Geierabend-Autor Günter Rückert stellt in Witten aus

Günter Rückert stellt unter dem Titel „Die Suche nach sein Ich“ in Herbede aus.
Günter Rückert stellt unter dem Titel „Die Suche nach sein Ich“ in Herbede aus.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Die neue Schau in der Galerie Haus Herbede eröffnet am Sonntag, 19. April, um 11 Uhr. Der Künstler verspricht: „Es darf gelacht werden!“

Witten..  Stehen zwei Anzugträger mit Eulenköpfen barfuß in einem Piranha-Becken... So etwa muss man sich die Grafik „Auf der Suche nach sein Ich“ von Günter Rückert vorstellen. Weil der Titel so schön „Ruhrpott“ sei, eben eine liebenswerte „Rebellion gegen den Dativ“, wurde gleich die gesamte Einzelausstellung des Künstlers in der Galarie Haus Herbede danach benannt.

Zur Eröffnung am morgigen Sonntag erwartet die Besucher aber nicht nur die kleine Rebellionen gegen strenge Grammatikregeln, sondern auch eine nicht zu kleine Portion Humor – wider die Ernsthaftigkeit, die sonst bei Vernissagen häufig anzutreffen ist. „Mein Credo ist: Humor und Witz sind auch Kunst“, sagt Rückert. „In Ausstellungen darf auch gelacht werden.“ Und da der 59-Jährige nicht nur als freischaffender bildender Künstler arbeitet, sondern auch die Kunst der sprachlichen Bilder beherrscht, darf diese Ansage wörtlich genommen werden.

Seit 18 Jahren ist Günter Rückert als künstlerischer Leiter und Regisseur des beliebten Dortmunder Geierabends tätig. Zur Ausstellungseröffnung werden zwei seiner Geierabend-Kollegen auftreten und die Besucher mit seinen Kabarett-Texten unterhalten. Auch dort geht es gerne um Kunst, denn das, so sagt Rückert heute, sei schon immer seine Berufung gewesen.

Kein Wunder also, dass sich der promovierte Geisteswissenschaftler nach dem Germanistik- und Geschichtsstudium von der wissenschaftlichen Arbeit und dem Dativ wieder abwandte. „Im Gegensatz zur Kunst hat mir das nie gefehlt“, sagt der 59-Jährige.

Bei der ersten Ausstellung in einer Kneipe verkaufte er Ende der 80er gleich zwölf Bilder. „Danach ging es zum Glück immer aufwärts.“ Seitdem ist der Dortmunder auf zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen in Galerien vertreten – mehrmals stellte er auch in der Galerie Haus Herbede schon aus.

In der aktuellen Schau sind Arbeiten aus den letzten Jahren zu sehen. Galeristin Britta Koch gab Rückert die Möglichkeit, die ganze Bandbreite verschiedener Formate und Stile zu zeigen, die der Künstler beherrscht: von karrikaturhaften Porträts bekannter Persönlichkeiten wie Willy Brandt und Clint Eastwood über eher humorvolle kleine Buntstiftzeichnungen bis hin zu Farbradierungen, die in mühseliger Handarbeit mit drei verschiedenen Platten von seiner Ehefrau selbst gedruckt werden.

Die Motive setzt der Künstler aus Inspirationen des Alltags zusammen: Ob im Skiurlaub auf der Hütte oder im Auto auf dem Supermarkt-Parkplatz – überall hält er die skurrilsten Charaktere im Skizzenbuch fest. Zusammen mit den ebenfalls humorvollen Titeln der Werke (wie „Erlebnisbürokratie“) entsteht ein künstlerisches „Spiel aus Worten und Bildern“.