Herbeder hängten weiße Laken aus dem Fenster

Aber die Aufklärer hatten wohl entdeckt, dass auf der Ruhrhöhe zwischen Herbede und Vormholz zwei Bunker und eine Flakstellung waren. Denn plötzlich kamen Panzergranaten aus Richtung Querenburg nach Herbede. Mein Elternhaus und zwei Nachbarhäuser lagen genau in der Spur zur Ruhrhöhe. Jede zu kurz abgeschossene Granate landete bei uns.

Die erste Granate landete unter der Mauer zum Nachbargrundstück, die Mauer kippte gleich um. Die zweite traf die Garage. Die dritte ging ins „Herzhäuschen“ – und so ging es weiter. Schließlich waren es elf Stück.

Zwei Tage später kamen die Panzer über Bommern nach Herbede. Wir waren aufgefordert worden, weiße Fahnen oder Laken aus dem Fenster zu hängen. Die Soldaten waren friedlich. Auf dem ersten Panzer war ein deutscher Soldat aus Herbede, den jeder kannte. Die Amerikaner setzten ihn als „menschlichen Schutzschild“ ein – sie wussten, dass die Deutschen nie auf ihn geschossen hätten.

Der deutsche Soldat hatte ein paar Tage Urlaub, weil sein Vater durch Bombensplitter gefallen war. Man hatte ihn im Hausgarten beerdigt und erst nach Kriegsende umgebettet.