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Gemeinsam stärker sein

28.06.2009 | 16:57 Uhr
Gemeinsam stärker sein

Mitglieder der Offenen Kirche sprachen beim WAZ-Kirchen-Talk am Sonntag bei Genuss am Fluss über Ökumene, die Zukunft der Kirche und darüber, was Protestanten sexy macht.

Genuss am Fluss – das war diesmal mehr als ein Gaumenschmaus. Während Sonntagvormittag rundum die Köche einheizten, ging vorne ein ökumenischer Gottesdienst über die Bühne. Und als dann langsam köstliche Düfte über den Platz zu ziehen begannen, folgte provokante Kost beim Kirchen-Talk, den WAZ-Redakteur Johannes Kopps moderierte. Zu den Anfängen der Ökumene in der Stadt und der Zukunft der Kirche lieferten Experten ihre Statements – ehrlich und engagiert, unterschiedlich und unterhaltsam.

Der Talk startete mit den Erinnerungen jener, die von Anfang an Offene Kirche – die gelebte Ökumene der Gemeinden Johannis, Kreuz, Marien und Oberdorf – in Witten miterlebten. Alles begann am 1. September '79 – 40 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs – mit einem Bußgottesdienst.

„Wir hätten”, sagt Manfred Blase, ehemaliger Pfarrer der ev. Johannisgemeinde, rückblickend, „als Christen stärker auftreten müssen, um den Krieg zu verhindern.” Viel Herzklopfen habe sie damals gehabt, beschreibt Doris Suhrkemper. Als Mitglied der kath. Gemeide St. Marien hatte sie den Gottesdienst mit vorbereitet. „Und ich war voller Glück, dass sowas möglich ist.” Horst Kruber, 1981 bis 1989 Pastor der evangelisch-freikirchlichen Baptisten-Gemeinde im Oberdorf sah in dem beginnenden Miteinander einen Weg, der Stadt gemeinsam zu helfen. Auch Hinrich Schorling von der Selbstständig Evangelisch-Lutherischen Kreuzgemeinde, vorübergehend eingesprungen für Ulrich Schneider, der noch einen Gottesdienst hielt für die Gemeinde daheim, betonte: „Was wir gemeinsam zu sagen haben, ist stärker als das, was uns trennt.” Noch besser als mit tausend Worten gelinge Ökumene jedoch mit der Musik: „Gemeinsam zu singen und zu loben – das ist richtig gut”, befand Schorling.

Nicht nur die Geistlichen waren es, die der Offenen Kirche den Weg ebneten. „Da haben auch viele Ehrenamtliche mitgemacht”, so Dietrich Blase. Ihnen gebühre Dank. Und er hoffe, dass sie ihr Anliegen an die Jugend weitergeben.

„Gibt's ein gemeinsames Fernziel?”, fragte deshalb Moderator Kopps, selbst aktiv in der Offenen Kirche, zum Schluss der ersten Talk-Runde. Zwar bleibe Marien ihre Heimatgemeinde, sagte Doris Suhrkemper, dennoch gelte: „Wir waren bei Null und sind jetzt voll da und das müssen wir nach außen zeigen.” Baptist Kruber fasste treffend zusammen, was Offene Kirche ausmacht: „Wir lassen da eine Gemeinde wachsen, die so gut ist, weil es ja überall um Gott, Christus und den Heiligen Geist geht.”

Aus dem Herzen sprach er damit Angelika und Friedrich Müller aus Wuppertal. Die beiden, selbst Baptisten, waren mit dem Motorrad unterwegs und nur zufällig bei Genuss am Fluss gelandet. Obwohl: „Zufall war das bestimmt nicht”, sagte die 55-Jährige. Sehr berührt habe sie, was gerade gesagt wurde: „Wir sehnen uns selbst nach der Einheit der Christen und dass nicht jeder seine eigene Soße kocht.” Doch ihre Gemeinde sei davon weit entfernt.

Einig waren sich die Wittener auf der Bühne, dass die Offene Kirche weiterwachsen müsse. Aber, gab Ulrich Schneider auch zu bedenken : „Wir müssen noch viel daran arbeiten, es gibt noch gewaltige Unterschiede.”

Denen durften sich die vier „Neuen” in der zweiten Runde widmen. „Was macht Protestanten sexy?” Auf diese Moderatoren-Frage fiel Pfarrer Reinhard Edeler sofort das Zölibat ein: „Das ist ein menschliches Gesetz und nicht von Gott gewollt.” An den Katholiken wiederum schätze sie deren liturgischen Reichtum, erklärte Julia Holtz, Pfarrerin der Johannisgemeinde und ehemalige Schülerin eines katholischen Nonnengymnasiums, wie sie verriet.

Ökumene, ja bitte. Doch auf Dauer eine Einheit sein? Dass es da hakt, liege an der Arroganz des Einzelnen, so Edeler, Auch für ihn gehöre ein gemeinsames Abendmahl nicht zu den Ur-Sehnsüchten. „Wir halten Luthers Erkenntnisse für die angemessenste Interpretation der heiligen Schrift”, betonte Schorling. „Unser großes Anliegen ist es, dass Gemeinde Glauben transferiert in die Moderne”, sagte Ralf Dadder. Edelers Fazit: „Ökumene ist nicht eine Suppe, in die alle mal was reinwerfen. Wir müssen den Geschmack bewahren und den anderen sein lassen, was er ist.”

Annette Kreikenbohm

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