Das aktuelle Wetter Witten 2°C
Witten

Frauen wollen Teil der Macht

27.03.2008 | 18:38 Uhr

Mit ihrer Forderung, Frauen in der CDU stärker an Ämtern und Mandaten zu beteiligen, rennt die heimische Landtagsabgeordnete Regina van Dinther bei ihren Wittener Parteifreundinnen offene Türen ein.

„Ich stehe voll dahinter”, sagt die Vorsitzende der Frauen Union, Monika Bruchsteiner. Van Dinther hatte vor allem den geringen Anteil von Frauen an gut dotierten Mandaten wie im Land- oder Bundestag bemängelt. Er liegt bei der CDU in NRW bei mageren 8,1 Prozent. Die Ursache für die geringe Teilhabe der Frauen sieht die Landtagspräsidentin an der Parteibasis. „In den Orts- und Kreisverbänden muss sich etwas tun”, fordert sie gerade mit Blick auf die Kommunalwahl 2009. Auch in Witten ist das „schwache” Geschlecht unter den Mandatsträgerinnen schlecht vertreten. In der 17-köpfigen CDU-Ratsfraktion sitzen lediglich zwei Frauen. Zum Vergleich: Bei der SPD sind sechs von 24 Fraktionsmitgliedern weiblich, bei den Grünen sogar vier von sechs. Rein männlich besetzt sind FDP und WBG. Bei der dreiköpfigen Freien Liste mischt noch die Frau des Fraktionschefs, Nina Hasenkamp, mit. Im Kreistag stellt die CDU mit der Wittenerin Christel Stracke immerhin eine Fraktionsvorsitzende. Ansonsten sieht es dort in Sachen Frauenquote ebenfalls mau aus. Nur drei von 21 Unionsabgeordneten sind Frauen. Bei der SPD stellen sie mit elf fast die Hälfte der 23-köpfigen Kreistagsfraktion. CDU-Kreisgeschäftsführer Manfred Lorenz betont aber, dass man mit einer Quote von 22,9 Prozent bei den kommunalen Mandatsträgern – 33 von 144 sind Frauen – deutlich besser abschneide als das Land. Lorenz: „Trotzdem wollen wir besser werden.” Was sind die Ursachen für den geringen Frauenanteil? „Männer haben leichteres Spiel”, sagt Monika Bruchsteiner (57), die als eine von vier Frauen im 18-köpfigen Gesamtvorstand des Wittener Stadtverbandes sitzt. Frauen müssten sich erst einmal beweisen, bevor sie als Delegierte oder Mandatsträger in Frage kämen, sagt sie aus Erfahrung. Aus der geringen Frauenquote lässt sich aber nicht automatisch schließen, die Partei wolle keine Mandatsträgerinnen, geschweige denn in Spitzenämtern. „Wir fördern Frauen, wo wir können”, sagt Vize-Parteichef Ulrich Oberste-Padtberg. Mit der nach Spanien abgewanderten Gabriele Preibisch stand immerhin lange Zeit eine Frau an der Parteispitze. Ihr wäre fast ein Überraschungssieg bei der Bürgermeisterwahl 1999 gelungen. Und mit Christel Stracke wurde nach dem überraschenden Tod von Paul Frech im letzten Jahr eine Frau aus Witten zur Vorsitzenden der Kreistagsfraktion gewählt. Die Anfänge in der CDU waren allerdings alles andere als einfach, erinnert sich die 69-Jährige, die seit fast 25 Jahren im Kreistag sitzt. Als sie im Schulausschuss eine Frage zur Kämpenschule stellte, pflaumte sie der damalige Fraktionsvize an, sie solle nie wieder eine so blöde Frage stellen. Stracke: „Damals wollte ich schon das Handtuch werfen, weil die Männer so dominant waren.” Jetzt hoffen Frauen wie Stracke darauf, dass mehr Kandidatinnen für die Kommunalwahl 2009 aufgestellt werden. Einen Grund für den immer noch geringen Anteil sehen sie in der Schwierigkeit, das zeitlich aufwändige Ehrenamt mit Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Die Junge Union suche händegeringend weibliche Mitglieder, beteuert Kreisvorsitzender Simon Nowack (23). Es gebe nicht so viele, „die in der ersten Reihe mitmachen möchten”. Eine Mitarbeit könnte sich Katinah Wrobbel (26), die gerade erst in die CDU eingetreten ist, vorstellen – zumindest solange sie noch frei und ledig sei. Christel Stracke kann den Nachwuchs nur ermuntern: „Versucht es, macht es, so schlimm sind die Männer nicht mehr.”

Jürgen Augstein

Facebook
 
Kommentare
29.03.2008
10:39
Frauen wollen Teil der Macht
von Dr. Carsten Rensinghoff | #3

Heute las ich die Aufforderung Lars Königs an die Frauen sich in der CDU zu betätigen, weil die Frauen hier besonders gefördert werden. Das ist für die sich politisch engagieren wollenden Behinderten dann aber ein Schlag in Gesicht. Sie werden dann also nicht gefördert. Oder hab ich da nur etwas falsch verstanden?

28.03.2008
07:16
Frauen wollen Teil der Macht
von K, Wussow | #2

„Wir fördern Frauen, wo wir können”
Ein Mann eine Tat? Angesichts der bevorstehenden Wahlen des Wittener Parteivorstandes wird man sehen, ob der vollmundige Spruch tatsächlich ernst zu nehmen ist oder die bisherigen Seilschaften bestehen bleiben.

28.03.2008
05:37
Frauen wollen Teil der Macht
von Dr. Carsten Rensinghoff | #1

Auch mal daran gedacht? Behördlicherseits anerkannte Behinderte sind in vielen Fraktionen gar nicht vertreten! Und auch Behinderte müssen sich - und das kenne ich aus meiner eigenen Ratstätigkeit - auch erst beweisen. Hoffentlich werden Behinderte von den Parteien auch gefördert und es wird händeringend nach ihnen gesucht. In manchen Fragen, gerade in den behindertenpolitischen Fragen, sind die Behinderten die besseren Experten, eben weil Experten in eigener Sache! Nichtbehinderte neigen dazu zu benachteiligen und widersprechen sozialpolitisch gegen ihre ureigenen Forderungen nach ganzer (unteilbarer)Teilhabe!

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1635641/create

Aktuelle Fotos und Videos
Schäden am Rathaus
Bildgalerie
Bauschäden
Die 5. Nacht der Offenen Kirchen
Bildgalerie
Kirchennacht
Deutschland vor...
Bildgalerie
Fan-Artikel
Aus dem Ressort
Leise bröckelt der Putz
Rathaus
Der vom Rande des Rathausdaches abgeplatzte Beton liegt noch auf dem Gehweg, der Bereich wurde großräumig abgesperrt. „Am Freitagnachmittag wurde per Gerüst ein Fußgängertunnel errichtet, damit die Leute wieder sicher hier hergehen können“, erklärt der städtische Bauleiter Udo Klapp (48).
Hunde, teuer
Debatte um Hundesteuer
In die Diskussion um die geplante Hundesteuer-Erhöhung von 50 Prozent kommt Bewegung. Sowohl die Steuerhöhe als auch der Fortfall der Ermäßigung bei bedürftigen Personen wurden im Sozialausschuss kritisiert.