Frank Goosens Heimspiel in Witten

Frank Goosen in Witten am 12.05.2015 in der ausverkauften Werkstadt. Goosen präsentierte sein neuestes Programm über "Durst und Heimweh".
Frank Goosen in Witten am 12.05.2015 in der ausverkauften Werkstadt. Goosen präsentierte sein neuestes Programm über "Durst und Heimweh".
Foto: Barbara Zabka
Was wir bereits wissen
Der Bochumer Kabarettist ist das humoristische Aushängeschild des Ruhrpotts. In der Wittener Werkstadt erzählte er Urlaubserinnerungen.

Witten..  Frank Goosen braucht nicht viel für einen gelungenen Abend. Keine Requisiten, keine Verkleidung – für Goosen reicht ein Glas Wasser, um durch das Programm zu kommen. Bier wäre ihm lieber. Als er neulich gefragt wurde, ob er den Alkoholismus verherrliche, antwortete er trocken: „Nee, nur das Saufen“. Der Witz sitzt. Schon nach den ersten Minuten wird in der Werkstadt klar: Goosen hat ein Heimspiel in Witten. Ein kerniger Alltagsheld von Nebenan, der auch mal Erbrochenes aus dem Maxi-Cosi seines Jüngsten wischen muss.

Mit einem selbst geschriebenen Seefahrerlied steigt Goosen am Montagabend ein in die Vorstellung seines neuen Programms „Durst und Heimweh“. Nachdem der erste Durst gelöscht ist, kommt der 49-Jährige auf seine Heimat zu sprechen: die Bochumer Alleestraße. Als „Ghettokind fern von jeglichen Bibliotheken“ sei er dort aufgewachsen, wo selbst der Bücherbus mit verhängten Scheiben durchgeprescht sei. Wegen der vermeintlich verpesteten Luft im Ruhrgebiet („Hier kriegt man noch Beulen wegen der rumfliegenden Kohlebriketts“) nahmen ihn seine Großeltern jeden Sommer mit in den Urlaub.

Das ist gut fürs Programm „Durst und Heimweh“, denn um Heimweh zu haben, muss man ja erstmal woanders gewesen sein. Frech und pointiert schildert Goosen seine Ferienerlebnisse aus der Sicht eines dicken Einzelkinds. Immer mit dabei: die „Omma“, die Goosens Leben mit manch einer philosophischen Weisheit geprägt hat („Wenn die Sonne weg is, is frisch“).

Neben alter Possen, aus der Zeit, als das Navigationsgerät noch „Aral Auto-Atlas“ hieß, spricht der Bochumer Autor auch über sein aktuelles Familienleben. Jetzt säße er selbst am Steuer, während seine Jungs auf der Rückbank das Lied „vom Affen mit der Kokusnuss“ hören wollen. Kaum zu glauben, dass in Goosens Terminkalender noch Platz für Familienausflüge ist: Elf Bücher und sieben Bühnenprogramme stehen bisher in seinem Lebenslauf. Außerdem trainiert er noch bis Sommer die C-Jugend des VFL-Bochum.

„Tja, damit ist bald Schluss. Die Jungen haben einfach keinen Respekt mehr vor mir“, sagt Goosen und blickt bedauert an seinem massigen Körper herunter. Ein halb bedauerndes „Ohhh“ schallt aus dem voll besetzten Saal in der Werkstadt zurück. Doch dann hat Goosen vielleicht noch mehr Freiraum für neue Buchideen und Lesungen. In Witten ist ihm jedenfalls eine treue Besucherschar gewiss.