Gefährlicher Pfusch am Bau
07.09.2010 | 19:27 Uhr 2010-09-07T19:27:00+0200
Witten. Die gute Nachricht zuerst: „Der Schulbetrieb ist sicher“, betonen Stadtbaurat Dr. Markus Bradtke und Erwin Eßmann, Leiter der Hardensteinschule. Aber das Gebäude steckt voller Brandschutz-Mängel, verursacht durch Pfusch am Bau.
Bereits im Jahr 2000 wurden in der Gesamtschule bei einer Brandschau Mängel festgestellt, die u. a. durch Umbau oder Einbau von Brandmeldern kompensiert wurden.
Beim Einbau der Mensa 2009 wurde das Gebäude nochmal genauer unter die Lupe genommen. „Was wir dabei vorgefunden haben, hat uns entsetzt“, so Bradtke. Als z. B. unter die Deckenabhängungen geschaut worden war, wurde festgestellt, dass die Zwischenwände gar nicht weiter darüber hinaus liefen. Im Brandfall könnten so Feuer und Rauch schnell weiterziehen.
Erste Maßnahmen wurden bereits ergriffen: In jedem Klassenraum befänden sich nun zwei Brandmelder, so Eßmann. Und bis spätestens Ende des Jahres sollen zusätzliche Brandmelder in den Zwichendecken eingebaut werden. „Sie sind untereinander vernetzt, werden regelmäßig gewartet und haben direkten Kontakt zur Feuerwehr“, untersteicht Thomas Becker, der bei der Feuerwehr für den vorbeugenden Brandschutz zuständig ist.
Die neue Mensa ist brandschutzmäßig natürlich auf der Höhe der Zeit, aber in anderen Gebäudeteilen hapert’s. So wurde z. B. die Brandwand zwischen der Aula und dem übrigen Schulgebäude ohne Anschluss an die tragende Deckenkonstruktion erstellt. Oder die Rohr- und Kabeldurchführungen zwischen den Bauabschnitten verlaufen offen.
Ein von außen hinzugezogenes Gutachterbüro bestätigte die Befürchtung des Amtes für Gebäudemanagement: Eine Kernsanierung, bei der auch altersbedingte bauliche und technische Mängel sowie die zwischenzeitliche Unterbringung der Schüler in mobilen Raummodulen eingerechnet sind, beliefe sich auf etwa zwölf Millionen Euro.
Eine Summe, die einerseits die Stadt nicht aufbringen könnte und bei der andererseits ein Gesamtneubau vielleicht sogar preiswerter käme. Aber mit den bereits eingeleiteten und bis Jahresende durchgeführten Maßnahmen sei der Schulbetrieb dennoch sicher, so die Vertreter der Stadt und der Feuerwehr. Die hatten die Eltern der Hardenstein-Schüler gestern Abend in die Schule eingeladen, um gemeinsam mit Direktor Eßmann über den Brandschutzstand zu informieren.
Die beschriebene Nachrüstung der Brandmeldetechnik kostet zwischen 80 000 und 100 000 Euro, zuzüglich 5000 Euro jährlich für die Wartung der Anlage.
Der damalige Neubau der Hardensteinschule entstand in den Jahren 1975 bis 77, die Aufstockung erfolgte 1982/83. Das Genehmigungsverfahren erstreckte sich im Wesentlichen in die Zeit der kommunalen Gebietsreform, bei der die Stadt Herbede – damals Bauherr – im Jahr 1975 ihre Stadtrechte verlor und zu Witten eingemeindet wurde.
„Der damalige Neubau und die Aufstockung wurden richtig geplant und genehmigt. Und in der Vergangenheit hatten wir keine Zweifel daran, dass auch richtig gebaut wurde“, so Bradtke. Diese Einschätzung hat sich durch die Entdeckung der Mängel natürlich radikal geändert. Stadtbaurat Markus Bradtke: „Deshalb haben wir den Vorgang dem Rechtsamt übergeben.“ Das prüft nun mögliche Schadensersatzansprüche gegen die seinerzeit verantwortlichen Personen und Unternehmen.
15:33
Eigentlich ist dieser Bericht über die Brandschutzmängel an der Hardenstein-Gesamtschule ja kein Wunder. Die Schule verfällt doch schon seit ein paar Jahren. Manche Tische und Stühle sind so alt, dass diese regelmäßig auseinanderfallen bzw. brechen, Geld für neue Stühle ist natürlich nicht da. Woher auch? Das dringend benötigte Geld ging ja leider in die neue Mensa. (Die übrigens kaum genutzt wird) oder mal wieder in einen neuen Flachbildfernseher, der wohl spätestens nach den Herbstferien wieder geklaut sein wird, wie die vorherigen VIER auch.
Über die Brandschutzmängel wurden wir Schüler übrigens bis Heute nicht informiert, so viel zur Informationspolitik.
Warum gestern nur die Eltern eingeladen wurden ist und bleibt wohl ein ewiges Rätsel, dabei lernen die doch gar nicht auf der Schule, sondern die Schüler!
09:31
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07:46
Ja, wie soll man denn diese Einlassungen unseres hochverehrten Stadtbaurats werten?
Die Bewertung ist sonnenklar. Eindeutig positiv. Unser Stadtbaurat hat offensichtlich keine Scheu die skandalöse Vergangenheit aufzuarbeiten. Wo mehrere Vorgänger die Klappe hielten oder was sie vielleicht noch nicht mal bemerkt haben, das bringt er aufs Tablett. Und das ist gut so und wirklich ehrenwert. Es bestätigt damit den frischen Wind, der sich vor einigen Wochen zeigte, als er die Einwände der Anlieger an der Unistrasse nicht wie jahrzehntelang üblich rhetorisch und juristisch ins Nirwana laufen ließ. Er akzeptierte die Bürger als das was sie sind, die Eigentümer der Stadt. Da ist er weiter als mancher Politiker, der seine geliehene Amtsmacht mit eigener Stärke verwechselt.
Er mag die Bedeutung der Ästhetik des öffentlichen Raumes für das Lebensgefühl der Menschen unterschätzen. Allerdings liegt angesichts der ungeheuerlichen Dinge die da so nach und nach hochkommen und natürlich Kräfte auf der Leitungsebene binden, eher die Vermutung nahe, dass der ein oder andere Mitarbeiter, der sauer darüber ist, das in Witten trotz seines Wirkens immer noch Autos fahren, das Machtvakuum nutzt um unnötigerweise Hässlichkeiten zu produzieren.
20:00
Ja, wie soll man denn diese Einlassungen unseres hochverehrten Stadtbaurats werten?
Etwa so? Ehrlich gesagt hat man damals bei der Bauabnahme nicht richtig geprüft und sich auf´s Papier verlassen, das man ja genehmigt hatte, und versucht jetzt notdürftig und absolut aussichtslos ein rechtliches Scheingefecht - der Ablenkung wegen.
Oder so? Natürlich ist das alles äußerst dumm gelaufen, aber wir haben ja stets notdürftig unsere Hausaufgaben erledigt - jetzt aber wissen wir auch nicht weiter; wir sind halt pleite.
Mann o Mann, kommt denn diese städtische Bauabteilung NIE aus den Negativschlagzeilen raus? Das muss den dortigen Mitarbeitern doch selbst langsam aber sicher peinlich sein, was da so alles in die Hose gegangen ist und noch weiter geht.