Das aktuelle Wetter Witten 2°C
Kassiererin war wegen...

Freispruch für Betriebsratsvorsitzende

24.11.2009 | 15:24 Uhr
Freispruch für Betriebsratsvorsitzende

Die Betriebsratsvorsitzende von Edeka am Crengeldanz, Gabriele Gramckow, ist vom Vorwurf des Ladendiebstahls freigesprochen worden.

Als nicht glaubwürdig wertete das Amtsgericht die Aussage einer Ladendetektivin. Sie will gesehen haben, wie Gramckow einen Tag vor Weihnachten, am 23. Dezember 2008, mit zwei Tchibo-Uhren im Aufenthaltsraum verschwand und nur mit einem Päckchen Kaffee wieder herauskam. Am 2. Januar wurden die Uhren in diesem Raum in einem verschlossenen Schrank des Betriebsrats entdeckt. Wie sie dort hineingekommen sind, konnte das Gericht nicht klären.

Es schenkte der Ladendetektivin vor allem aus zwei Gründen keinen Glauben: Bei der Polizei hatte sie angegeben, den Ladenbesitzer noch am 23. Dezember über ihre Beobachtung informiert zu haben. Vor Gericht erklärte sie, dies erst am 29. Dezember getan zu haben. Über ihren Fehler habe sie die Polizei nach ihrer Vernehmung im Januar telefonisch informiert. Daran konnte sich der Beamte, der das Protokoll aufgenommen hatte, aber nicht erinnern. Er wusste auch nichts von einer angeblichen Schmiergeldzahlung in Höhe von 1000 Euro, mit der er die Ladendetektivin konfrontiert haben soll.

Der Fall Gramckow hatte hohe Wellen geschlagen. Der Inhaber des Supermarktes erstattete Strafanzeige gegen sie, nachdem er den Schrank des Betriebsrats durchsucht und dabei eine Damen- und eine Herrenuhr im Wert von insgesamt 44,90 Euro zutage gefördert hatte – fast zehn Tage nach dem angeblichen Diebstahl. Gabi Gramckow vermutet, dass ihr die Uhren untergeschoben wurden, um ihr als Betriebsrätin zu schaden.

Seit zirka zwei Jahren ist die Kassiererin Betriebsratsvorsitzende. Die Zusammenarbeit mit dem Inhaber gestalte sich schwierig. Nach der Bildung der Belegschaftsvertretung habe sie die ersten Abmahnungen erhalten, bis heute neun Stück. Immer wieder wurde sie von der Ladendetektiv auch Testkäufen unterzogen.

Der Anwalt Gramckows sieht einen direkten Zusammenhang zwischen dem Diebstahlsvorwurf und ihrer Tätigkeit als Betriebsratsvorsitzende. „Hier ist der Versuch gemacht worden, jemanden öffentlich hinzurichten, um ihn aus dem Betriebsratsamt entfernen zu können.” Seine Mandatin hatte stets beteuert, die Uhren nicht gestohlen zu haben. „Ich habe mir nicht einmal erlaubt, ein Werbebonbon zu essen, weil es Diebstahl gewesen wäre”, sagte sie vor Gericht. Gramckow arbeitet seit 1998 in dem Geschäft, das bis 2006 zu Edeka Neukauf gehörte.

Nach Angaben des Anwalts hatte seine Mandatin selbst den Prozess gewollt und auf eine Einstellung des Verfahrens verzichtet, um jeden Schatten eines Verdachts zu beseitigen. Deshalb kritisierte er auch die Äußerungen der Staatsanwältin, die Freispruch forderte, weil es keine Beweise gebe. Es könne ja auch noch eine zweite Person, die einen Schlüssel gehabt hat, die Uhren in den Schrank gelegt haben, sagte die Staatsanwältin. Dazu der Anwalt: „Frau Gramckow verdient es nicht, mit Hinweis auf einen zweiten Schlüssel freigesprochen zu werden.” Bei dieser Argumentation müsse sich auch die zweite Person mit einem Schlüssel an den Pranger gestellt fühlen.

Der Anwalt zerpflückte vor allem die Aussage der Ladendetektivin. „Diese Zeugin lügt”, meinte er. Einerseits habe sie an jenem 23. Dezember Verdacht gegen Frau Gramckow geschöpft, andererseits sei sie diesem Verdacht aber nicht nachgegangen. „Sie lässt zwei Uhren unbeobachtet im Aufenthaltsraum liegen und macht nichts.” Zumindest hätte sie doch abends fragen können, ob die Uhren überhaupt gebont worden seien.

Gabriele Gramckow ist seit dem Diebstahlsvorwurf als Kassiererin freigestellt. Das Verfahren vor dem Arbeitsgericht in Bochum läuft noch. Nun will die 52-Jährige wieder bei Edeka an die Kasse zurückkehren.

Jürgen Augstein

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2154096/create

Aktuelle Fotos und Videos
Schäden am Rathaus
Bildgalerie
Bauschäden
Die 5. Nacht der Offenen Kirchen
Bildgalerie
Kirchennacht
Deutschland vor...
Bildgalerie
Fan-Artikel
Aus dem Ressort
Leise bröckelt der Putz
Rathaus
Der vom Rande des Rathausdaches abgeplatzte Beton liegt noch auf dem Gehweg, der Bereich wurde großräumig abgesperrt. „Am Freitagnachmittag wurde per Gerüst ein Fußgängertunnel errichtet, damit die Leute wieder sicher hier hergehen können“, erklärt der städtische Bauleiter Udo Klapp (48).
Hunde, teuer
Debatte um Hundesteuer
In die Diskussion um die geplante Hundesteuer-Erhöhung von 50 Prozent kommt Bewegung. Sowohl die Steuerhöhe als auch der Fortfall der Ermäßigung bei bedürftigen Personen wurden im Sozialausschuss kritisiert.