Helfen aus Dankbarkeit für 70 Jahre Friedenszeit

Das neue Jahr 2015 hat begonnen. Vielleicht haben wir am Silvesterabend einen Moment darüber nachgedacht, was uns in dem neuen Jahr wohl erwarten wird.

Die Aussichten sind nicht mehr so rosig, wie sie es noch am Beginn des Vorjahres gewesen sind. Die Fronten zwischen der EU und Russland haben sich verhärtet. Zum ersten Mal nach langer Zeit bezeichnet der russische Präsident ganz offen die Nato, deren Mitglied Deutschland ist, als den erklärten Feind Russlands. Das lässt auf nichts Gutes hoffen. Auch der Kampf gegen den Terrorismus in Syrien und im Irak geht unvermindert weiter.

Der Strom der Flüchtlinge reißt nicht ab und wird uns, auch in Witten, noch vor große Probleme stellen. Eine der dringlichsten Fragen wird sein, wie wir damit umgehen. Wird uns das furchtbare Schicksal dieser Flüchtlinge kalt lassen? Oder werden wir mit unserer Stadt alles tun, um diesen furchtbar gebeutelten, oft genug traumatisierten Menschen zu helfen?

Ich gehöre noch zu der Generation, die das Kriegsende vor genau 70 Jahren mit seinem Elend und den nicht abreißenden Flüchtlingsströmen ziemlich bewusst miterlebt hat, aber auch den Wiederaufbau und die gelungene Integration erfahren durfte. Sollten wir nicht aus Dankbarkeit für 70 Jahre Friedenszeit offen sein für die jetzige Not der Flüchtlinge?

Die Jahreslosung der christlichen Kirchen möchte uns eine Hilfestellung geben. Paulus gibt sie in seinem Brief an die Römer (Kap.15,7): „Nehmt einander an, wie Christus auch angenommen hat, zu Gottes Lob.“
Ulrich G.Schneider, Pfarrer i. R.