Flüchtlinge auf dem steinigen Weg zur deutschen Sprache

Pause beim berufsbezogenen Deutschkurs mit Dozentin Raluca Bortoluzzi  in der Wittener Vhs.
Pause beim berufsbezogenen Deutschkurs mit Dozentin Raluca Bortoluzzi in der Wittener Vhs.
Foto: Barbara Zabka

Witten..  An einem großen Tisch im Foyer der Volkshochschule an der Holzkampstraße sitzt eine Gruppe von Männern und Frauen im Alter zwischen 25 und 40 Jahren. Viele haben Frühstücksboxen mitgebracht und essen, während sie sich angeregt unterhalten – auf Deutsch. Dabei wurden sie überall auf der Welt verteilt geboren: in Bangladesch, Albanien, dem Iran und Syrien. Jetzt wohnen sie über den gesamten EN-Kreis verteilt. Seit drei Monaten arbeiten sie an fünf Tagen pro Woche in einem Vhs-Kurs daran, sich in der hiesigen Landessprache verständigen zu können.

Anida Peci (33) aus Albanien ist gelernter Bauingenieur, Farough Khastkhodacice (33) studierte im Iran Physik und der 27-jährige Sardan Panna arbeitete in Bangladesh als Kundenmanager. Sie alle wissen: „Wir brauchen Deutsch. Deutsch ist sehr wichtig, nur damit kann man in der Gesellschaft bestehen“, wie Farough Khastkhodaice sagt. Oder wie Mehdi Kabiri (38), gelernter Schweißer aus dem Iran, sich ausdrückt: „Ohne Deutsch keine Arbeit, keine Chance.“ Sie haben großes Glück gehabt, an einem solchen Kurs teilnehmen zu können.

Viel Angebot, aber mit Haken

Dabei sollte man meinen: Wer als Neuankömmling in Witten die deutsche Sprache erlernen möchte, hat es leicht. Gibt es doch inzwischen gut ein Dutzend Anbieter und Initiativen, die Flüchtlingen Deutschkenntnisse vermitteln. Im Unterschied zu vielen anderen Städten gibt es in Witten sogar eine zentrale Migrationserstberatung, die unter anderem Asylbewerber auf deren Kenntnisse überprüft und in die jeweiligen Sprachkurse vermittelt. Lange hatten Flüchtlinge erst dann das Anrecht auf einen vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderten Sprachkurs, wenn sie während ihres Asylverfahrens einen Aufenthaltsstatus anerkannt bekommen hatten. Oft erst nach langer Wartezeit.

Viele ehrenamtliche Initiativen bieten aber inzwischen Kurse für Menschen an, die ganz frisch angekommen sind. Allerdings meist nur für wenige Stunden pro Woche. Im Herbst schüttete die Bundesagentur für Arbeit Gelder für Flüchtlinge mit Bleibeperspektive aus, um ihnen schnell die Teilnahme an einem Kurs zu ermöglichen. Allerdings gab es dieses Geld nur einmalig. Qualifizierte Dozenten, die bereit sind, Vollzeitkurse zu übernehmen, gibt es genug. Allerdings scheitert es oft an deren Finanzierung. Zur Zeit ist keine weitere Unterstützung für Neuankömmlinge in Sicht.

Zahl der Teilnehmer verdreifacht

Witten sieht sich vor eine große Herausforderung gestellt: Im Vergleich zu 2014 hat sich die Zahl der Teilnehmer an Deutschkursen allein bei der Vhs von 279 auf 726 in 2015 fast verdreifacht. Und das, obwohl die ersten Flüchtlinge im vergangenen Jahr erst im September bei der Vhs auftauchten. „Noch können wir alle Anmeldungen annehmen“, sagt Vhs-Direktorin Bettina Sommerbauer. „Aber die Mehrheit ist ja auch noch gar nicht im System angekommen.“ Ein weiteres Problem schildert Christine Henkel, Sozialarbeiterin bei der Caritas: „Es läuft alles ein wenig zu unkoordiniert. Jeder will was machen, da verliert man inzwischen den Überblick.“ Außerdem sei ihre Stelle als Beraterin und Vermittlerin von Sprachkursen für erwachsene Migranten nicht dem Bedarf entsprechend aufgestockt worden.