Fotografin blickt in die Frauenseele

Einfühlsam, direkt, berührend: Seit 1981 fotografiert Brigitte Kraemer in verschiedenen Projekten in nordrhein-westfälischen Frauenhäusern. Im nächsten Salon „Frauenbilder“ des Wittener Industriemuseums Zeche Nachtigall (Nachtigallstraße 35) zeigt die vielfach ausgezeichnete Fotografin aus Herne am Donnerstag (23. April) eine Auswahl ihrer Arbeiten.

Brigitte Kraemer hat in ihrem neuesten Projekt den Kontakt auch zu ehemaligen Bewohnerinnen des Frauenhauses gesucht und sie mit einem fotografischen Portrait und in kurzen Texten einfühlsam dargestellt. „Dass sie seitdem keine Gewalt mehr erlebt haben, war mir eine Freude und Zuversicht“, so die Fotografin in ihrem gerade erschienenen Fotoband „Auf der Schwelle“.

Fotos aus unterschiedlichen Zeiten

Darin porträtiert Brigitte Kraemer das Leben im Frauenhaus mit großformatigen Schwarz-Weiß-Aufnahmen und Texten. Auf der Zeche Nachtigall wird die Fotografin ausgewählte Fotos aus unterschiedlichen Zeitphasen zeigen und über ihre Eindrücke, Motivation und Arbeitsweise, die Technik und die Entstehungsbedingungen der Fotos und Texte sprechen. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) lädt um 18.15 Uhr zu der Veranstaltung ins Industriemuseum ein. Der Eintritt ist frei.

Marion Steffens, Mitbegründerin des 1992 im Ennepe-Ruhr-Kreis eröffneten Frauenhauses, liefert weitere Fakten. Dass es sich um ein wichtiges Thema handelt, das Brigitte Kraemer behandelt, zeigen die Zahlen: In Nordrhein-Westfalen suchen jedes Jahr fast 10 000 Frauen in Frauenhäusern Schutz vor häuslicher Gewalt. 66 dieser Einrichtungen gibt es im Land. Brigitte Kraemer ist freie Fotografin im Ruhrgebiet, die schon viele Publikationen herausgebracht hat. Sie studierte Fotografie und Grafik-Design an der Folkwang Hochschule in Essen. Neben Auftragsarbeiten für Magazine wie „Spiegel“ und „Die Zeit“ wurde ihre Arbeit in zahlreichen Einzelausstellungen in Museen und Galerien gezeigt und ausgezeichnet.

Engagiert im Frauennetzwerk

Steffens engagiert sich seit 1992 im Verein „Frauen helfen Frauen EN“, der die zentrale Anlaufstelle zum Thema Gewalt gegen Frauen im Ennepe-Ruhr-Kreis ist. Daneben setzt sie sich seit vielen Jahren auf nationaler und internationaler Ebene dafür ein, die Rechtslage und die Angebote für Opfer geschlechtsbezogener Gewalt zu verbessern.

Für ihre zahlreichen Arbeiten erhielt Brigitte Kraemer verschiedene Auszeichnungen, unter anderem vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe, von der Bosch- Stiftung und von der internationalen Stiftung „ashoka“.