Gewerkschaft macht gegen „Jobs zweiter Klasse“ mobil

Immer mehr „Jobs zweiter Klasse“: Die Zahl der Leiharbeiter im EN-Kreis hat drastisch zugenommen. Im vergangenen Jahr gab es nach Angaben der Arbeitsagentur 1568 Beschäftigte in Leiharbeit. Zehn Jahre zuvor waren es 835.

Dies sei eine Zunahme von 88 Prozent, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitteilt. Die NGG Südwestfalen spricht von einer alarmierenden Tendenz – und fordert die Politik zum schnellen Handeln auf.

„Gerade berät der Bundestag über ein Gesetz gegen den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen. „Die Zahlen zeigen, dass wir eine Regelung dringender brauchen denn je“, betont Isabell Mura, NGG-Geschäftsführerin. Allerdings müsse am Gesetz noch deutlich nachgebessert werden, um den „Wildwuchs im heimischen Arbeitsmarkt“ wirklich zu bekämpfen. Hierfür sollten sich jetzt die Bundestagsabgeordneten aus dem EN-Kreis in Berlin stark machen, fordert Mura.

Bei der Leiharbeit werden Beschäftigte an einen Betrieb verliehen, wo sie dann für den gleichen Job weniger Geld bekommen als das Stammpersonal. Ursprünglich sollte das einmal auf Auftragsspitzen bei den Unternehmen beschränkt sein. „Häufig nutzen Chefs das aber zur dauerhaften Lohn-Drückerei“, so Mura. Und die Leiharbeiter bekämen meist keine Chance, ins Stammpersonal aufzurücken.

„Gerade in der nordrhein-westfälischen Lebensmittelindustrie wird Leiharbeit zum Problem. Mit dem Missbrauch von Werkverträgen haben wir es besonders in der Fleischverarbeitung zu tun. Dabei sind Leiharbeiter – genauso wie Werkvertragsbeschäftigte – bei der Altersvorsorge und beim Urlaub schlechter gestellt als die Stammbelegschaft.“

Der Gesetzentwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles sieht vor, dass Leiharbeiter spätestens nach neun Monaten in einem Betrieb die gleiche Bezahlung bekommen wie das Stammpersonal. Die Höchstverleihdauer soll auf 18 Monate begrenzt werden. Dies gelte jedoch, so Mura, „nur für Personen, nicht aber für die Arbeitsplätze. Damit können Leiharbeiter im Prinzip alle 18 Monate ausgetauscht werden“. Auch Betriebsräte sollen nach dem geplanten Gesetz lediglich Informationsrechte bekommen, aber keine Mitbestimmungsrechte, bemängelt die NGG. „Trotz allem wäre das Gesetz ein erster Schritt“, betont Mura. „Deshalb darf es im Bundestag auch auf keinen Fall scheitern.“