Gewerbesteuer erhitzt Gemüter

Die hohe und voraussichtlich weiter steigende Gewerbesteuer empfinden zahlreiche Wittener Unternehmen als wenig erfreulich. Gerade auch für Neuansiedlung von Firmen.
Die hohe und voraussichtlich weiter steigende Gewerbesteuer empfinden zahlreiche Wittener Unternehmen als wenig erfreulich. Gerade auch für Neuansiedlung von Firmen.
Foto: www.blossey.eu

Witten..  „Ein zweites Werk würde ich in Witten nicht aufmachen“, sagt Erik Böhmer, Geschäftsführer der Eisenwerke an der Annenstraße. So wie er, sind zahlreiche Wittener Unternehmer wenig erfreut über die hiesigen hohen Gewerbesteuern.

Erst recht, wenn, wie geplant, 2014 diese Steuerschraube nochmal angezogen und Witten landesweit mit zur Spitzengruppe gehören würde.

Bereits 2011 war sie hier von 440 auf aktuell 490 Punkte erhöht worden. Zum Vergleich: In Wittens Nachbarstädten Bochum beträgt sie laut IHK Mittleres Ruhrgebiet derzeit 480, in Dortmund 485 und in Hattingen 490. Spitzenreiter ist Oberhausen mit 520 Punkten.

Rat muss Erhöhung beschließen

Zur Sanierung des Haushaltes plant Wittens Kämmerer, unter anderem die Erhöhung der Gewerbesteuer, die für 2016 vorgesehen war, auf 2014 vorzuziehen. Und zwar auf 500 Punkte. Das brächte der Stadt im nächsten Jahr zusätzlich 1,1 Millionen, 2015 weitere 1,137 Mio. Beschließen muss das aber der Rat. Allerdings planen auch andere Städte, weiter an dieser Steuerschraube zu drehen. So will Marl (aktuell: 480 Punkte) 2014 auf 530 gehen.

„Das Gesamtpaket beider Erhöhungen ist sicher langfristig nicht hilfreich für Witten als Unternehmensstandort“, sagt Mark Eslamlooy, Vorsitzender der Geschäftsführung des Baustoffunternehmens Ardex. Und weiter: „Entscheidend ist die Abwägung von aktuellen Haushaltsnöten und der Zukunftsfähigkeit der Stadt Witten als Produktions- und Forschungsstandort.“ Für die Firma Ardex, die weltweit 2000 Mitarbeiter, davon knapp 400 in Witten hat, stelle dieses Gesamtpaket jedenfalls „eine erhebliche Belastung“ dar.

„Alle müssen sich an der Sanierung des Wittener Haushalts beteiligen, auch die Unternehmer. Denn die Belastungen müssen gerecht verteilt werden“, hält SPD-Ratsmitglied Jürgen Dietrich dem entgegen.

„Grundsätzlich trägt eine drastische Erhöhung der Gewerbesteuer angesichts der ohnehin steigenden Finanzbelastung für die deutsche Wirtschaft natürlich nicht zur Stärkung eines Standorts bei“, heißt es von den Deutschen Edelstahlwerken Witten, die steuerlich über ihren Dachkonzern in Düsseldorf angesiedelt sind.

„Warum sollen Unternehmen nach Witten kommen?“, fragt etwas provozierend Radomir Zecevic, Geschäftsführender Gesellschafter der Eventagentur Time Trax. Er und sein Kompagnon Markus Bürger sind allerdings Ur-Wittener. Anfang 2012 zog ihre Dortmunder Firma auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten in die repräsentative Villa Lohmann. Die hier höhere Gewerbesteuer, so Zecevic, sei schon „ein ganz schönes Sümmchen.“ Und Erik Böhmer sieht darin „eine Knebelung für Betriebe vor Ort. Denn wir können unsere Hallen und Maschinen nicht einpacken und woanders hinziehen.“