Frische Farbfeldmalerei auf dem Schulhof

Die engagierten Schüler und Lehrer Stefan Amelunxen freuen sich.
Die engagierten Schüler und Lehrer Stefan Amelunxen freuen sich.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Inspiriert durch den Künstler Gerhard Richter gestalten AMG-Schüler eine „Richterwand“. Sie steht in bunter Gesellschaft von Berliner Mauerresten.

Witten..  Über 2000 bunte Steine verschönern den großen Schulhof des Albert-Martmöller-Gymnasiums. Ein fröhlicherer Anblick als die vorherige triste, kahle Ziegelsteinmauer, findet Alana. Zusammen mit ihren Mitschülern Linus, Lena, Carina und Sebastian hat die 16-Jährige fast ein Jahr lang Nachmittage und Pausen genutzt, um die 15 Meter lange und 2,5 Meter hohe Mauer zu bemalen. Unterstützung haben sie dabei von Kunstkursen aus der Oberstufe bekommen.

Zufällige Farbverteilung

Ein gutes Projekt, meint auch Kunst- und Sportlehrer Stefan Amelunxen. Der 33-Jährige hat die Aktion in seinem Unterricht ins Leben gerufen. Inspiriert ist die Wand durch die Farbfeldmalerei des Künstlers Gerhard Richter, der unter anderem ein Fenster im Kölner Dom gestaltet hat. Deshalb trägt die Mauer auf dem Schulhof auch den Namen „Richterwand“. In Anlehnung an das künstlerische Konzept Richters sind die Steine in zwölf verschiedenen Farben bemalt. Die Verteilung der Farbfelder wurde dabei durch ein zufälliges Prinzip ausgewählt, wie der Kunstlehrer erklärt: „Wir haben jeder Farbe eine Nummer zugeordnet und das Muster durch eine Zufallsberechnung des Computerprogramms Excel erstellt“. Jede Farbzeile wiederholt sich bis zu drei Mal. Dabei sind einige Abfolgen so auffällig, dass sie einem immer wieder ins Auge fallen. Die Bemalung auf der Mauer soll möglichst lange halten, deshalb haben sich Lehrer und Schüler für Acrylfarbe auf Wasserbasis entschieden. Zudem sei die Vorgrundierung der Wand für die Haltbarkeit entscheidend.

Und warum ist die Wahl überhaupt auf den Künstler Richter gefallen? „Der Künstler Gerhard Richter ist bald in den Lehrplänen vertreten. Zwar nicht mit der Farbfeldmalerei, aber den Schülern ist der Name durchaus vertraut und die Gestaltung wertet die Mauer, die den Schulhof zu einem Privatgrundstück abgrenzt, deutlich auf“, erklärt Amelunxen. Den Schülern gefällt’s. „Es sieht so bunt viel besser aus und es ist schön zu wissen, dass etwas von uns noch in Jahren an unsere Schulzeit hier erinnert“, sagt Alana. Und die „Richterwand“ steht auf dem Schulhof in guter, prominenter Gesellschaft.

Seit 2010 zieren Stücke der Berliner Mauer den Pausenplatz. Bemalt vom Künstler Thierry Noir. Die Wirkung der beiden Mauern zusammen, fasziniert Kunst-und Mathelehrerin Gaby Tara. Die 54-Jährige hatte sich vor Jahren für die Gestaltung der Berliner Mauerreste eingesetzt und motiviert nun die Schüler zu einem größeren Verständnis für Kunstinterpretation.

„Die Werke sind auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass beide Künstler mit der deutschen Geschichte zu tun haben“, so die Lehrerin. Die Berliner Mauerreste waren von August1961 bis November 1989 ein Teil der Grenze zwischen Berlin Ost und Berlin West. Gerhard Richter, geboren in Dresden, floh im Februar 1961 über West-Berlin nach Westdeutschland. „Wer weiß, vielleicht sogar über diese Mauerstücke.“