Für Ellen Wilke liegt die Arbeit vor der Haustür

Ellen Wilke vor der Grundschule Pferdebachstraße.
Ellen Wilke vor der Grundschule Pferdebachstraße.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Wittenerin kümmert sich um 190 Kinder und das Gebäude der Pferdebachgrundschule. Sie ist eineder letzten „klassischen“ Hausmeisterinnen.

Witten.. Wenn nachmittags ein Steppke an der Haustür klingelt, weil er mal wieder seine Turnschuhe in der Schule vergessen hat, stört das Ellen Wilkes nicht. „So einen kann man doch nicht wieder wegschicken!“ Die Hausmeisterin hat ein großes Herz – bald so groß wie ihr Schlüsselbund.

Ellen Wilke ist eine der letzten Hausmeisterinnen an Wittens Grundschulen. Von den 28 Schulen sind aktuell nur noch 14 Dienstwohnungen belegt. Auch die fünf großen Wittener Sportanlagen haben Dienstwohnungen. Nur eine davon ist von einem Hausmeister, eine durch einen Vereinsplatzwart bewohnt. Die Wilkes aber haben besonderes Glück gehabt: Zur Schule an der Pferdebachstraße gehört ein freistehender Bungalow mit Garten, 90 m², frisch – im Zuge der Schulsanierung – renoviert.

Pflege des Schwimmbads ist zeitaufwändig

Vor elf Jahren zog das Ehepaar hierher. Vorab hatten die beiden jahrelang die Unterstufenschüler des Schiller-Gymnasiums auf dem Sonnenschein betreut. Dann zog das „Schiller“ in die Innenstadt und auch die Wilkes wechselten die Schule. Der Job an der Pferdebachschule ist anspruchsvoll, denn das dazugehörige Schwimmbad macht viel Arbeit. Allein die Kinder aus acht Grundschulen lernen hier vormittags schwimmen. Nachmittags und abends kommen die Vereine.

Klaus Wilke, der Mann mit dem gigantischen Schnurrbart, ist seit einem Jahr Rentner und zuletzt häufig krank. So rückte Ellen Wilke von der „besonderen Dienstkraft“ auf die Stelle ihres Mannes. Was macht sie so? Frühmorgens steigt sie in die Katakomben der Schwimmbadtechnik. Ab 7.45 Uhr folgt das Aufschließen, das Milch verteilen, ans Telefon gehen – bei Frau Wilke melden viele Eltern ihr krankes Kind ab. Auch mal durchwischen ist Tagesgeschäft.

Häufig findet man die 63-Jährige in ihrem Dienstzimmer – nein: ihrem schwarz-gelben Schrein. Die Liebe zu den Dortmunder Borussen übernahm sie von ihrem Mann. Auch Schüler und Lehrerinnen spendeten Tassen, Wimpel, Bilder in den Vereinsfarben, um den Raum zu schmücken. „Wenn die Fußballer nachmittags kommen, leihen die sich erst ‘ne Luftpumpe und verwickeln mich dann in ein Gespräch. Aber ich hab’ doch keine Ahnung“, kichert sie. Ein Schüler fragte sie mal: „Frau Wilke, darf ich mir in deinem Laden was kaufen?“

„Du Frau Wilke“, so heißt sie in der Pferdebachschule. Manchmal muss sie schimpfen. Aber sie bevorzugt es, ruhig zu bleiben. „Das machste nicht nochmal“, rügt sie dann. Sie findet, „Kinder, die Blödsinn machen, gab’s schon immer.“

Wilke hat übrigens einst Friseurin gelernt. Noch zwei Jahre kann sie als Hausmeisterin arbeiten. Dann kommt die Rente – und der Auszug aus ihrem Bungalow. Wehmütig ist sie schon jetzt. „Das weiß man jahrelang, aber es wird einem doch fehlen. Das schöne Häuschen und vor allem die Kinder.“