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Dankesbrief

Flüchtling schreibt Dankesbrief an hilfsbereite Wittener

01.01.2016 | 11:50 Uhr
Flüchtling schreibt Dankesbrief an hilfsbereite Wittener
Omid Ahmadpour (M.) mit Amir und Anne Bahrinipour, die den Dankesbrief für ihn übersetzten.Foto: Barbara Zabka

Witten.   Omid Ahmadpour lebt seit einem Monat in Witten. Der Agrarwissenschaftler, der aus dem Iran floh, fühlt sich aufgehoben. Er schrieb einen Dankesbrief.

Begleitet von Anne und Amir Bahrinipour betritt Omid Ahmadpour die Redaktion. Der Asylsuchende aus dem Iran, der seit einem Monat in Witten lebt, hat ein ganz besonderes Anliegen: Er möchte sich bedanken – bei allen Deutschen und vor allem bei der Wittener Bevölkerung. „Ich möchte zum Ausdruck bringen, dass ich ihr Engagement sehr zu schätzen weiß“, sagt der 40-Jährige.

Einen langen Brief hat er deshalb geschrieben, den er eigentlich nur in der netten Nachbarschaft verteilen wollte. Dort, in Durchholz, lebt auch das bekannte Wittener Ehepaar Bahrinipour – sie Künstlerin, er Kinderarzt – das sich sehr in der Flüchtlingshilfe engagiert. Die beiden übersetzten die in persischer Sprache geschriebenen, sehr ausführlichen Dankesworte und hatten die Idee, damit zur Zeitung zu gehen – damit noch viel mehr Menschen erfahren, wie Omid Ahmadpour sich hier fühlt.

Im ersten Teil seines Textes lobt er nachdrücklich die deutsche Willkommenskultur: „Es ist mir klar geworden, dass Deutschland mit diesem ehrenhaften Prozess der Begegnung und Aufnahme der Flüchtlinge Geschichte geschrieben hat und eine einmalig vorbildliche Haltung in der Welt gezeigt hat...Durch diesen humanitären Akt hat Deutschland sich seiner ursprünglichen Kultur als das Land der Dichter und Denker und der großen Komponisten zurück erinnert.“

Als kritischer Autor in seiner Heimat verfolgt

Der Mann aus dem Iran – klein, schmal, mit markanter Mütze – kam vor vier Monaten über die Türkei und Griechenland nach Deutschland und lebte zunächst in einem Flüchtlingscamp in Hagen. Omid Ahmadpour ist Agrarwissenschaftler, Gründer mehrerer Nichtregierungsorganisationen für den Umweltschutz und kritischer Autor. Deshalb wurde er in seiner Heimat verfolgt. Drei Schwestern und zwei Brüder ließ er bei seiner Flucht zurück. Jetzt lebt er gemeinsam mit einigen Syrern in der ehemaligen Schule in Durchholz. Dort zieht sich der Iraner gern in sein Zimmer zurück. Er beschäftigt sich viel mit Wissenschaft und Literatur, lernt Deutsch und ist dabei, selbst ein Buch zu schreiben – darüber, warum Menschen flüchten.

Durch die Weihnachtszeit und diese irgendwie besondere Stimmung zwischen den Jahren sei in ihm das Bedürfnis gewachsen, sich zu bedanken: „Es ist herzerfrischend, wie die Wittener Bevölkerung, ob Verwaltung oder Ehrenamtliche, unermüdlich, freundlich und jederzeit hilfsbereit den Flüchtlingen begegnet und sie umsorgt.“

Freundliche Mitarbeiter

Sein erster Eindruck, als er vor dem Rathaus stand: Ein freundlicher Mitarbeiter begleitete ihn zum Sozialamt. Auch „der Taxifahrer, der mich zu meiner neuen Unterkunft brachte, die Busfahrer und Fahrgäste verhielten sich ebenso entgegenkommend“. Es war, „als würden mich alle schon seit Jahren kennen“, so Ahmadpour. „Dieses Verhalten der Wittener ist wie Balsam für die Flüchtlinge, für das gesamte Leid, das hinter ihnen liegt. Und es zeigt eine geistige Haltung, die nicht durch Materielles aufzuwiegen ist.“ Allen Menschen in der Ruhrstadt wünscht er zum Schluss „ein gesegnetes neues Jahr 2016“.

Annette Kreikenbohm

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2016-01-01 11:50
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