Gutes Image, große Verpflichtung
08.02.2008 | 20:23 Uhr 2008-02-08T20:23:26+0100Beim 10. Kongress für Familienunternehmen geht es um die "Marke Familienunternehmen".Die jungen studentischen Organisatoren kümmern sich dieses Jahr verstärkt um die potenziellen Nachfolger
Was haben Familienunternehmen mit Marken zu tun? Sind sie letztendlich schon durch ihre Natur selbst eine? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der 10. Kongress für Familienunternehmen der Uni Witten/Herdecke bis heute. In einer qualitativen Studie der Universität und des Beraterunternehmens Nextpractice stellte sich heraus: Menschen stellen gerade an Familienunternehmen hohe Erwartungen. Werden diese nicht erfüllt, ist die Enttäuschung wiederum besonders groß.
"Das Image von Familienunternehmen ist deutlich besser als das von börsennotierten Unternehmen" erklärt Prof. Peter Kruse von Nextpractice, man verbinde mit ihnen soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit. Daraus aber ergebe sich eine große Verpflichtung, wie Dr. Wolfram Freudenberg, Vorsitzender des Gesellschafterausschusses der Unternehmensgruppe Freudenberg (u.a. Vileda) und Schirmherr des Kongresses meinte, denn letztendlich müssten Familienunternehmen trotzdem genauso effizient agieren wie andere Gesellschaften.
Zehn Monate Übung in Effizienz und Einsatz hat auch Alexander Krappe hinter sich. Der 25-Jährige Wiwi-Student ist Teil des - ausschließlich studentischen - Organisationsteams. "Die letzten beiden Nächte waren schon recht unruhig", gibt er zu. Dieses Jahr haben die Studenten für den Kongress gleich zwei neue Aktionen gewagt: Eine "Poster-Session", bei denen Kongress-Teilnehmer im Foyer der Uni verpasste Seminare in Kürze mit dem Referenten bereden können, und eine eigene Nachfolger-Schule.
"In den vergangenen neun Jahren wurde das Nachfolgerproblem immer ,top-down' besprochen. Es waren immer die Älteren, die über das Thema redeten." Nun dreht das Team den Spieß um: 15 Jugendliche und junge Erwachsene aus Unternehmerfamilien, darunter sogar zwei 15-Jährige, können sich in Workshops darüber austauschen, wie sie mit ihren Eltern und deren Erwartungen, dem ererbten Geld und der geplanten Nachfolge umgehen wollen, können und sollen. Die Eltern dürfen ausdrücklich nicht teilnehmen.
"Wir verstehen beide Angebote als Experiment", sagt Krappe. Was allen Angeboten gemein ist: Sie sollen ein privater und geschützter Bereich sein, in dem sich die Führungsebene austauschen kann. Auf die Größe der Firma komme es dabei nicht an, betont Krappe: "Allerdings haben wir uns jede Bewerbung genau angeschaut und die aussortiert, wo es offensichtlich nicht um die Kongressinhalte ging, sondern um den Aufbau von Kontakten."
Kontakte aufzubauen und an seinen Aufgaben zu wachsen, dass ist der Mehrwert für die Studenten an dem Engagement für den Kongress. Alexander Krappe hat sich herantasten können: Im dritten Jahr ist er dabei und hat sich vom Fahrer über den Fahrdienstleiter zum Kopf des Orga-Teams gemausert.
"Ein Resümée werde ich erst später ziehen. Im Moment ist das Ganze wie eine Rakete, an der der Docht brennt. Zehn Monate Vorbereitung, konzentriert in anderthalb Tagen . . . da habe ich schon Respekt vor." Das große Problem vieler Firmen hat das "Familienunternehmen Kongress-Team" nicht - die Nachfolge für den 11. Kongress hat sich schon gefunden.
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