Hitler-Satire überzeugt Wittener Publikum

Abgepudert: Guido Thurk überzeugte als Hitler-Darsteller Nummer eins. Vesna Buljevic schlüpfte in fünf verschiedene Rollen.
Abgepudert: Guido Thurk überzeugte als Hitler-Darsteller Nummer eins. Vesna Buljevic schlüpfte in fünf verschiedene Rollen.
Foto: Volker Beushausen
Was wir bereits wissen
Das Westfälische Landestheater inszenierte Timur Vermes’ ungewöhnlichen Roman „Er ist wieder da“. Eine bissige Begegnung mit Hitler.

Witten..  Eine bissige Satire servierte das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel den Besuchern des Saalbaus. In der guten Stube blieb kein Sessel frei. Die brillant inszenierte Hitler-Parodie „Er ist wieder da“ über zeugte mit satirischem Biss und ließ erbarmungslos zwei Welten aufeinanderprallen: gestern und heute.

Die Story nach dem gleichnamigen Roman von Timur Vermes ist schnell erzählt. Hitler erwacht mitten im heutigen Berlin und erkennt dort nichts wieder. Die Menschen denken, er sei ein Comedian, ein Schauspieler. Fragen ihn, wo er auftritt und ob er ein Programm hat. Hitler ist anfangs verunsichert, hält aber weiterhin flammende, hasserfüllte Reden – aus seiner damaligen Welt. Doch niemand nimmt ihn ernst. Man hält ihn für einen genialen Komiker: „Man könnte meinen, Sie wären es tatsächlich.“

Beängstigend realistisch

Das Fernsehen stürzt sich auf Hitler. Die Medien geben ihm ein Forum, denn er bringt Quoten und Klicks im Internet. Die Medienmacher umgarnen Hitler. Sie reden von Formaten und Karrieren, nie von Moral oder Inhalten. Diese Szenen sind beängstigend realistisch und gleichzeitig rasant komisch. Und immer wieder versichert Hitler steif und fest: „Ich war schon immer Hitler, Adolf Hitler.“

Gert Becker bringt in seiner Inszenierung von „Er ist wieder da“ den Roman sehr textgetreu auf die Bühne. Es gibt zwei Hitler-Darsteller mit unterschiedlichen Rollen. Guido Thurk ist ein sprühender, kämpferischer Komödiant, der die gesamte Handlung trägt und die Figur des Führers „überzeugend“ in Szene setzt. Burghard Braun spielt den besonnenen Erzähler, der es versteht, über heutige Politiker bissig zu lästern. Das Theaterstück ist eine ständige Gratwanderung zwischen Lachen und Entsetzen. Das Publikum muss selbst entscheiden, wo die Schmerzgrenze liegt.

Das Bühnenbild ist schlicht, lebt von wenigen Requisiten und der Lichtführung. Bis auf die beiden Hitler-Darsteller übernehmen alle Schauspieler Doppelrollen, ohne dass es dem Publikum auffällt. Die Dramaturgie ist rasant, die verbalen Duelle folgen Schlag auf Schlag. Die beiden Welten nehmen einander nicht wirklich wahr – so entsteht eine gelungene bissige Gesellschaftskritik. Das Ensemble lässt den Diktator wieder auferstehen – originell, bedrückend, komisch, aber sehr unterhaltsam.