Gutachter sehen Wittener Innenstadt in Gefahr

Die „Neue Mitte“ von Annen? Ganz rechts in der hinteren Reihe (ebenfalls lila) sieht man Real, links mit mehreren Gebäuden die Wickmannfläche. Vorne rechts sind 2400 qm für drei neue Fachmärkte eingeplant, schräg gegenüber 3800 qm für einen möglichen Elektrofachmarkt.
Die „Neue Mitte“ von Annen? Ganz rechts in der hinteren Reihe (ebenfalls lila) sieht man Real, links mit mehreren Gebäuden die Wickmannfläche. Vorne rechts sind 2400 qm für drei neue Fachmärkte eingeplant, schräg gegenüber 3800 qm für einen möglichen Elektrofachmarkt.
Foto: Barbara Zabka
Was wir bereits wissen
Wenn sich neue Fachmärkte etwa für Elektrobedarf und Schuhe auf dem Wickmanngelände ansiedeln, drohen laut Gutachten Gefahren für die City und Annen.

Witten.. Eine Öffnung des Wickmanngeländes für neue Fachmärkte mit Elektroartikeln, Schuhen und Drogeriebedarf würde das Stadtteilzentrum Annen, aber auch die Innenstadt deutlich schwächen. Zu diesem Schluss kommt ein Verträglichkeitsgutachter, das Kaufleute aus der Nachbarschaft, aber vor allem auch der Innenstadt anfertigen ließen.

Lokales Zu den Auftraggebern gehört neben der Stadtgalerie, der Standortgemeinschaft Witten-Mitte und einigen Einzelhändlern aus dem Zentrum in erster Linie Real, der Annener Platzhirsch direkt neben Wickmann. Das SB-Warenhaus, wo man von Lebensmitteln bis Spülmaschinen fast alles bekommt geriete nach Einschätzung der Gutachter zumindest unter Druck, wenn das Vorhaben nebenan mit einer Gesamtverkaufsfläche von über 7000 Quadratmetern verwirklicht würde.

Gutachter:„Aufgabe von Saturn zu erwarten“

Während zusätzliche Angebote für Bekleidung und Lebensmitteln als noch verkraftbar eingeschätzt werden, würden andere Branchen deutlich leiden, meinen die Gutachter der in Bergisch Gladbach ansässigen Hahn Gruppe. Sie sehen die größte Gefahr für Elektrowaren, namentlich Saturn.

Siedelt sich auf dem Wickmanngelände tatsächlich ein bis zu 3800 Quadratmeter großer Konkurrent wie Berlet an, verlören ähnliche Anbieter in Annen 155 Prozent Umsatz, die Innenstadt 50 Prozent. Fazit: „Die Aufgabe des Saturn-Fachmarkts ist zu erwarten.“ Die Gutachter sehen den jetzigen Magneten in der Stadtgalerie gerade deshalb gefährdet, weil gerade der Kunde für Elektrobedarf aufs Auto orientiert sei.

„Verödung einzelner Straßenzüge nicht ausgeschlossen“

Bei anderen Sortimenten wie Drogerieartikeln und Schuhen werden Umsatzrückgänge zwischen zwölf und 20 Prozent vorausgesagt. Rossmann in Annen müsse voraussichtlich ebenfalls schließen. Dagegen könne die Innenstadt aufgrund ihrer Leerstände einen zusätzlichen Schuhfachmarkt durchaus vertragen, meinen die Gutachter. Andernfalls, bei entsprechenden Neuansiedlungen auf dem Wickmanngelände, seien zusätzliche Leerstände in der Innenstadt zu erwarten, ebenso im „vorgeschädigten“ Stadtteilzentrum Annen.

Durch die Verschiebungen „innerhalb des Versorgungsbereichs“ sei eine „Verödung einzelner Straßenzüge“ nicht ausgeschlossen. Bis zu 37 Millionen Euro Kaufkraft würden im schlechtesten Falle in die neue Fachmarkt-Mitte fließen, so das Gutachten. Davon entfielen allein 20 Millionen auf das Elektrosortiment.

Politik stellt Weichen für Eigentümer beziehungsweise Investoren

In einem Schreiben an die Bürgermeisterin und die Politik warnt das Gutachterbüro vor einer solchen Entwicklung. Bebauungspläne, die diese bisher unmöglich machten, dürften nicht aufgehoben werden, die Ansiedlung von „großflächigem zentrenrelevanten“ Einzelhandel müsse auf ein Mindestmaß begrenzt werden. Möglicherweise kommen die Bedenken zu spät.

Der Stadtentwicklungsausschuss hat wie berichtet soeben die alten Bebauungspläne aufgehoben, die zum Beispiel einen Elektromarkt unmöglich machten, und damit die Weichen im Sinne der interessierten Grundstückseigentümer und Investoren gestellt.