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Gewerbesteuer erhitzt Gemüter

15.02.2013 | 18:50 Uhr
Gewerbesteuer erhitzt Gemüter
Die hohe und voraussichtlich weiter steigende Gewerbesteuer empfinden zahlreiche Wittener Unternehmen als wenig erfreulich. Gerade auch für Neuansiedlung von Firmen.Foto: Hans Blossey

Witten. „Ein zweites Werk würde ich in Witten nicht aufmachen“, sagt Erik Böhmer, Geschäftsführer der Eisenwerke an der Annenstraße. So wie er, sind zahlreiche Wittener Unternehmer wenig erfreut über die hiesigen hohen Gewerbesteuern.

Erst recht, wenn, wie geplant, 2014 diese Steuerschraube nochmal angezogen und Witten landesweit mit zur Spitzengruppe gehören würde.

Bereits 2011 war sie hier von 440 auf aktuell 490 Punkte erhöht worden. Zum Vergleich: In Wittens Nachbarstädten Bochum beträgt sie laut IHK Mittleres Ruhrgebiet derzeit 480, in Dortmund 485 und in Hattingen 490. Spitzenreiter ist Oberhausen mit 520 Punkten.

Rat muss Erhöhung beschließen

Zur Sanierung des Haushaltes plant Wittens Kämmerer, unter anderem die Erhöhung der Gewerbesteuer, die für 2016 vorgesehen war, auf 2014 vorzuziehen. Und zwar auf 500 Punkte. Das brächte der Stadt im nächsten Jahr zusätzlich 1,1 Millionen, 2015 weitere 1,137 Mio. Beschließen muss das aber der Rat. Allerdings planen auch andere Städte, weiter an dieser Steuerschraube zu drehen. So will Marl (aktuell: 480 Punkte) 2014 auf 530 gehen.

„Das Gesamtpaket beider Erhöhungen ist sicher langfristig nicht hilfreich für Witten als Unternehmensstandort“, sagt Mark Eslamlooy, Vorsitzender der Geschäftsführung des Baustoffunternehmens Ardex. Und weiter: „Entscheidend ist die Abwägung von aktuellen Haushaltsnöten und der Zukunftsfähigkeit der Stadt Witten als Produktions- und Forschungsstandort.“ Für die Firma Ardex, die weltweit 2000 Mitarbeiter, davon knapp 400 in Witten hat, stelle dieses Gesamtpaket jedenfalls „eine erhebliche Belastung“ dar.

„Alle müssen sich an der Sanierung des Wittener Haushalts beteiligen, auch die Unternehmer. Denn die Belastungen müssen gerecht verteilt werden“, hält SPD-Ratsmitglied Jürgen Dietrich dem entgegen.

„Grundsätzlich trägt eine drastische Erhöhung der Gewerbesteuer angesichts der ohnehin steigenden Finanzbelastung für die deutsche Wirtschaft natürlich nicht zur Stärkung eines Standorts bei“, heißt es von den Deutschen Edelstahlwerken Witten, die steuerlich über ihren Dachkonzern in Düsseldorf angesiedelt sind.

„Warum sollen Unternehmen nach Witten kommen?“, fragt etwas provozierend Radomir Zecevic, Geschäftsführender Gesellschafter der Eventagentur Time Trax. Er und sein Kompagnon Markus Bürger sind allerdings Ur-Wittener. Anfang 2012 zog ihre Dortmunder Firma auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten in die repräsentative Villa Lohmann. Die hier höhere Gewerbesteuer, so Zecevic, sei schon „ein ganz schönes Sümmchen.“ Und Erik Böhmer sieht darin „eine Knebelung für Betriebe vor Ort. Denn wir können unsere Hallen und Maschinen nicht einpacken und woanders hinziehen.“

Michael Vaupel

Kommentare
05.03.2013
18:55
Lieber Dachbewohner,
von p.s.a | #8

ein Unternehmer muss nicht umziehen. Nach Abschaffung der Gewerbekapitalsteuer haben größere Unternehmen alle Freiheiten der Welt selbst zu bestimmen...
Weiterlesen

2 Antworten
Gewerbesteuer ist nicht linke Parteipolitik gegen Konzerne
von vomDach | #8-1

Wir reden nicht über die Großen, wir reden hier über die Firmen, wo die Menge es macht.
Branchenüblich ist doch lächerlich, gehen Sie mal davon aus, das es trotzdem funktioniert. Wenn Sie jeden Tag 1000 Brötchen backen und 50 Brötchen schwarz verkaufen, sind das bei 40 Cent, 20€ am Tag. Dabei fallen die Kosten nicht mehr ins Gewicht. Das machen Sie 30 Tage im Monat und haben 600€ in der Tasche. Das ist eine Minimalrechnung, das kann man trotz Prüfer noch anders treiben. Übrigens diese 40 Brötchen tauchen nicht im Schlafzimmerschrank auf, außer der Bäcker legt das Geld in Dessous für seine Frau an, das merkt aber der Prüfer nicht.
Also noch mal, wenn jeder Bürger mehr zahlt, warum dann nicht die Selbstständigen?

Die Prüfungspraxis hat schon so manchem Selbstständigen einen kleinen Schock versetzt.
von p.s.a | #8-2

Aber das ist natürlich eine andere Baustelle als die Diskussion ob eine Steuerflucht bei Beibehaltung der Betriebsstätte möglich ist. Sie funktioniert beim Handel aber auch Produktionsprozessen ganz gut.

Und wie schnell ein internationaler Investor eine Firma wie crossscan verlegen kann, musste Bochum schon erkennen, als eine Uniausgründung in einem ähnlichen Segment (Gesichtererkennung) binnen weniger Wochen nach Übersee verlegt wurde.

Etwas Bauchschmerzen machen Sie mir, wenn Sie unterstellte Steuerhinterziehung zum Argument für eine Gewerbesteuererhöhung machen. Da haben sie ganz schnell die Retourkutsche, dass die Hemmschwelle sinkt Steuerhinterziehung zu begehen.

Die Gewerbetreibenden zu schonen habe ich übrigens nie gefordert, sondern schlicht nur eine Risikoanalyse gewünscht.

Nur zur Orientierung da sie mich in einem anderen Beitrag als Linker bezeichnet haben, sind Sie ein Linker oder Mitte oder rechts oder ist dieses klassifizieren einfach Blödsinn ?

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2013-02-15 18:50
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