Gelbe Karte als Dankeschön fürs Ehrenamt

Kennen die Ehrenamtskarte gut: Birgit Ehses (l.) nutzt sie, Judith Bierey von der Freiwilligenagentur Fokus händigt sie aus.
Kennen die Ehrenamtskarte gut: Birgit Ehses (l.) nutzt sie, Judith Bierey von der Freiwilligenagentur Fokus händigt sie aus.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Mit der Ehrenamtskarte bekommt Naturschützerin Birgit Ehses manches günstiger. Es ist eine Anerkennung für alle, die sich bürgerschaftlich engagieren.

Witten..  Das kleine gelbe Kärtchen bietet ihr so manche Vergünstigung: Beim Friseur zum Beispiel kostet der Haarschnitt weniger, im Café gibt’s die Tasse Kaffee zum Kuchen umsonst und bei der Vhs einen Kurs pro Jahr 20 Prozent günstiger. Dafür hat Birgit Ehses aber auch ordentlich geackert: Ohne Bezahlung arbeitet sie seit Jahren in der Naturschutzgruppe Witten (NaWit). Die Ehrenamtskarte ist ein kleiner Lohn für dieses bürgerschaftliche Engagement.

Viele Stunden pro Woche aktiv

Nicht jeder bekommt sie: Wer sie in Anspruch nehmen möchte, muss zwei Jahre mindestens fünf Stunden pro Woche oder 250 Stunden im Jahr ehrenamtlich tätig gewesen sein. Birgit Ehses schafft das locker. Seit 2006 ist die Diplom-Geografin, Landschaftsökologin und Botanikerin Mitglied in der Gruppe, zu der rund 50 Gleichgesinnte gehören. Die 55-Jährige widmet sich dem Naturschutz mit Leidenschaft – und eben nicht nur als freiberufliche Naturpädagogin.

Ihr sei es wichtig, in Witten etwas für die Natur zu tun, sagt Birgit Ehses. Denn außer den städtischen Ämtern kümmere sich doch keiner wirklich darum. Flächen für bedrohte Tierarten wie Kreuzkröte und Zauneidechse zu schaffen, Nistkästen für bestimmte Vogelarten aufzuhängen, auf die Krötenwanderung aufmerksam zu machen, Kopfweiden schneiden – all das gehört zu ihren Freizeit-Aktivitäten in Wald und Flur. Und weil sie inzwischen Vorsitzende der Naturschutzgruppe ist, muss sie auch organisieren und koordinieren. Deshalb ist Birgit Ehses nicht nur draußen unterwegs, sondern sitzt einmal pro Woche am „Bürotag“ in der Biostation und telefoniert täglich von zu Hause aus im Auftrag des Naturschutzes. Zehn Stunden pro Woche kommen da mindestens zusammen.

„Ich hatte mir anfangs nicht vorgestellt, dass ich so viele Stunden ehrenamtlich arbeite“, gesteht die Wittenerin. Doch sie macht es mit Herzblut. „Selbst wenn ich ein gutes Jobangebot in dem Bereich kriegen würde, weiß ich nicht, ob ich das alles hinschmeißen würde.“ Womit sie nicht sagen wolle, dass sie unersetzbar sei. Schließlich erledige sie die Arbeit nicht alleine. Auch das spreche übrigens für ein Ehrenamt: der Kontakt zu anderen Menschen. Die gelbe Karte soll dabei nur eine kleine Anerkennung sein. „Aber ich freue mich darüber“, sagt Birgit Ehses, die jetzt schon das zweite Exemplar nutzt.

946 Wittener nutzen die Karte

„Wir haben in Witten derzeit 946 Ehrenamtskarten in Umlauf“, sagt Judith Bierey von der Freiwilligenagentur Fokus. Allein in diesem Jahr habe sie bereits zwölf Karten vergeben, 2014 waren es insgesamt 60. Sie sind jeweils zwei Jahre gültig und gewähren ehrenamtlich Tätigen bestimmte Vergünstigungen, nicht nur in Witten.

Die Ehrenamtskarte wurde 2008 in NRW eingeführt, seit Februar 2011 gibt es sie in der Ruhrstadt. Ob Getränkemarkt oder Parfümerie – jeder könne mitmachen. „Und wir sind immer auf der Suche nach neuen Geschäften oder Einrichtungen, die durch die kleinen Vergünstigungen dem Ehrenamt ja auch ihre Wertschätzung zeigen“, sagt Regine Roeck vom Amt für Wohnen und Soziales.

Ehrenamtliche können die Karte bei Fokus an der Hauptstr. 81 beantragen. Zwar sei dafür eine gewisse Stundenzahl nötig. Doch Judith Bierey betont: „Jede ehrenamtliche Arbeit ist wichtig.“