Gerd Kinski geht in den Ruhestand

Der langjährige Kinder- und Jugendbeauftragte Gerd Kinski geht in den Ruhestand. Er war vor 18 Jahren (1997) maßgeblich am Aufbau des KiJuPa beteiligt und hat echte Pionierarbeit geleistet. Danach hat er das Wirken der Nachwuchspolitiker in all` den Jahren mit Rat und Tat unterstützt. Seit 37 Jahren arbeitet er bei der Stadt Witten.
Der langjährige Kinder- und Jugendbeauftragte Gerd Kinski geht in den Ruhestand. Er war vor 18 Jahren (1997) maßgeblich am Aufbau des KiJuPa beteiligt und hat echte Pionierarbeit geleistet. Danach hat er das Wirken der Nachwuchspolitiker in all` den Jahren mit Rat und Tat unterstützt. Seit 37 Jahren arbeitet er bei der Stadt Witten.
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Was wir bereits wissen
37 Jahre hat Gerd Kinski die Wittener Jugendarbeit entscheidend geprägt. Nun geht er in Rente. Seine Nachfolge steht noch nicht fest.

Witten..  Seit 1978 widmet sich der gebürtige Essener Gerd Kinski der Wittener Jugendarbeit – mit Herz und Seele und scheinbar stets im karierten Hemd. Am 13. Juli geht der dann 64-Jährige in den Ruhestand. Seine eigenen drei Kinder sind längst erwachsen. Nur seine drei großen Projekte – die Offene Jugendarbeit, die Ferienspiele und vor allem das Kinder- und Jugendparlament – werden wohl niemals richtig flügge. Ein Interview.

Herr Kinski, wie sind Sie eigentlich nach Witten gekommen?

Kinski: Ich habe mich einfach auf die Stelle als Leiter im Haus der Jugend an der Nordstraße beworben. Das war meine erste Stelle nach dem Berufsanerkennungsjahr als Sozialpädagoge und ich wollte unbedingt in ein Jugendzentrum. So habe ich 1978 an der Nordstraße angefangen. Damals gab es noch Jugendzentren in Herbede und Heven, sowie das Schwedenheim in Annen. Das Konzept im Haus der Jugend habe ich relativ schnell geändert: weg vom Kurssystem, wie bei einer Volkshochschule, hin zu einem stets offenen Haus, wo es dann verschiedene Angebote gab.

Und danach veränderten Sie das Konzept der Ferienspiele...

1990 bin ich ins Jugendamt gewechselt. Meine Idee war es, private Sponsoren für die Ferienspiele zu gewinnen. „Wir gehen als Stadt nicht betteln“, hörte ich damals. Im ersten Jahr kamen 50 000 DM zusätzlich fürs Ferienprogramm zusammen, da konnten wir tolle Sachen umsetzen. Heute ist „Social Sponsoring“ nicht mehr wegzudenken. Aber es gibt weniger Spenden als früher, darum konnte das Angebot nicht gehalten werden.

Witten hat ein reges Kinder- und Jugendparlament. Warum klappt es hier und in anderen Städten nicht?

1995 beschloss der Wittener Rat die Einrichtung des Kijupa. Aber erst 1997 wurde es umgesetzt. Die entscheidenden Faktoren sind: Man braucht eine hauptamtliche Begleitung. So wurde 1997 die Stelle des „Kinder- und Jugendbeauftragten“ geschaffen. Der zweite Punkt ist: Die Jugendlichen brauchen ein Antrags- und Rederecht.

Was waren die größten Erfolge des Kijupa?

Die „Gewaltfreien Tage“ an den Wittener Schulen in 2001. Zum Abschluss gab es eine Menschenkette mit 6000 Schülern und alle ließen gleichzeitig Luftballons steigen. Darüber wurde bundesweit berichtet und ich krieg’ heut noch ne Gänsehaut. Dann 2003 die Einrichtung eines Zebrastreifens an der Stockumer Straße, beim Sportzentrum der Sportunion Annen. Es folgten viele weitere. Und die Eröffnung der Jugendzentren Famous, Treff (2009) und Freeze (2010).

Mit welchen Gefühlen gehen Sie?

Ach, mir hat meine Arbeit wahnsinnig Spaß gemacht. Aber ich bin froh, endlich Zeit für meine Hobbys zu haben und dass dieser permanente Termindruck zu Ende geht. Merkmal meiner Arbeit ist ja, dass nie ein Projekt fertig ist. Wenn der letzte Spielplatz saniert ist, ist der erste wieder dran.

Und was machen Sie ab 14. Juli?

Fahrradfahren, Fußballmannschaften trainieren, an meinem alten BMW rumbasteln und lange reisen möchte ich gern.

Hat es Sie denn nie gestört, als ewiger Berufsjugendlicher zu gelten?

Nee, ich fühle mich auch so. Ich tu’ mich manchmal schwer mit Leuten meiner Generation. Menschen, die in ihrer Entwicklung so festgefahren und fertig sind, dass sie nichts Neues wagen wollen, die kommen mir so furchtbar alt vor!