Das aktuelle Wetter Witten 19°C
Mein Witten

Heimatgefühle entwickelt man eher zu Fuß

27.05.2012 | 10:00 Uhr
Heimatgefühle entwickelt man eher zu Fuß
Idylle am Annener Berg: Marion Körner arbeitet am Institut für Waldorfpädagogik. Foto: Uwe Möller/ WAZ FotoPool

Witten. Seit fast 30 Jahren lebt Marion Körner (48) in Witten. Mit Unterbrechungen. Doch immer wieder kehrte die Verwaltungsleiterin und PR-Frau des Instituts für Waldorf-Pädagogik in die Ruhrstadt zurück.

Dabei wurde sie nicht mal hier geboren, sondern in Hamburg-Wandsbek. Irgendwo in der holsteinischen Schweiz verlebte Marion Körner ihre Kindheit und Jugend. „Da, wo der Kopf gleich im Himmel ist“, wie eine Freundin aus den Bergen es angesichts des norddeutschen Flachlandes mal formuliert habe. Den eigenen Kopf hatte Marion Körner irgendwann in der Oberstufe voll mit der Idee, dass der Mensch doch etwas Ganzes sei. Und dass er Anschluss finden müsse an das, was kulturell aus ihm geworden sei.

Sie liebäugelte mit einem Studium der polyästhetischen Erziehung, das sämtliche Bereiche der Künste abdeckt. Daraus wurde nichts, ebensowenig wie aus der Grafikdesign-Lehre. Weil sie „Hunger auf was tun und leben“ hatte, machte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr und arbeitete in der Schule eines Kinderheims, wo die ganz harten Fälle von der Straße landeten. Dass sie bei solchen 13-Jährigen mit Holzschnitzen keinen Blumentopf gewinnen konnte, merkte die junge Frau schnell. Da fiel ihr der Lehrplan für den Handwerksunterricht an Waldorfschulen in die Hände – und an dieser Stelle kommt endlich Witten ins Spiel. Denn Marion Körner fand Gefallen an der Waldorfpädagogik und konnte kaum glauben, dass man sowas tatsächlich studieren kann. Als sie den Prospekt des Wittener Instituts las, landete sie allerdings erst mal auf dem Boden der Tatsachen: „Ich erkannte da meine Ideen wieder. Dabei wollte ich doch die Welt verändern.“ Auch Karriere machen wollte sie.

Marion Körner kam trotzdem. Dass die Welt im Revier anders war, als in ihrer Vorstellung vom schmutzigen Industriegebiet, merkte sie gleich bei der Ankunft. Im VW-Käfer fuhr sie Straßen entlang, an denen tatsächlich Bäume standen. „Dann stieg ich aus und als ich den Fuß auf den Boden setzte, wusste ich: Hier kommst du so schnell nicht weg.“

Sie studierte und besuchte danach als Sekretärin der Geschäftsführung anthroposophische Einrichtungen in Ungarn, England, Schweden, Holland, der Schweiz. Dann brachte sie 16 Jahre lang Studenten aus Israel, Algerien, Japan oder Korea die deutsche Grammatik bei und marschierte mit ihnen die Ruhr entlang. „Heimatgefühle entwickelt man eher zu Fuß.“

Marion Körner wohnte zuerst an der Crengeldanzstraße, kurz in Stockum, an der Ruhrstraße und zog dann hoch zum Ardey, von wo sie immer noch den Blick übers Tal und rüber zum Annener Berg genießt. Dort sorgt sie seit Mitte der 90er Jahre dafür, dass das Institut für die Wittener kein „Ufo“ bleibt. Denn: „Wir haben was mit dem Leben in der Stadt zu tun.“ Selbst ein Jahr als Lehrerin in Palermo, das war 2010/11, brachte sie von dieser Aufgabe nicht ab. „Witten hat ein hohes Pop-Up-Potenzial“, sagt Marion Körner. „Es ist ein Ort für Menschen, die von irgendwo herkommen und sich hier einmischen können.“

Annette Kreikenbohm


Kommentare
Aus dem Ressort
Wittener Sommerakademie für eine Medizin mit Herz
Uni
In dieser Woche läuft an der Privatuni Witten/Herdecke die Sommerakademie. Von Medizin-Studenten und Medizin-Interessierten organisiert, wollen hier junge Menschen, die einmal in Heilberufen arbeiten werden, über ihr Menschenbild nachdenken. Für eine Medizin mit Herz.
Enkeltrick – immer mehr Senioren betroffen
Kriminalität
Immer häufiger versuchen Kriminelle mit dem Enkeltrick auch bei Wittener Senioren Kasse zu machen. Die Polizei registrierte im Bereich des Präsidiums Bochum, zu dem auch Witten gehört, bislang 223 Betrugsfälle in diesem Jahr. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus, da Opfer aus Scham...
Internetbetrüger aus Witten kommt mit Bewährung davon
Gericht
Ein 19-jähriger Wittener bot über Ebay eine Datei zum Herunterladen an und infizierte damit Computer mehrerer Nutzer aus ganz Deutschland mit einer Schadsoftware. Das versprochene Programm bekamen sie nicht, dafür waren sie 250 Euro ärmer. Für diese Betrügereien und weitere Taten verurteilt ihn das...
„Hier haben meine Träume Platz“ – Kramer über die Ruhrstadt
Interview
Chris Kramer ist in Marl geboren, lebt in Dortmund - und liebt Witten und den Kultursommer. Die WAZ sprach mit dem Musiker über Menschen mit Feingefühl, neue Projekte und sein Lieblingsinstrument. In Witten hat man ihm gesagt: „Mach mal; wenn Du sagst, das wird gut, dann wird das auch gut.“
Wenn Mama den Blues kriegt
Kultursommer
Mit zwei kleinen Kindern zum Konzert von Chris Kramer ins Haus Witten? Kann man machen. Sofern man gute Nerven hat und darauf verzichtet, verdammt gut auszusehen. Ein Selbstversuch von WAZ-Redakteurin Tina Bucek mit Lola (3) und Leo (2)
Umfrage
Landesweit fehlen Plätze in der Nachmittagsbetreuung der Grundschulen. Sind Sie mit dem Ganztagsangebot in Witten zufrieden?

Landesweit fehlen Plätze in der Nachmittagsbetreuung der Grundschulen. Sind Sie mit dem Ganztagsangebot in Witten zufrieden?

 
Fotos und Videos
Wittener Tafelmusik
Bildgalerie
Witten
72 Stunden Kreativität
Bildgalerie
Witten
Seefest Kemnade
Bildgalerie
Witten
Weltmeisterschaft für spielbare Architektur in Witten .
Bildgalerie
72 Stunden