Hilfesuchende kommen von weit her
03.03.2010 | 19:27 Uhr 2010-03-03T19:27:00+0100
Professor Peter Cichon behandelt Menschen mit Behinderungen bei Zahnerkrankungen. Und er lehrt und forscht darüber.
Es war mehr ein Zufall, der Professor Peter Cichon zu seiner beruflichen Bestimmung führte: Als der Benediktus-Hof, ein Heim für Menschen mit Behinderungen im Münsterland, vor etwa 25 Jahren einen Zahnarzt suchte, kamen die Verantwortlichen auf Cichon zu.
Er sagte zu und behandelte die Bewohner. Dabei stellte er das Prinzip auf, dass sich die Behandlung Behinderter nicht von der Nicht-Behinderter unterscheiden sollte.
An der Uni Witten/Herdecke stieg er Ende der Achtziger in den Bereich Parodontologie ein, erinnert sich der 64-Jährige. Studenten baten ihn dann, Vorlesungen über die zahnärztliche Behandlung von Menschen mit Behinderungen zu halten. Er sprach mit dem damaligen Ärztlichen Direktor, der Cichon aber „keine Räume und kein Geld” zur Verfügung stellen konnte.
„Ich habe in umliegenden Einrichtungen Vorträge gehalten und Samstag in der Zahnklinik in Bommern Menschen mit Behinderungen behandelt”, so Cichon. Die Studenten halfen ihm. Mit Gründervater Konrad Schily sprach er dann über seine Arbeit und entschloss sich, darüber zu habilitieren.
1999 wurde er Professor. Heute behandeln drei Ärzte Betroffene in der Zahnklinik - und Studenten können in ihrer Ausbildung früh lernen, die Scheu zu verlieren: „Der Umgang mit Behinderten ist für die Studenten etwas ganz Normales”, erklärt Cichon. Eine Erfahrung, die für den 64-Jährigen ganz wichtig ist. „Und sie lernen auch, unter Narkose zu behandeln.” Denn Menschen mit schweren Einschränkungen sei es manchmal nicht möglich, über längere Zeit den Kopf ruhig zu halten.
In seiner Arbeit überprüft Cichon wissenschaftliche Studien über die Behandlung oraler Krankheiten und über Behandlungskonzepte (Zahnerhaltung und Prävention) bei Menschen mit Behinderungen. Rund 1800 kämen pro Jahr zu ihm und seinem Team, so Cichon – viele von weit her. „Wir sind die größte Lehr- und Behandlungsabteilung in Deutschland, vielleicht sogar weltweit”, sagt der Professor. Seine Forschungen zum Thema Zahnerhalt bei Patienten mit Morbus Down beeindruckten die Apollonia Stiftung der Zahnärzte in Westfalen-Lippe so sehr, dass sie ihm vor einigen Monaten ihren Förderpreis für wissenschaftliche Leistungen verlieh.
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