Das aktuelle Wetter Witten 23°C
Überfall in Heven

Gefesselt, geknebelt, entführt

22.05.2012 | 16:57 Uhr
Gefesselt, geknebelt, entführt
Hinter dieser Hecke (l.) lauerte der Maskenmann auf sein Opfer. Foto: Walter Fischer / WAZ FotoPool

Witten. Eine 28-jährige Frau ist gestern früh in Heven überfallen, gefesselt, geknebelt und entführt worden. Der noch unbekannte Täter mit guten Ortskenntnissen versuchte dann, sich auf einem einsamen Parkplatz an ihr zu vergehen, und flüchtete dann. Die Fahndung läuft auf Hochtouren.

Tatort 1: Es ist Dienstag, 22. Mai, 4 Uhr. Seit ein paar Monaten verdient sich die junge Mutter ein paar Euro nebenher, indem sie morgens früh in Heven Zeitungen austrägt. Was sie nicht ahnt: Hinter der Rotdornhecke eines Reiheneckhauses an der Friedrich-List-Straße lauert in der Dunkelheit ein Mann. Dieser Mann hat eine Skimaske übergezogen. Er wartet, bis die Frau aus ihrem kleinen grauen Honda Civic steigt. Dann springt er auf sie zu. Er zieht irgend etwas wie ein Messer, fordert barsch Geld. Die Frau meint zu hören, dass er mit einem türkischen Akzent spricht.

Geld aber hat sie nicht dabei. Da packt der Maskierte sie, stopft ihr rabiat einen mitgebrachten Knebel in den Mund, zieht ihr ein Stück Stoff über den Kopf, fesselt sie mit einem Kabelbinder und zerrt die Frau in den Kofferraum ihres eigenen Autos. Auch im Wagen findet er kein Geld, der Wüterich wird immer aggressiver. Er wirft sich hinter das Steuer und fährt mit der Entführten im Kofferraum los.

Das Ganze geht so schnell, dass die Anwohner in der Frühe nichts davon mitbekommen. Die junge Frau, zunächst vor Schreck erstarrt, konnte dann wegen des Knebels nicht um Hilfe rufen. Großes Pech: Die Überwachungskameras, die Jürgen Hinder (48) an seinem Haus hat anbringen lassen, waren außer Betrieb - der Decoder war defekt.

„Hier passiert in letzter Zeit reichlich viel“

Er findet die Kameras nötig, denn: „Hier passiert in letzter Zeit reichlich viel. Beim Nachbarn wurde kürzlich eingebrochen, Feuer wurde gelegt, bei meiner Schwiegermutter Else Gneiser waren letzte Woche zwei Trickbetrüger an der Haustür.“

Sicher kennt er die junge Frau, zwar nur vom gelegentlichen morgendlichen Sehen, wenn er mal ganz früh auf ist, „aber sie macht einen netten Eindruck“. Nicht nur, dass der Maskenmann in seinem Garten auf der Lauer lag, empört den kräftigen Mann: „Wenn wir den hier zu fassen kriegen. . .“

Tatort 2: Der Mann mit der Maske kennt sich in Heven gut aus. Er fährt ein paar hundert Meter weiter zum Haldenweg 10, im Kofferraum sein gefesseltes und geknebeltes Opfer. Dort ist der Haldenweg nur noch ein schmaler Pfad, der zwischen Supermarkt und Abenteuerspielplatz zu einem einsamen Parkplatz führt. Keine Menschen, keine Wohnbebauung. Der Parkplatz ist durch dichtes Strauchwerk und Bäume sichtgeschützt, eine Seite durch Maschendraht abgesperrt, die andere durch die Firmenbauten blockiert. Der Entführer hat hier sein Opfer wie in einem Käfig.

Deshalb holt er die am ganzen Körper zitternde, weinende Frau aus dem Kofferraum. Noch immer sind ihre Augen verbunden, ist der Mund geknebelt, ist sie gefesselt. Dann stellt der Maskierte, der eine dunkle Hose und eine tarnfarbene Jacke trägt, das Auto auf den Kopf. Ihr Handy interessiert ihn nicht, er will Geld.

Als er keines findet, reißt er ihr Schuhe und Kleider vom Leib und beginnt, sich an ihr zu vergehen. Ob er sich gestört fühlt oder nervös wird, weil es langsam hell wird - jedenfalls lässt er mit einem Mal von der Frau ab und rennt in Richtung Supermarkt weg.

Die 28-Jährige kann sich teilweise von dem Knebel befreien, barfuß zum Auto laufen und mit Zehen die Notrufnummer 110 ins Handy tippen. Als die Polizei eintrifft, ist sie immer noch gefesselt. Sofort läuft die Fahndung an. Zeugen werden gesucht: 0234 / 909-4120.

Bernd Kassner



Kommentare
Aus dem Ressort
Viel Zeit für Sport und Gespräche beim Aktionstag in Witten
Turnverein
Der Wittener Turnverein (WTV) beteiligt sich am bundesweiten Aktionstag „Sport für Menschen mit Krebserkrankungen“. Dabei geht es um mehr als nur Fitness.Vor allem die Pläuschchen vor und nach dem Sport sind wichtig für die Frauen.
Professorin forscht für bessere Versorgung Demenzkranker
Gesundheit
Prof. Martina Roes, Pflegewissenschaftlerin an der Universität Witten/Herdecke, forscht für eine bessere Versorgung demenzkranker Menschen. Ein Interview mit der 53-Jährigen zu der Erkrankung, die aufgrund der alternden Bevölkerung immer mehr Menschen hierzulande treffen wird.
Fall Christian am 29. Oktober bei „Aktenzeichen XY. . .“
Kriminalität
Der Fall erschütterte Witten und konnte bis heute nicht aufgeklärt werden: Der 20-jährige Christian Marks war am frühen Morgen des 1. November 2010 auf der Rüsbergstraße in Herbede-Kämpen überfahren worden. Am 29. Oktober wird der Tod des Witteners Thema bei „Aktenzeichen XY. . . ungelöst“ im ZDF...
Was Wittener Kinder sich für andere wünschen
Weltkindertag
Geld, damit Arme sich etwas zu essen kaufen können. Ein Kuscheltier für jeden. Freunde zum Spielen. 1000 Fußbälle für alle Kinder dieser Welt: Kinder der Ev. Kita Bergerstraße erzählen von Ihren Wünschen für eine bessere Welt
Saalbau in Witten stellt Programm für neue Spielzeit vor
Kultur
Der Saalbau in Witten hofft mit seinem neuen Programm auf weiter steigende Besucherzahlen. Ab sofort kann man Tickets auch im neuen Online-Shop bestellen. Einer der Künstler hat den Start in die neue saison genutzt, um einen Song für die Ruhrstadt umzuschreiben.
Umfrage
Am 18. und am 19. September steigt im Bezirk des Bochumer Polizeipräsidiums die 7. Auflage des 24-Stunden-Blitzmarathons. Für die Polizei ist die Aktion längst eine Erfolgsgeschichte. Was halten Sie davon?

Am 18. und am 19. September steigt im Bezirk des Bochumer Polizeipräsidiums die 7. Auflage des 24-Stunden-Blitzmarathons. Für die Polizei ist die Aktion längst eine Erfolgsgeschichte. Was halten Sie davon?

 
Fotos und Videos
Tag des offenen Denkmals
Bildgalerie
Witten
Dreschtag
Bildgalerie
Witten
Burgfest
Bildgalerie
Burgruine Hardenstein
Künstlerbund
Bildgalerie
Witten