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Heimatgefühle im fernen Witten

04.08.2009 | 05:30 Uhr

„Treffpunkt Afrika” will Flüchtlingen ein Forum zum Austausch und zur Kontaktpflege bieten.

„Willkommen!” steht auf dem Handzettel, mit dem der Treffpunkt „Afrika” neue Mitglieder begrüßt – deutsche und afrikanische. Deshalb ist die Begrüßung auch auf suaheli (Karibu), botswanisch (Amogelesega) und kongolesisch (Mbote) zu lesen. Viele Afrikaner konnten Otmar Weißhaupt und Paul West Esika bei den monatlichen Treffen der Initiative noch nicht willkommen heißen. Das soll sich ändern.

Eine Handvoll Afrikaner schaut jeden vierten Donnerstag im Monat (18 Uhr) im Caritas-Cafe´ Credo an der Hauptstraße 81 vorbei. Im Juni 2008, als die Initiative gegründet wurde, hatte Weißhaupt einen höheren Zulauf der afrikanischen Bevölkerung erwartet. Die Initiative soll ein Forum zum Austausch und zur Kontaktpflege bieten.

In der Ruhrstadt leben immerhin 275 Afrikaner, die aus den unterschiedlichsten Ländern des schwarzen Kontinents kommen. Die einzelnen Nationen sind in Witten aber überschaubar und meist mit den Fingern einer Hand abzuzählen. „Daher hat es auch keinen Sinn, einen deutsch-botswanischen Verein zu gründen”, sagt Weißhaupt, der mit einer Botswanerin verheiratet ist. „Wir wollen die Initiative allen Afrikanern öffnen.”

Da aber Weißhaupt weiß, dass nur wenige Afrikaner in einer deutschen Zeitung blättern und über die Möglichkeit des Angebots Bescheid wissen, appelliert er an die Wittener, Afrikanern vom Treffpunkt an der Hauptstraße zu erzählen.

Wie seine afrikanischen Landsleute motiviert werden können mitzumachen, glaubt der Nigerianer Paul West Esika zu wissen. „Mit Aktivitäten, die sie von den Stühlen holen und nach draußen locken”, sagt der 49-Jährige. „Wir müssen da ansetzen, wo die Afrikaner was vermissen, und ihnen ein Stück Sozialleben geben.” Dazu zählt er das afrikanische Essen und die Musik.

Probleme bei der Integration sieht Paul West Esika in der Sprache und mit der Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Eben diese sozialen Dinge sollen im Treffpunkt Afrika angegangen werden. „Wir wollen Hilfe leisten, Mut machen und Kontakte vermitteln”, sagt Otmar Weißhaupt.

Info
Ehrenamtliches Engagement

Der Freiwilligentag findet in Witten am Samstag, 12. September, statt. In loser Folge wollen wir bis dahin Institutionen, Initiativen, Vereine und Verbände vorstellen, die sich mit ihrem ehrenamtlichen Engagement um das menschliche Miteinander in Witten verdient machen. Zum Auftakt stellen wir heute die Initiative „Treffpunkt Afrika” vor.

West Esika, der in seiner Heimat Politiker war, flüchtete vor drei Jahren nach Witten. Er arbeitet seitdem als Hausmeister (Ein-Euro-Job) und gründete mit Weißhaupt, dessen Frau und zwei weiteren Afrikanern die Initiative. Seine afrikanische Identität lebt er im Gospelchor und bei Trommelworkshops aus, die er leitet. Dazu organisierte er Ende Juni mit dem Treffpunkt Afrika eine Projektwoche an der Waldorfschule.

Beim Freiwilligentag am 12. September (Samstag) wird gemeinsam im Caritas-Cafe´ Credo gekocht. Paul West Esika brutzelt nigerianisch, eine Tunesierin wird Leckereien aus ihrer Heimat auf die Teller zaubern und Otmar Weißhaupt hat aus seinem letzten Botswana-Urlaub ein paar Zutaten mitgebracht: Hirse, Mais, wilde Früchte, getrocknete Bohnenblätter, die wie Teeblätter und Spinat schmecken, und getrocknete Raupen. Neben lukullischen Genüssen werden Filme und Fotos gezeigt, dazu wird West Esika auf einer Marimba und einer Trommel musizieren.

„Wazobia” würde Paul West Esika dann zu allen Besuchern sagen – Willkommen.

Rulof Albert

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