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Gericht

Großer Drogenhai aus Witten entpuppt sich als kleiner Fisch

21.01.2015 | 16:42 Uhr
Großer Drogenhai aus Witten entpuppt sich als kleiner Fisch
Das Amtsgericht verurteilte den 38-jährigen Wittener zu einer viermonatigen Bewährungsstrafe. Er muss eine Drogentherapie machen.Foto: Werner Liesenhoff

Witten.   Hin und wieder soll er einen Bekannten mit Heroin versorgt haben. Aber von angeblich 350 Drogengeschäften blieb vor Gericht nicht viel übrig.

Glück im Unglück für einen 38-jährigen Wittener: Ein Bekannter hatte ihn als „schweren“ Drogendealer bezichtigt und damit auf die Anklagebank gebracht. Es ging um mindestens 350 Geschäfte, es hätte Gefängnis gedroht. Am Mittwoch widerrief der Bekannte seine Aussage vor Gericht. Eine Bewährungsstrafe gab es trotzdem.

Der 38-jährige Arbeitslose entpuppte sich zwar nicht als der große „Drogenhai“, sondern nur als kleiner Fisch. Sein Bekannter, ein gerichtserfahrener Drogenabhängiger, ruderte im Zeugenstand kleinlaut zurück. Davon, mindestens 350-mal Heroin beim Angeklagten eingekauft zu haben, war keine Rede mehr. „Ganz selten“ habe er etwas von seinem Kollegen bekommen. „Ich habe ihn angerufen, wenn ich im Lutherpark nichts gekriegt habe.“ Geld soll nicht geflossen sein.

Aus „Handel“ wird „unerlaubte Weitergabe von Drogen“

Das „Gelegenheitsgekungel“, wie es Richterin Dr. Barbara Monstadt bezeichnete, war offenbar ein Geben und Nehmen: Der Angeklagte, der das „Geschäft“ letztlich einräumte, durfte persönliche Sachen im Keller seines Bekannten lagern – dafür gab er hin und wieder etwas Heroin ab. Im Urteil - vier Monate auf Bewährung - war darum auch nicht mehr von Handel, sondern von unerlaubter Weitergabe von Drogen die Rede.

Warum der Zeuge die anscheinende Lügengeschichte auftischte, bleibt unklar. Er hatte die 350 Heroingeschäfte angegeben, als er selbst auf der Anklagebank saß, und sogar behauptet, die Wohnung seines Bekannten sei regelmäßig von polnischen und russischen Kunden belagert gewesen. „Möglicherweise hatte er gehofft, besser wegzukommen, wenn er mehr Angaben macht“, vermutete die Richterin mit Blick auf den Zeugen, einem ungelernten Arbeitslosen.

Betriebsschlosser geriet auf schiefe Bahn

Der 38-Jährige, unter anderem wegen Drogenbesitzes und Diebstahl vorbestraft, muss als Auflage eine Drogentherapie absolvieren. Er sei im Gegensatz zu manch anderem „kein hoffnungsloser Fall“, machte die Amtsgerichtsdirektorin Mut. Noch bis vor ein paar Jahren hatte der Annener als Betriebsschlosser bei Bosch-Rexroth gearbeitet, geriet dann aber auf die schiefe Bahn.

Dennis Sohner

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Großer Drogenhai aus Witten entpuppt sich als kleiner Fisch
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2015-01-21 16:42
Witten