Gott aber sieht das Herz

Hand aufs Herz, lieber Zeitgenosse: Was sehen Deine Augen, wenn sie sich so umsehen? Schlechtes Wetter, schlechte Figur, schlechte Wirtschaftslage, schlechte Stimmung, oder? Es ist schon eine Herausforderung, in diesen Zeiten etwas Mutmachendes zu entdecken.

In einem Bibelwort aus dem Alten Testament heißt es: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist. Gott aber sieht das Herz an.” Nun frage ich mich, ob Gott nicht verzweifelt ins Weltall flüchten müsste, wenn er sich unsere Herzen ansieht. In meinem Herzen zumindest findet er all das, worauf ich nicht sonderlich stolz bin: Zorn, Vorurteile, Neid, na und all das, wozu wir Menschen fähig sind.

Doch mit Gottes Augen gesehen, finde ich all das wieder, was ich längst verloren glaubte: Mut, Tatkraft, Glaube, Hoffnung, Liebe. Es ist noch da und wartet darauf, ans Tageslicht zu dürfen, bei mir und bei Dir. Und das ist es, was mir Hoffnung gibt in diesen verwirrten und verirrten Zeiten.

Denn wir haben kein kulturelles, religiöses oder nationales Problem, sondern ein menschliches: Das Feind- sollte unser Freundbild werden. Mit Gottes Augen sehen lernen, heißt: Mir selbst und dem Nächsten vergeben können. In der Vergebung nehme ich dem Bösen die Chance, mich zu beherrschen. Wenn es Dir wieder schlecht geht oder Dir von dem, was Du siehst, schlecht wird, denk dran: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.”
Dirk Schuklat, Pastor in der ev. Martin-Luther-Gemeinde