Fritz Helbert kann keiner das Wasser reichen

Schwimmmeister Fritz Helbert mit seiner „Medaille für besondere Verdienste im Wittener Schwimmsport", die ihm 2013 verliehen wurde.
Schwimmmeister Fritz Helbert mit seiner „Medaille für besondere Verdienste im Wittener Schwimmsport", die ihm 2013 verliehen wurde.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Von 1958 bis 1992 war Fritz Helbert Bademeister in Witten. Mindestens 5000 Kinder haben bei dem Annener das Schwimmen gelernt.

Witten..  Wenn wir kleinen Ruhrgebietslandratten in den 1960er Jahren mit unseren Eltern nach Holland, Italien oder Spanien zuckelten, um uns dort vor Wonne kreischend in die Fluten zu stürzen, dann mussten wir vor allem eins können: schwimmen! Und wer sorgte in Witten dafür, dass wir es lernten? Natürlich Fritz Helbert.

Bereits 2013 wurde der stadtbekannte Bademeister dafür geehrt, dass er im Laufe von Jahrzehnten rund 5000 Kindern in der Ruhrstadt das Schwimmen beigebracht hat. Aber das ist wohl nur die offizielle Zahl der Stadt Witten, die ihn dafür auszeichnete. Mit ziemlicher Sicherheit waren es noch weitaus mehr. Denn ganze Generationen hätten ohne den inzwischen 81-jährigen Annener nie und nimmer so sicher durch die Fluten gleiten gelernt.

Schwimmmeisterprüfung in München

Ursprünglich hatte Helbert Dreher bei der Wittener Firma Korfmann gelernt. Doch über den Schwimmsportverein Witten 84/09 orientierte er sich dann um: „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.“ 1958 begann er als Schwimmmeistergehilfe bei der Stadt, „kurz bevor das im Krieg zerstörte Hallenbad im Voß’schen Garten an etwa gleicher Stelle wieder aufmachte.“

An der Bayerischen Sportakademie in München absolvierte er dann die Schwimmmeisterprüfung. „Da haben wir natürlich Schwabing besucht und ordentlich Stimmung gemacht. Das war damals das Rambazamba-Viertel“, erinnert er sich vergnügt zurück.

Als 1968 das Annener Schwimmbad eröffnete, wechselte Fritz Helbert vom Innenstadtbad dorthin. Und blieb da Herr über das Wasser bis zu seiner Pensionierung 1992. Abgesehen von einem kurzen Zwischenspiel im Emsland, wohin er mit seiner Frau 1994/95 zog, hielt er Witten die Treue.

„Die Lage ist schön, Witten ist in viel Wald eingebettet, die Anbindung an die Autobahn ist vorhanden – hier passt einfach alles“, meint der Annener, der inzwischen drei Kinder, sechs Enkel und einen Urenkel hat. Von 1958 bis 2012 gab Helbert Schwimmunterricht, ab 1995 in den Lehrschwimmbecken der Hüllberg- und der Pferdebachschule.

Turmspringen ohne Scheu

Aber nicht nur dem Schwimmen, sondern auch dem Springen gehörte seine Leidenschaft: „Ich sage immer: nur fliegen ist schöner“, meint er schmunzelnd, wenn er sich daran erinnert, wie er sich von den haushohen Sprungtürmen ohne Scheu ins Wasser stürzte. „Wir hatten hier einen 7,50-Meter-Turm. Aber damals gab es schon Zehn-Meter-Türme in Dortmund und Wetter, da bin ich erstmals aus solchen Höhen gesprungen.“

Auch heute noch geht der 81-Jährige gerne schwimmen, meistens einmal die Woche in Kemnade. „Dort arbeiten Kollegen, die noch bei mir gelernt haben.“ Außerdem schreibt er gerne Bücher. Bekannt sind eines über die Wittener Bäder im Allgemeinen und eines speziell über das Stadtbad, dessen Abriss bekanntlich für allerhand Bürgerzorn sorgte.

„Und gerade habe ich ein Fotobuch für meine Enkelin und Urenkelin zusammengestellt“, berichtet Fritz Helbert. Bei der Größe seiner Familie wird es sicher nicht das letzte sein.