Galladé-Betriebsrat zieht Notbremse und meldet Insolvenz an
16.10.2009 | 06:06 Uhr 2009-10-16T06:06:00+0200
Witten. Nachdem der Automobilzulieferer Galladé den Beschäftigten mit Insolvenz gedroht hatte, zog der Betriebsrat die Notbremse und meldete selbst Insolvenz an. Hintergrund sind ausstehende Lohnzahlungen und die Tatsache, dass die Stadtwerke der Firma am Donnerstag den Strom gekappt haben.
Das Blatt hat sich gewendet: Der Betriebsrat des Automobilzulieferers Gallade´ hat am Donnerstag (15.10.) selbst die Insolvenz eingereicht. Einen Tag zuvor soll noch die Geschäftsführung mit diesem Schritt gedroht haben, wenn die Belegschaft die Arbeit nicht wieder aufnehme. Der Auslöser für die Initiative des Betriebsrates: Um zwölf Uhr stellten die Stadtwerke am Donnerstag den Strom ab.
„Das war für uns der Anlass, selbst tätig zu werden”, sagt der Betriebsratsvorsitzende Frank Ellerkamp. Die Betriebsräte sammelten 150 Unterschriften der Wittener Belegschaft und fuhren kurzerhand zum Amtsgericht nach Bochum. „Die Situation hier war unerträglich geworden”, sagt Ellerkamp, „das Leben der Leute hier ist zerstört”.
Manfred Gottschalk aus Herdecke ist Insolvenzverwalter
Um 14.30 Uhr war der Insolvenzantrag bereits durch, obwohl er „völlig formlos” war, Manfred Gottschalk aus Herdecke als Insolvenzverwalter bestimmt. „Das war ein Befreiungsschlag für alle”, sagt Oskar Schröder, Sachverständiger des Betriebsrates.
Nur wenige Stunden zuvor waren morgens noch gut 100 Mitarbeiter mit Trillerpfeifen durch die Innenstadt marschiert. Vor dem Rathaus gaben sie sich kämpferisch. „Die Verantwortung liegt einzig und allein bei der Geschäftsführung, die glaubt, uns mit erpresserischen Methoden in die Knie zu zwingen”, ruft Ellerkamp, „aber das wird nicht passieren”. Die Drohung mit der Insolvenz stand zu dem Zeitpunkt noch im Raum.
„Wir haben heute Morgen von unserer Geschäftsführung erfahren, dass wir erst bezahlt werden, wenn wir die Arbeit wieder aufnehmen,” erklärt Ellerkamp. Doch sie würden erst arbeiten, wenn sie ihr Gehalt bekommen haben. „Wir haben einen Anspruch auf das Geld, denn wir haben dafür bereits gearbeitet”, so Ellerkamp. Bisher haben die Mitarbeiter erst zehn Prozent ihres September-Lohns erhalten.
In Witten sind 250 Beschäftigte betroffen
Das Problem der Belegschaft: „Wir sind hier in einem rechtsfreien Raum”, sagt Betriebsrat Volker Keller. Man erhalte nicht nur kein Geld vom Arbeitgeber, sondern könne auch keine andere Hilfe in Anspruch nehmen, nicht zur Arbeitsagentur gehen.
In Witten sind 250 Beschäftigte betroffen. „Insgesamt hängen da aber bestimmt 1500 Menschen dran, die durch die Situation in Not geraten sind”, sagt Keller, der seit 15 Jahren bei Gallade´ arbeitet. Denn nicht nur die Mitarbeiter warteten auf ihren Lohn, sondern auch die Zulieferer, die derzeit ebenfalls kein Geld erhielten.
„Je länger dieses schwebende Verfahren anhält, umso kritischer wird es”, sagt Betriebsrat Keller. „Denn unsere Kunden brauchen die Teile und wenden sich sonst an einen anderen Zulieferer.” Aus diesem Grund zogen die Betriebsräte einige Stunden später die Notbremse. Während der vorläufigen Insolvenz sind die Löhne für drei Monate gesichert.
11:15
Wie gehts jetzt weiter bei Gallade?
14:05
Würde gerne Wissen wie zur Zeit die Situation bei Gallade ist.
15:06
@ Nachdenklich...
Lese Dir den gesamten Bericht durch.
Und überdenke was Du da geschrieben hast.
Das ging Monate lang so.
Es fehlten zeitweise bis zu 180% Lohn und Gehalt...
Das Geld wurde auf bis zu 9 Raten gesplittet..
Letztes Weihnachten gab es bei vielen Kolegen keine Geschenke, sondern Nudeln mit Ketchup!
Also Bitte..
Wenn man wirklich keine Ahnung hat,
...einfach mal Fre... halten!!!
13:38
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20:46
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16:47
Ich muss #3 dolcevita zustimmen. Lt. WAZ sind es sind 90 % der SEPTEMBER- Löhne, die noch ausstehen. Wartezeit bis Streikbeginn also gerade mal 1 Woche !! In dieser einen Woche sollen Existenzen vernichtet worden sein? Wenn da mal nicht Scharfmacher am Werk waren. Viel Glück auf den Weg.
16:07
Endlich tut sich was!!! Jetzt besteht vielleicht wirklich eine Möglichkeit, den Betrieb zu retten. Wenn Galladé im Kern gesund ist, also Aufträge hat und der Maschinenpark in Ordnung ist, dann ist eine Rettung mit einem neuen hoffentlich besserem Management wahrscheinlich. Der Insolvenz-Verwalter ist zum Glück in erster Linie dem Betrieb verpflichtet und nicht irgendwelchen Geldgebern gegenüber. Außerdem wird er seine privaten Hobbies nicht aus der Firmenkasse bezahlen.
Interessant wäre jetzt nur, was da schiefgelaufen ist. Hoffentlich kommt das auch an die Öffentlichkeit.
13:10
An ladolcevita: Geld haben und bereit sein zugeben sind unterschiedliche Sachen.
Allerdings kann ich Ihre Ansicht, die Probleme fangen jetzt erst an nicht nachvollziehen.
Nunn gibt es Insolvenzausfallgeid Mieten Rechnungen ect. können von den Mitarbeitern bezahlt werden.Und Strom gibt es auch wieder, hätte die Geschäftsführung dies auch geschafft?
Eine Insolvenz hätte es wahrscheinlich sowieso gegeben sagen Sie , nur wann- wenn die Mitarbeiter wohnungslos sind?
Und Arbeitslos und ohne Wohnung wie soll denn so jemand wieder neue Arbeit finden?Dies ist nun abgewendet und meinen Sie dem Betriebsrat hat es Spass gemacht Insolvenz einzureichen?Was hätte denn geschehen sollen, wenn weit und breit keine Geschäftsführung zusehen ist ?
06:45
Eine Insolvenzanmeldung bedeutet nicht zwangsläufig das Ende einer Firma. Es bedeutet erstmal, das der Inhaber entmachtet wird. Es bedeutet das kein Geld mehr aus der Firma unkontrolliert abfließt. Und es bedeutet das die Forderungen von Mitarbeiter und Steuerzahlern privilegiert werden. Der Inhaber darf beispielsweise nicht mehr die Forderungen von Lieferanten die zwar rechtlich selbstständig, wohl aber im Besitz des Eigentümers stehen zuerst bedienen.
Der Insolvenzverwalter ist angehalten, den Betrieb möglichst weiterzuführen. Gibt es dafür eine Basis wird er ein New Galladé gründen. Ist die wirtschaftliche Basis nicht gegeben, folgt natürlich die Arbeitslosigkeit. Aber die wäre in dem Fall sowieso unvermeidbar gewesen, da der bisherige Eigentümer nicht signalisiert hatte eigenes Geld zu riskieren.
00:16
Alles in allem: Elvis has left the Building. Alles weitere erfolgt nach den Regeln des deutschen Insolvenzrechts. So, wie sich das hier darstellt, vielleicht nicht das Schlechteste.