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Große Fußball-Karriere von Mirko Votava startete in Witten

18.01.2016 | 14:34 Uhr
Große Fußball-Karriere von Mirko Votava startete in Witten
Trainiert heute die U19 von Werder Bremen: Mirko Votava (M.) im Sommer 2015 mit Mitarbeitern bei einem Freundschaftsspiel gegen den MSV Duisburg in Kirchhellen.Foto:Joachim Kleine-Büning

Witten.   Mirko Votava spielte als Jugendlicher für den VfL Witten. Er ging zum BVB und zu Atlético Madrid, war Europameister und feierte mit Werder Bremen Triumphe.

Er war zweimal Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger, spanischer Pokalsieger und durfte bei der Europameisterschaft 1980 zusammen mit Rummenigge, Hrubesch und Matthäus den Siegerpokal in den Himmel von Rom recken. Eine große Karriere – die 1969 beim VfL Witten startete. 47 Jahre später ist Fußball noch immer Mirko Votavas Leidenschaft, auch wenn er den grünen Rasen längst gegen die Trainerbank getauscht hat.

Dies ist eine dieser Geschichten, die man gar nicht komplett erzählen kann, ohne etwas Wichtiges auslassen zu müssen – so viel hat Votava erlebt. Geboren wurde er am 25. April 1956 in Prag, das nur zwölf Jahre später von der gewaltsamen Niederschlagung der demokratischen Bewegung erschüttert wurde. Votavas Eltern brachten die Familie damals in Australien in Sicherheit: Votavas Vater fand in Sydney eine Stelle als Elektrotechniker. „Aber wir fühlten uns nicht heimisch“, erinnert sich Mirko Votava. Hinzu kam, dass sein Bruder Josef und er, beide hochtalentierte Kicker, dort sportlich keine Perspektiven sahen.

Elektriker-Lehre im Edelstahlwerk

Ihr allererster Verein, Dukla Prag, hatte schon in den Sechzigern Kontakte zum VfL Witten. Und so zog Familie Votava 1969 ins Ruhrgebiet. Die Jungs verdienten ihre ersten Sporen in der VfL-Jugendmannschaft und büffelten in der Freiligrathschule. In Witten absolvierte Mirko Votava später dann auch seine Ausbildung als Starkstromelektriker – im Edelstahlwerk. 1973 wechselte dann Josef Votava zu Borussia Dortmund. Der Verein spielte in der Regionalliga, der damals zweithöchsten Spielklasse. In derselben Saison folgte ihm Mirko, der eigentlich Miroslav heißt, zum BVB. Die Ablösesumme: 1500 DM. „Ich habe damals noch halbtags gearbeitet und wurde dann mittags abgeholt zum Training – ich hatte ja keinen Führerschein“, erzählt Votava.

25 Tore für den BVB

1976 schafften die Borussen den Aufstieg in die erste Liga. Und Mirko Votava blieb den Schwarz-Gelben bis 1982 treu und bescherte den Fans 25 Tore – obwohl er als defensiver Mittelfeldspieler vor allem anderen den Abschluss ermöglichte. „Ich kann Bälle erobern und nach vorne spielen“, erklärt er es selber ganz nüchtern.

Spanzier bezahlten Rekordsumme

Wie brillant er aber dies konnte, fiel Anfang der Achtziger auch Atlético Madrid ins Auge. Und weil sich die Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung mit dem BVB schwierig gestalteten, wechselte er für die damalige Rekordsumme von 1,3 Millionen DM nach Spanien. 95 Mal stand er für die „Rojiblancos“, die Rot-Weißen, auf dem Platz. Er fühlte sich wohl, konnte sich schnell auf Spanisch unterhalten. „Sprachen tun mir nicht weh“, sagt er. Fünf spricht er insgesamt. Und doch überfiel ihn irgendwann das Heimweh. „Meine Frau wäre lieber in Madrid geblieben“, schmunzelt er.

Kapitänsbinde bei Werder

Es ging trotzdem zurück. Otto Rehhagel hatte Votava im Bernabéu-Stadion bei einem Spiel gegen Real Madrid gesehen und holte ihn an die Weser. Für Werder Bremen lief Votava von 1985 bis 1996 ganze 357 Mal auf den Rasen, war lange Kapitän. Und mit den Grün-Weißen wurde er 1988 und 1993 Meister, 1991 und 1994 Pokalsieger und 1992 Europapokalsieger der Pokalsieger. Und natürlich war er Nationalspieler.

Taltente gefördert

Nach einem Abstecher beim VfB Oldenburg beendete er 1998 seine Karriere als Spieler mit mehreren Rekorden in der Tasche: Votava ist der älteste Bundesligatorschütze und mit 79 Einsätzen Rekordspieler im DFB-Pokal. Doch natürlich setzte er sich nicht zur Ruhe. Er wurde Trainer in Oldenburg, Meppen, bei Union Berlin und leitet seit 2004 die U19 von Werder Bremen, die so erfolgreiche Spieler wie die Werder-Profis Felix Wiedwald und Philipp Bargfrede und den Wolfsburg-Star Max Kruse hervorgebracht hat. Seine Philosophie: „Man muss mit der Zeit gehen. Jugendliche haben heute eine ganz andere Welt als wir damals. Deshalb vermeide ich auch, zu viel von früher zu erzählen.“

„Späher“ für Rehagel

Dabei hat er so viel zu erzählen: Dass er vor der Europameisterschaft 2004 für Otto Rehagel die gegnerischen Mannschaften beobachtet hat. Griechenland wurde bekanntlich Europameister. „Hätte ich das gewusst, hätte ich etwas anderes ausgehandelt“, schmunzelt Votava. Er habe gerne mit Rehagel zusammengearbeitet: „Was er angepackt hat, hat einfach gepasst.“ Oder wie es sich anfühlt, bei den drei „Wundern von der Weser“ dabei gewesen zu sein: Beim 6:2 gegen Spartak Moskau 1987, als Werder zunächst 1:4 zurückgelegen hatte. Beim 5:0 gegen Dynamo Berlin 1988 (Hinspiel endete 0 zu 3) und beim 5:3 gegen Anderlecht 1993 (Halbzeitstand war 0:3). Eine große Karriere – die in Witten ihren Anfang nahm.

Claudia Scholz

Kommentare
18.01.2016
17:32
Ein großartiger und anständiger Sportsmann, der Mirko!
von Peter.Pass | #1

Hab ihn schon in den Frühsiebzigern (eher zwangsweise beim "Sonntag mit Opa") hier in Witten spielen sehen und danach während seiner aktiven...
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2016-01-18 14:34
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