„Frau Müller muss weg“ auf der Wittener Saalbau-Bühne

Grundschullehrerin Müller (re.), im Wittener Saalbau gespielt von Claudia Rieschel, wird lautstark. Der arbeitslose Vater Heider (Wolfgang Seidenberg) hört stirnrunzelnd zu. Elternsprecherin Jessica Höfel (Andrea Lüdke) wendet sich ab.
Grundschullehrerin Müller (re.), im Wittener Saalbau gespielt von Claudia Rieschel, wird lautstark. Der arbeitslose Vater Heider (Wolfgang Seidenberg) hört stirnrunzelnd zu. Elternsprecherin Jessica Höfel (Andrea Lüdke) wendet sich ab.
Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Das Stadttheater Minden brachte das Stück „Frau Müller muss weg“ auf die Saalbau-Bühne. Eine Psycho-Schlacht um die Schüler einer Klasse 4b.

Witten..  Eine Komödie des Berliner Dramatikers und Regisseurs Lutz Hübner über Schulalltag, Leistungsdruck, Geltungsbedürfnis und Werte hat die Theatergemeinde Volksbühne ihren Gästen im fast ausverkauften Saalbau präsentiert. In Hübners Stück „Frau Müller muss weg“ dreht sich alles um einen Elternabend der Klasse 4b, bei dem es um die Chancen für den Wechsel auf das Gymnasium geht. In Witten hervorragend inszeniert vom Stadttheater Minden.

Eine Psycho-Schlacht, in der es um Versagensängste, Eltern-Narzissmus, mangelnde Solidarität und egoistische Ansprüchen an die Leistungsfähigkeit der eigenen Sprösslinge geht. Witzig, aber auch staubtrocken wurden die Theaterbesucher mit dem Wahnsinn der Leistungsgesellschaft konfrontiert, die heute selbst vor der Grundschule nicht Halt macht.

Das Bühnenbild: ein Klassenzimmer. Die Story: ein Showdown beim Elternabend einer Klasse 4. In wenigen Monaten gibt es Zeugnisse, die über die weitere Schullaufbahn der Kinder entscheiden werden. Die ambitionierten Eltern geraten in Panik. Sie wollen der Lehrerin Frau Müller die schlechten Noten ihrer Kinder in die Schuhe schieben und dieser das Misstrauen aussprechen.

„Ich bin im öffentlichen Dienst und nicht Ihre Dienstmagd“

Doch da haben die Eltern die „Rechnung ohne den Wirt“ gemacht. Frau Müller, wunderbar in Szene gesetzt von Claudia Rieschel, lässt sich trotz ihres gouvernantenhaften Auftretens nicht einschüchtern. „Merken Sie sich eins – ich bin im öffentlichen Dienst und nicht Ihre Dienstmagd“, entfährt es ihr. Die Lehrerin hat gute Argumente, die Eltern-Allianzen bröckeln, Fronten wechseln.

Als Frau Müller schließlich wütend den Klassenraum verlässt, entwickelt sich bei den Eltern eine ganz eigene Gruppendynamik. Katrin Filzen und Thomas Martin präsentieren in der Rolle der Eheleute Jeskow urkomisch und eindrucksvoll die Szenen einer beinahe alltäglichen Ehe. Alte Techtelmechtel werden von dem Arbeitslosen Heider (Wolfgang Seidenberg) und der alleinerziehenden Mutter Katja (Iris Boss) süffisant aufgewärmt.

Mancher Zuschauer musste an die eigene Schulzeit denken

Nach einer Schnüffelei in Frau Müllers zurückgelassener Handtasche sind die Eltern überzeugt, dass die „verhasste“ Lehrerin ihren „missratenen“ Sprösslingen doch gute Noten gibt. Auf einmal heißt es: „Frau Müller muss bleiben“. Nur dumm für die Eltern, dass sie Einblick in den Notenspiegel des Vorjahres hatten.

Urkomische Szenen, etwa das Aufzeigen, wenn man was zu sagen hat, das Herumlümmeln in der letzten Reihe und das offenkundige nach dem Mund reden, machten das Theaterstück ausgesprochen amüsant. Mancher Zuschauer musste dabei sicherlich unwillkürlich an die eigene Schulzeit denken. Die Besucher erlebten mit dem sechsköpfigen Ensemble einen unterhaltsamen Volkstheaterabend, an dem viel gelacht wurde. Den anhaltenden Beifall hatten sich die Akteure mehr als verdient.