Franziska Erbstollen in Witten unter Ruhrstraße beschädigt

Mundloch des Franziska Erbstollens:Die Erbauer wählten eine tiefe Stelle unterhalb der einstigen Mühle. Das Wasser fließt durch das natürliche Gefälle aus dem Berg und über eine (verdeckte) Laufrinne nach links in den Mühlengraben.Foto: Barbara Zabka
Mundloch des Franziska Erbstollens:Die Erbauer wählten eine tiefe Stelle unterhalb der einstigen Mühle. Das Wasser fließt durch das natürliche Gefälle aus dem Berg und über eine (verdeckte) Laufrinne nach links in den Mühlengraben.Foto: Barbara Zabka
Foto: WAZ
Deckenmaterial hat sich gelöst liegt in zehn Metern Tiefe. Damit Ruhrstraße nicht gesperrt werden muss, wird Sicherung von Wetterstraße aus betrieben.

Witten..  Die „kleine“ Wetterstraße oberhalb der Café-Del-Sol-Baustelle ist ab Montag für den Durchgangsverkehr gesperrt. Den Hohenstein erreichen Autofahrer bis voraussichtlich Anfang September nur „von hinten“ – über die Mühlengrabenbrücke in Höhe des Ruderclubs.

Wittens Bergbauvergangenheit lässt wieder einmal grüßen. Anlass für die Sperrung ist ein Schaden im Franziska Erbstollen, der das Grubenwasser aus den angeschlossenen ehemaligen Zechen bis heute in den Mühlengraben abführt. Aus dem Mundloch unterhalb von Haus Ruhrstraße 92 strömt immer noch rostbraunes Wasser. Der Entwässerungsstollen unterquert die Ruhrstraße im Bereich der Einmündung Gasstraße/Wetterstraße – und genau dort ist die Schadstelle: Auf der Sohle des Stollens, gut zehn Meter unter der Fahrbahn, liege „verbrochenes Haufenwerk“, ein Teil des „Gebirges“, also der Stollenüberdeckung, sei heruntergekommen, erläutert Norbert Vierhaus von der Bergbehörde der Bezirksregierung.

Momentan bestehe nach Angabe des Ingenieurs noch keine Gefahr für einen Tagesbruch in der Ruhrstraße. Der Stollen müsse aber gesichert werden. Sonst sei es unvermeidlich, „dass weiteres Gebirge nachdrängt und irgendwann auch die Ruhrstraße einbricht“.

Auf den Verbruch im Erbstollen hatte die Stadt Witten die Bergbehörde vor einigen Monaten aufmerksam gemacht. Im Vorfeld der Café-Del-Sol-Baumaßnahme hatte die Stadt ein neues Kanalstück legen lassen, das die Ruhrstraße im Bereich des Abzweigs „Am Mühlengraben“ unterquert. Möglicherweise wurde der Schaden im Stollen durch diese Kanalarbeiten auch erst ausgelöst.

Zweimal haben sich Experten unterirdisch in Richtung Schadstelle vorgewagt – einmal im Auftrag der Stadt, einmal die Bergbehörde selbst. Ein mühsames und auch gefährliches Unterfangen. Der Erbstollen ist nur etwa 1,50 Meter hoch, stellenweise nur 60 Zentimeter breit. Und die CO2-Konzentration ist hoch – weshalb man nur unter Atemschutz „einfahren“ kann und sich die Bergbehörde durch die Herner Grubenwehr begleiten ließ.

Wegen der Enge und der schlechten Luft kann der Schaden im Stollen über diesen Weg nicht behoben werden. Aber so konnten Fotos und Vermessungsprotokolle angefertigt werden. Repariert werden muss der Erbstollen aber ohnehin, nicht nur wegen der Gefahr für die Ruhrstraße, auch weil die Altzechen weiterhin entwässert werden müssen.

Um nicht gleich die ganze Ruhrstraße zu sperren, was die einfachste Lösung gewesen wäre, wird der Reparaturtrupp jetzt von der Wetterstraße aus operieren. Direkt hinter der Einmündung werden zunächst Probebohrungen gesetzt. Dann wird dort eine zehn Meter tiefe Untersuchungsgrube ausgehoben. Von dort aus will man zur der Schadstelle im Stollen vordringen. Erst dann könne man über die Methode der Sicherung entscheiden, so Norbert Vierhaus. Falls der alte Ausbau versagt habe, werde ein neuer gesetzt. Oder man setze einen „Inliner“ – sichere die Wasserführung durch ein Rohr im Stollen.

So oder so, sind in Witten wieder einmal Bergtechniker gefragt.

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