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Helmut Dorsch hat das Gesicht der Stadt Witten geprägt

09.02.2016 | 09:00 Uhr
Helmut Dorsch hat das Gesicht der Stadt Witten geprägt
Helmut Dorsch (78) vor dem Fachwerkhaus von Paul Rybarsch im Johannisviertel. Der Hobbyzeichner hat diese Motiv auch selbst gezeichnet.Foto: Thomas Nitsche

Witten.   Helmut Dorsch war von 1982 bis 1997 Baurat. Er stellte Weichen für den Wiederaufbau von Haus Witten, den Uni-Neubau und die neue Fußgängerzone.

Helmut Dorsch blickt freundlich in die Kamera des Fotografen. Der Wetteraner, der von 1985 bis 1997 Stadtbaurat von Witten war, ist mit sich und der Welt im Reinen.

Ganz so selbstverständlich ist das nicht. Ausgeschieden war er mit sechzig vorzeitig und unfreiwillig, als ihn eine schwere Krankheit aus der Bahn warf. Die hatte er nach einjährigem Kampf bezwungen. „Ich bin glücklich, dass ich gesund bin“, sagt der heute wieder sehr umtriebige 78-Jährige.

Die Wittener Politik ist mit den Stadtbauräten nicht immer zimperlich umgesprungen. Für Dorsch war die Wiederwahl nach acht Jahren nur eine Formsache. Er hatte kein Parteibuch. Die Trennung zwischen Verwaltung und Politik sei damals klarer gewesen, das Zusammenspiel mit Stadtdirektor Reinhard Wiederhold, Rechtsdezernent Dr. Franz Otto und Kämmerer Dr. Hans Meier sehr harmonisch – zum überwiegenden Teil auch das mit den Fraktionen.

Nur drei Parteien im Rat

Es gab damals aber auch nur drei Parteien, die es über die Fünf-Prozent-Hürde schafften: SPD, CDU und Grüne. „War die SPD nicht einverstanden, konnte es sich etwas ziehen“, erinnert sich Dorsch im Nachfassen an die damals noch sehr klaren Mehrheitsverhältnisse.

Bei seiner größten „Niederlage“ muss er aber nicht lange überlegen: „Dass der Rathausanbau kaputtgemacht wurde!“ Für den Anbau an den Südflügel (heute Bushaltestellendach) hatte nach seiner Einschätzung alles gestimmt: „Wir hatten einen Entwurf von Axel Schultes, der das Bundeskanzleramt gebaut hat, es gab ein Kaufangebot, es war total vermarktet, die Kaufmannschaft stand dahinter . . .“ Die Gegner, die das Projekt 1997 über einen Bürgerentscheid zu Fall brachten, hätten „falsch gespielt“, meint Dorsch. „Da sollte doch gar nicht das Rathaus rein!“

Chance verpasst für einen „geschlossenen“ Rathausplatz

Ärgert ihn das noch? „Für die Stadt ist etwas Schlimmes passiert. Das hätte eine andere Innenstadt gegeben! Mit der Anordnung wie vor dem Krieg wäre ein geschlossener Rathausplatz entstanden.“ Damit, so Dorsch, hätte man auch die Weichen für den Kornmarkt gleich richtig stellen können, ebenfalls orientiert am historischen Vorbild.

Dass er nicht im Gestern verhaftet ist, bewies er an Haus Witten: „Der Wiederaufbau trägt meine Handschrift, das war mein schönstes Projekt.“ Gegen massiven Widerstand setzte er beim 15 Millionen Euro teuren Bau durch, dass die Ruine nicht historisierend eins zu eins restauriert wurde. Alles Neue wurde „ablesbar“ in Stahl und Glas ausgeführt. Haus Witten sei damals „ein Mekka für Denkmalpfleger“ geworden, sagt Dorsch. 1997 heimste es den „Europa-Nostra-Preis“ ein.

Neubau der Universität

Das Gesicht der Stadt hat Dorsch auch an anderen Stellen geprägt: Bei Neubau der Uni setzte er sich in der Fachjury gegen einen Großkomplex und für das heutige Erscheinungsbild mit der repräsentativen Eingangshalle ein. Der Neubau der Brücke nach Bommern – das Land wollte erst nur eine schmale genehmigen – und der schmucken kleinen Nachtigallbrücke fallen in seine Amtszeit.

Vor der Erneuerung der Fußgängerzone gab es Mitte der 1990er Jahre die Diskussion, ob die Straßenbahn dort weiter fahren sollte oder nicht. Nach neuen Sicherheitsvorschriften hätte man die 310 damals „einzäunen“ müssen. Der Baurat Dorsch fand eine Lücke in den Zaun-Bestimmungen. Das Ende der Geschichte ist bekannt.

In Witten geboren

Als Helmut Dorsch 1985 Stadtbaurat in Witten wurde, schloss sich für den 47-Jähren ein Kreis. Er hatte 1937 das Licht der Welt im Wittener Diakonissenhaus erblickt – aufgewachsen ist er dann aber in Wanne-Eickel. Er studierte Architektur in Braunschweig, baute als freier Architekt drei Kirchen, war Abteilungsleiter im Staatshochbauamt Hannover, dann Baudezernent für den Neubau der Medizinischen Hochschule Hannover.

Von 1972 bis 1985 war er Stadtbaurat von Wetter – seine Wahlheimat seither. Er wohnt in der „Freiheit“ von Alt-Wetter, dem mittelalterlichen Burgdorf mit Blick über den Harkortsee. Dort hat er die frühere Jugendherberge als Privatmann erworben und umgebaut.

Passionierter Musiker und Maler

Den „Musen“ war er immer zugewandt. Nebenher hatte Dorsch Kirchenmusik studiert, den Hochschulchor geleitet, sich als Student auf der Kirchenorgel was dazuverdient. Er spielte jahrelang Klarinette im Wittener Vhs-Orchester, setzt sich heute noch im Kammermusikkreis ans Klavier, spielt Oboe. Er ist passionierter Zeichner und Maler. Als Stadtbaurat von Wetter fing er an, zu Weihnachten Grußkarten mit Stadtansichten zu zeichnen. In den letzte Jahren malt er hauptsächlich kleine Aquarelle.

Enkel haben das Kommando

Die „erste Geige“ im Leben de 78-Jährigen spielt heute aber die Familie. Mit Ehefrau Renate (75) hat er drei Kinder und vier Enkel. Einen guten Teil des Jahres verbringen die Beiden, am liebsten mit dem Nachwuchs, in ihrem kleinen Häuschen an der Ostsee.

Damit nicht genug: Helmut Dorsch liebt auch noch den Wassersport. Als das Windsurfen aufkam, hatte er den Club am Harkortsee mitgegründet. Als er 70 wurde, „verboten“ ihm Frau und Kinder das Brett, verordneten den Umstieg auf einen Einhandsegler der Laserklasse. „Seitdem“, zwinkert Dorsch, „surfe ich im Sitzen“.

Johannes Kopps

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