Gedenktafel in Dachau soll an ermordeten Wittener erinnern

Jürgen Wenke vom Verein Rosa Strippe mit der Gedenktafel für das KZ in Dachau. Auf der Tafel für das Vernichtungslager ist der Homosexuelle Friedrich Wilhelm Erdmann verewigt, der in Dachau von den Nazis umgebracht wurde.
Jürgen Wenke vom Verein Rosa Strippe mit der Gedenktafel für das KZ in Dachau. Auf der Tafel für das Vernichtungslager ist der Homosexuelle Friedrich Wilhelm Erdmann verewigt, der in Dachau von den Nazis umgebracht wurde.
Foto: WAZ FotoPool
Friedrich Wilhelm Erdmann wurde als Homosexueller verfolgt und 1941 im KZ ermordet. „Rosa Strippe“ forscht nach Schicksalen und setzt sich für Gedenktafeln und -steine für Schwule ein. Das sei mühsame Kleinarbeit und „manchmal wie ein Krimi“, sagt Jürgen Wenke vom Verein.

Witten..  Eine Gedenktafel für den Wittener Friedrich Wilhelm Erdmann wird in der nächsten Woche im KZ Dachau aufgehängt. 73 Jahre nach seiner Ermordung wird damit erstmals an den Bankbeamten und Kaufmann erinnert, der von den Nazis verfolgt und umgebracht wurde. Der Grund: Er war homosexuell.

Dafür gesorgt, dass das Leben des Witteners nicht ganz in Vergessenheit gerät, hat der Verein „Rosa Strippe“. Jürgen Wenke von der Bochumer Lesben- und Schwulenberatung hatte in Dachau nachgefragt, ob es Ermordete aus dem Bochumer Umkreis gebe, die wegen ihrer Homosexualität verfolgt worden waren. Und in der Tat: Auf den Archiv-Listen des KZ fanden sich drei Namen: Ernst Alfred Quaas, der in Essen ein Hotel leitete, Alfred Julius Kremer, ein Kaufmann aus Wuppertal und eben der Wittener Friedrich Wilhelm Erdmann.

Mühsame Kleinarbeit

Wenke forschte weiter, fand Namen und Lebensgeschichten in den Archiven der Städte. „Das ist wie ein Krimi“, beschreibt der Psychologe. „Man fängt an, hat zunächst nur einen Namen und sucht dann nach und nach Spuren zusammen.“ Mühsame Kleinarbeit, viele Akten und oft noch mehr Sackgassen, doch zum Glück war die „Rosa Strippe“ mit ihrem Bemühen nicht ganz allein: „Wir können uns nur bedanken, dass Martina Kliner-Fruck vom Wittener Stadtarchiv so kontinuierlich und konstruktiv mit uns zusammengearbeitet hat – das war ein guter Kontakt.“

Schließlich aber hatte Jürgen Wenke die historischen Hintergründe und biographischen Angaben der drei Ermordeten beieinander. Er wandte sich erneut an das Dachau-Komitee. Seine Bitte, eine gemeinsame Tafel für die drei Männer anbringen zu dürfen, stieß auf offene Ohren. Die 40 mal 50 cm große Metallplatte wird in dem Gedenkraum aufgehängt, in dem sonst Angehörige an ermordete Familienmitglieder erinnern. Der Homosexuellen jedoch gedacht hat bislang niemand: „Das Thema wird verschwiegen, auch und gerade von den Familien“, bedauert der Bochumer. „Das ist das Versagen der Nachkriegsgeneration.“

Suche geht weiter

Alle hätten Spuren hinterlassen, „die politisch Verfolgten sogar sehr selbstbewusst“. Aber niemand erinnere an die Homosexuellen. Das wird sich nun ändern: Am 15. September will Jürgen Wenke die Tafel anbringen – wenn’s klappt, mit Unterstützung der Dachauer Presse, die berichten soll. Die Unterstützung der örtlichen Bürgermeister hier hat er

bereits: Die beteiligten Städte Witten, Essen, Bochum und Wuppertal teilen sich ganz unbürokratisch die Kosten für das private Projekt. „Das freut mich sehr“, so Wenke. Schließlich gehe es nicht nur um das Geld, sondern um einen Ausdruck von Haltung.

Mit dem Anbringen der Tafel soll das Erinnern aber nicht vorbei sein: Im Dezember soll ein Stolperstein für Friedrich Wilhelm Erdmann in der Breite Straße verlegt werden, auch für die beiden anderen wird es welche geben. Und Wenke? Der forscht weiter. „In Sachsenhausen gab es im Sommer ‘42 eine Mord-Aktion, bei der rund 80 Homosexuelle starben. Da werde ich recherchieren.“