Fußballspiel in Witten hat juristisches Nachspiel

Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Außer Kontrolle geriet die Partie TuRa Rüdinghausen II gegen FSV Sevinghausen im Oktober. Jetzt hatte sie ein gerichtliches Nachspiel.

Witten..  In der Fußball-Kreisliga geht es schon mal ruppig zu, auch Verbalattacken scheuen viele Spieler nicht. Doch derart außer Kontrolle geraten wie die Partie TuRa Rüdinghausen II gegen FSV Sevinghausen im Oktober ist wohl selten ein Kick in Witten: Es gab eine wilde Keilerei zwischen etwa 40 Personen, dazu mehrere Verletzte. Nun hatte das Fußball- ein juristisches Nachspiel.

Die Bochumer Staatsanwaltschaft war sich nach Auswertung von Zeugenaussagen sicher, dass fünf Fans beziehungsweise Spieler des FSV Sevinghausen zu sehr ihre Emotionen auslebten: Die jungen Männer (22 bis 25) mussten sich am Mittwoch wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung vor dem Wittener Amtsgericht verantworten. Am Ende wurde das Verfahren gegen vier Männer eingestellt. Einzig 100 Sozialstunden müssen sie ableisten. Ein Angeklagter erschien nicht. Er wurde per Strafbefehl zur Geldstrafe von 1350 Euro verurteilt (90 Tagessätze).

Das Gericht sah sich bei dem Tohuwabohu, zu dem es nach Spielende auf dem Sportplatz an der Brunebecker Straße gekommen war, nicht imstande, einem der Angeklagten eine Schuld nachzuweisen. Richterin Dr. Barbara Monstadt betonte aber: Ganz unschuldig seien die Angeklagten - so wie TuRa-Spieler und Fans, gegen die nicht ermittelt wurde - mit Sicherheit nicht gewesen. Sie gaben vor Gericht an, sich lediglich gewehrt zu haben. „Die waren frustriert, dass wir mit neun Mann noch den Ausgleich gemacht hatten“, so ein 22-jähriger Bochumer. Das Spiel endete mit 2:2.

Grobe Fouls und hitzige Diskussionen

Rückblick: Am Samstag, 18. Oktober, war an der Brunebecker Straße wenig spielerische Klasse im Spiel, dafür umso mehr Wut im Bauch bei einigen Spielern. Während der 90 Minuten kam es immer wieder zu groben Fouls und wilden Diskussionen - zwei Spieler des FSV Sevinghausen flogen vom Platz. Auch unter den Zuschauern soll die Stimmung aufgeheizt gewesen sein: Die eine beschuldigte am Ende die jeweils andere Seite, verbal Foul gespielt zu haben. Die Angeklagten sprachen gestern von ausländerfeindlichen Sprüchen der TuRa-Fans, die wiederum sollen mit Nazi-Rufen bedacht worden sein. Aufklärung? Die wird es wohl kaum mehr lückenlos geben.

Fakt ist: Ein FSV-Spieler (20) fühlte sich durch einen TuRa-Anhänger (27) nach Ende des Spiels offenbar so sehr beleidigt, dass er auf ihn zustürmte. Der Wittener Fan streckte daraufhin seinen Fuß aus und verletzte den jungen Mann am Kopf. Er habe sich bedroht gefühlt, sagte der 27-Jährige jetzt. Im Gericht gaben sich beide Männer die Hand. Auf der Tribüne sah das anders aus. Wo vorher nur Schimpfworte durch die Luft flogen, eskalierte die Situation: Um die 40 Leute - Zuschauer, Spieler und Betreuer von beiden Seiten - gerieten aneinander. Ergebnis: aufgeplatzte Lippen, Prellungen. Der Schiedsrichter verschanzte sich, bis die Polizei eintraf.

Was am Ende bleibt, sind gegenseitige Schuldzuweisungen. Und die Erkenntnis, dass manchmal offenbar das Verständnis füreinander fehlt. So hätten sich die TuRa-Zuschauer vom Jubel der türkischen FSV-Spieler, der vielen wie ein Gebet wirkte, provoziert gefühlt, so ein Zeuge. Ein Angeklagter erwiderte: Das sei so gar nicht gemeint gewesen. So oder so: Ein friedliches 2:2 hätte einigen Zuschauern und Spielern eine blutige Lippe und dem FSV eine drakonische Strafe erspart. Der Bochumer Verein wurde für zehn Monate vom Spielbetrieb ausgeschlossen und stieg ab.