Förderverein will ev. Kirche in Witten-Buchholz retten

Pfarrer Martin Marczinowski geht in den Ruhestand. Damit ist das Aus für die evangelische Kirche in Buchholz als Gotteshaus endgütlig besiegelt
Pfarrer Martin Marczinowski geht in den Ruhestand. Damit ist das Aus für die evangelische Kirche in Buchholz als Gotteshaus endgütlig besiegelt
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Gottesdienste wird es in der Kirche ab Sommer zwar nicht mehr geben. Trotzdem will ein neues „Bündnis für Buchholz“ das 50 Jahre alte Gebäude retten.

Witten..  Wieder muss eine Kirche in Witten schließen – zu wenig Pfarrstellen, kein Geld – das Übliche eben. Doch nun wurde der evangelischen Gemeinde in Buchholz die Idee eines Fördervereins präsentiert, der das 50 Jahre alte Gotteshaus retten will.

Es könnte funktionieren. Frag nach an der Oberkrone, wo sie vor Jahren Ähnliches schon mit Erfolg auf den Weg gebracht haben. Buchholz will das 1956 als Kirche geweihte gebäude als Veranstaltunsort etwa für Konzerte, Vorträge und Familienfeiern erhalten. Den Förderverein gibt es bereits, er hat 13 Gründungsmitglieder, wie der frisch gewählte Vorstand Ernst Wilhelm Niemann jetzt bekanntgab. An die Gemeinde appelliert er: „Unterstützen Sie uns - werden Sie Mitglied.“

Zwei Pfarrstellen für drei Kirchen

Finanzielle und vor allem personelle Gründe waren es, die dem Presbyterium laut Kirchenkreis vor einem knappen Jahr keine Alternative ließen als die Kirche in diesem Sommer zu schliepen: Mit bis dato zwei Pfarrstellen betrieb die Gemeinde nach Angaben von Kirchenkreissprecherin Nicole Schneidmüller-Gaiser zuletzt drei Kirchen – „zu viel, wenn nach der Pensionierung von Pfarrer Martin Marczinowski im Sommer die zweite Pfarrstelle auch noch auf 75 Prozent reduziert wird“. Denn die Gemeindegliederzahlen in Herbede würden sinken – nur noch 700 Buchholzer gehörten derzeit der evangelischen Kirche an.

Hinzu komme, dass für das erst 50 Jahre alte Gebäude aus Hammerthaler Steinen jährlich knapp 15 000 Euro Unterhaltungskosten anfielen. Dieses Geld will nun der Förderverein zumindest teilweise zusammentragen. Etwa 5000 Euro erhofft er sich aus Zuwendungen. Bei einem Jahresbeitrag von 48 Euro müssten sich schnell 105 Mitglieder finden, ist man zuversichtlich. „Wir freuen uns aber auch über jeden, der nur weniger geben kann“, ermuntert der neu gewählte Schatzmeister Helmut Gaul alle möglichen Unterstützer.

5000 Euro jährlich durch Fördermitglieder

Weitere fünftausend Euro soll das Gebäude selbst einspielen. „Wir haben viele tolle Ideen, was man hier machen könnte“, schwärmt Vorstand Ernst Wilhelm Niemann. Kabarett, Vorträge zum Thema Gesundheit, Konzerte von Nachwuchskünstlern der Musikschule – beim Aufzählen der Möglichkeiten wird der rüstige Senior leidenschaftlich. Um die Organisation (inklusive Reinigung, Technik, Hausmeisterarbeiten, Verkehrssicherung) würden sich auch wieder die Fördervereinsmitglieder kümmern.

Gelingt es dem Förderverein, jährlich 10 000 Euro zu erwirtschaften, beteiligt sich die Gemeinde laut Presbyteriumsbeschluss in den kommenden fünf Jahren mit jeweils 5000 Euro an der Unterhaltung der Kirche. „Allerdings lassen wir uns alle sechs Monate berichten“, betont Pfarrerin Ute Wendel, dass zum Beispiel im Falle von größeren Ausgaben, etwa Sanierungsarbeiten, neu verhandelt werden müsse.

Gottesdienste, Trauungen und Konfirmationsfeiern wird es zukünftig in Buchholz nicht mehr geben. Eine Ausnahme bilden Trauerfeiern – da der kommunale Friedhof keine eigene Andachtshalle hat, dürfen die auch zukünftig in der dann entwidmeten Kirche stattfinden. „Bei den Feiern könnten wir gespendeten Kuchen verkaufen“, überlegt Ernst Wilhelm Niemann. Zuletzt gab es jährlich etwa 10 Beerdigungen in dem kleinen Ortsteil.

Förderverein verkauft Festschrift

Das erste Kapital sammelte der Förderverein durch den Verkauf einer kleinen Festschrift (3 Euro pro Stück), und ein paar Anträge konnten die Förderer nach der Versammlung ebenfalls vorweisen. Nun wollen sie in den kommenden Wochen, so Niemann, „Klinken putzen und Freunde sammeln...“