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Gar nicht wahlmüde

11.08.2009 | 19:47 Uhr
Gar nicht wahlmüde

„Für uns war es eine selbstverständliche Pflicht, zu wählen”, erzählt Erna Adamowsky. Gemeinsam mit vier Bewohnerinnen im Haus am Voß'schen Garten erinnert sich die 91-Jährige an die erste Bundestagswahl.

Mit einer Quote von 84 % beteiligten sich die Wähler im EN-Kreis damals am 14. August 1949 am Urnengang.

Dass der Wahlgang selbstverständlich gewesen sei, bestätigt auch Gisela Laue (85). Die gebürtige Wittenerin hatte zudem einen ganz besonderen Bezug zur Politik: „Mein Mann war damals bereits Abgeordneter in Witten”, erzählt sie. Die Weichen für ein gesichertes Leben zu stellen, war den Seniorinnen wichtig. „Es sollten die Richtigen für die Zukunft sorgen”, sagt Elli Steffen (83).

Karikatur von Konrad Adenauer aus der WAZ vom 16.08.1949

In Witten setzten die Wähler vor 60 Jahren auf die SPD, gefolgt von der CDU. Auf Rang drei die FDP, wie in der Ausgabe dieser Zeitung vom 16. August 1949 zu lesen ist.

Auch wenn Angst für sie eigentlich ein zu großer Begriff ist, so hätte sie damals zumindest ein bisschen ängstlich in die Zukunft geschaut, sagt Erna Adamosky rückblickend. „Einen Krieg sollte es nie wieder geben”, fügt Elli Steffen hinzu. Auch wenn ihr die Wichtigkeit der Wahl bewusst war, standen bei der damals Schwangeren familiäre Belange im Vordergrund: „Mein Mann war Bergmann. Wir haben versucht, die Familie mit dem Notwendigsten zu versorgen.” Dennoch gab sie ihre Stimme pflichtbewusst in einem Lokal ab, wie damals üblich.

„Der strahlend schöne Wahlsonntag verlief ohne Zwischenfälle” ist auf der Lokalseite in der WAZ vom 16. August vor 60 Jahren zu lesen. Für etwas Aufregung sorgte jedoch der so genannte „unauffällige Wahlschleppdienst”, den die größeren Parteien für alte und gehbehinderte Wähler eingerichtet hatten. „Bei den etwa 80 Bewohnern des Altenheim auf der Ardeystraße [...] gab es allerlei Aufregung. Eine größere Anzahl der alten Leute war noch nie im Auto gefahren.”

84 % Wahlbeteiligung im Wahlkreis Witten und Ennepe-Ruhr – dahinter verbargen sich über 160 000 Wähler, die mindestens 21 Jahre alt sein mussten. Eine solche Beteiligung würde sich Schülerin Laura Busse auch für die Bundestagswahl am 27. September wünschen. Bei der vergangenen Abstimmung 2005 wurde bundesweit mit 77,1 % der niedrigste Wert gemessen. „Es sollte jeder seiner Wahlpflicht nachkommen”, so die 18-Jährige. Für ihre Stimmabgabe bereitet sie sich gewissenhaft vor. „Informationen bekomme ich von meinen Eltern und übers Internet.” Auch die Damen der ersten Stunde fanden in ihren Eltern damals wichtige Wahlratgeber.

In der Schule laufe zur Wahl wenig, bedauert Laura Busse. Die Schülerin des Albert-Martmüller-Gymnasiums vermisst eine umfassende Aufklärung über die einzelnen Wahlprogramme: „Die sollten für jeden leicht zugänglich sein”, so die 18-Jährige. Denn nur so seien Informationen von werbewirksamen „Schrott” zu unterscheiden.

Michaela Schloemann

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Kommentare
12.08.2009
08:20
Gar nicht wahlmüde
von Seniorin | #1

Hoffentlich ist die Wahlbeteiligung für die Kommunalwahl am 30.8. ebenfalls hoch. Damit hätten die Extremisten von der NPD weniger Chancen, wieder im Rat vertreten zu sein.

Allerdings macht dieser Artikel auch deutlich, dass die SPD hier bei uns seit 60 Jahren das Sagen hat.
Da ist ein Wechsel mehr als überfällig. Bei Kohl waren 16 Jahre nach der Ansicht der SPD genug und eine viel zu lange Zeit. Was für andere zählt, gilt daher auch für die Genossen; zumal die Bilanz, die sie hier in Witten vorweisen können, einfach zu schlecht ist.

Wer als bisher überzeugter SPD Wähler die CDU nicht wählen kann, der sollte nicht zu Hause bleiben und gar nicht wählen. Als Alternative bietet sich da die Bürgergemeinschaft (WBG) an, da auch die Grünen nur ein Anhängsel der SPD sind.
Die Wittener FDP ist total zerstritten und besteht aus mindestens 4 verschiedenen Gruppierungen, die sich auch noch gegenseitig bekämpfen, also nicht wählbar. Ärzte sind zwar gerade für uns Senioren wichtig. Doch die sollten sich bei ihrer knappen Zeit und den langen Wartezeiten, die wir immer zu ertragen haben, lieber um ihre Patienten kümmern und nicht noch mit Politik anfangen.

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