Flüchtlingshilfe via Smartphone boomt

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Was wir bereits wissen
App mit Infos, Angeboten und Tipps verzeichnet nach nichtmal sechs Monaten über 25 000 Zugriffe. Köln und Aachen wollen digitale Erfindung nachahmen

Witten..  Die Stadt gibt ein Beispiel für moderne Flüchtlingshilfe – und hat damit einen Riesenerfolg. Eine App hilft Neuankömmlingen, sich mit dem Smartphone in der fremden Umgebung zurechtzufinden und fasst alle Angebote übersichtlich zusammen. Bereits vier Wochen nach ihrer Freischaltung im Februar diesen Jahres war die App über 1000 mal runtergeladen worden, inzwischen verzeichnet sie über 25 000 Zugriffe.

Witten ist mit seiner Erfindung Vorreiter in NRW. Städte wie Aachen und Köln zeigen bereits Interesse an dem Projekt.

Orientierung im Alltag

Warum gerade das auf das Smartphone spezialisierte Angebot von Flüchtlingen so gut angenommen wird, hat einen einfachen Grund: „So überschaubar der Besitz von Flüchtlingen ist, wenn sie Deutschland erreichen – ein Smartphone haben sie oft dabei. Denn das Handy ist die einzige Möglichkeit, mit der Familie im Heimatland in Verbindung zu bleiben“, sagt Eike Zengerle, der vor seiner Mitarbeit in der Abteilung E-Goverment bei der Stadt Asylbewerber betreut hat. Genau diese Tatsache machten sich die Macher der Flüchtlings-App zunutze: Die App soll helfen, Flüchtlingen Orientierung im Stadtalltag zu geben. „Mit einer App können viele mehr anfangen, als mit einer achtundzwanzigseitigen Broschüre“, erklärt Zengerle.

Freies WLAN hilft

Im Unterpunkt „Soziales Engagement“ können Flüchtlinge Anlaufstellen sowie aktuelle Angebote einsehen. Wo werden Sprachkurse angeboten, wo kann man übernachten, wo gibt es etwas zu essen und woher bekommt man günstige Kleidung und Möbel? Das alles auf Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch und Arabisch. Dass die App in Witten so ein Erfolg ist, liegt auch daran, dass in der Stadt an vergleichsweise vielen Orten freizugängliches WLAN angeboten wird, etwa auf dem Rathausplatz oder im Wiesenviertel. „Das macht es für die Nutzer einfacher, denn man kann nicht davon ausgehen, dass Flüchtlinge über einen deutschen Handyvertrag verfügen.“

Zurzeit sind Zengerle und seine Kollegen dabei, die App täglich zu aktualisieren. „Alle Veranstaltungsangebote und Anfragen müssen minutengenau eingestellt werden.“ Ein Fußballspiel etwa. Oder das Ausleihen eines Kinderwagens für denselben Nachmittag.