckt wird nicht 6 Gläser für 5 Mitwisser vorhalten.
Indiz 2: Logischer erscheint dem Verfasser des Artikels wohl nur noch, wenn der Ordner auch noch mit Stoff für meine Sucht beschriftet worden wäre, das macht der Alkoholiker wohl kaum, der schreibt da eher, Vorgänge A-Z März, April 1950 drauf.
Und die fehlenden Gläser werden wohl mal irgendwann beim Spülen abhanden gekommen sein. Aber hier als Besitzer direkt nen Alkoholiker zu vermuten ist, wie ich schon schrieb, Hysterie, die heute bei allen möglichen Sachen üblich zu sein scheint.

10.03.2013
20:43
Hochprozentiger Schnapsvorrat im Finanzamt Witten aufgetaucht
von ichfassesnicht | #9

@4
Kann ich vollkommen verstehen.

Manche Arbeit, insbesondere die im Finanzamt, kann man nur im Suff ertragen.

Entweder man bekommt den A.... voll von oben oder von den Steuerbürgern.
Egal, man ist immer der Dumme und Geprügelte.

10.03.2013
19:23
Hochprozentiger Schnapsvorrat im Finanzamt Witten aufgetaucht
von lyx7 | #8

Der Artikel liest sich ja wirklich recht putzig, dürfte allerdings reichlich überzogen sein. Von "eigens für (Flasche und Gläser) angefertigten Metallhalterung(en)" wird tatsächlich kaum die Rede sein können. Der Ordner erinnert eher an einen Scherzartikel, den man in einschlägigen Geschäften kaufen kann. Ich gestehe es zerknirscht: Auch ich selber bekam einmal einen solchen geschenkt (bin übrigens kein Schreibtischtäter).

10.03.2013
15:02
Hochprozentiger Schnapsvorrat im Finanzamt Witten aufgetaucht
von barchettaverde2 | #7

In meinem Regal ist noch Platz für ein paar Aktenordner.......... :-)

10.03.2013
13:31
Hochprozentiger Schnapsvorrat im Finanzamt Witten aufgetaucht
von Politikverdrossener | #6

Wenn man doch aber nun die Ausgabe mit Rockerkrieg, Echoboykott usw nichtr voll bekommt......
Da muss halt mal so ein Kappes herhalten.
Ich überlege mir langsam immer öffter ob ich mir das Zeitungsabo nicht sparen sollte.

2 Antworten
Kündigung des Abos
von Finnjet | #6-1

Machen Sie es, ich habe es auch nicht bereut.

Abo-Kündigung
von Finnjet | #6-2

machen Sie es, ich habe es auch nie bereut.

10.03.2013
12:08
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

10.03.2013
10:08
Hochprozentiger Schnapsvorrat im Finanzamt Witten aufgetaucht
von Wurzelputz | #4

Oh Gott, im Finanzamt wurde der Ordner gefunden! Wahrscheinlich heißt es jetzt, die Beamten saufen sich ihre Arbeit lustig! Als wenn nicht fast in jeder Firma so ein Ordner stehen würde!
Ich denke, zum Hochleistungsschmierstoff wurde in der Arbeitszeit nur ausnahmsweise gegriffen. Was hätte man denn gesagt, wenn Flasche und Pinnchen offen griffbereit auf dem Aktenbock gestanden hätten?

Und jetzt soll ja keiner so tun als würde er nie trinken. Ich persönlich habe massive Probleme, weil ich keinen Alkohol trinke und bei jeder Zusammenkunft oder einem Essen mitleidige Blicke ernte und Erläuterungen abgeben muss, weil ich lieber alkoholfreie Getränke bevorzuge.

Ich finde die Story lustig und frage mich, wieso sie überhaupt in die Medien kommt, man hätte sie lochen, in einen Aktenorder abheften und verstauben lassen sollen. Aber ich denke, man wollte der Suchtberaterin ein Forum bieten. Na, gut.

10.03.2013
09:48
Hochprozentiger Schnapsvorrat im Finanzamt Witten aufgetaucht
von wahlpottler | #3

Jepp, genau diese Ordner mit genau dieser Aufschrift konnte man als Werbemittel bestellen, beispielsweise bei Schn..der.

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