Firma feuert „Flugmuffel“ fristlos
22.02.2012 | 17:13 Uhr 2012-02-22T17:13:00+0100
Witten. Am Mittwoch trafen sich ein Industriemechaniker und sein Ex-Arbeitgeber, Pumpen Düchting, vor dem Bochumer Arbeitsgericht. Der 34-Jährige wurde gekündigt – weil er bei Auslandsflügen auf mehr Beinfreiheit bestand.
Erst wollte er nicht fliegen, dann flog er doch – und zwar aus seinem Betrieb: Weil ein 34-jähriger Industriemechaniker bei Auslandseinsätzen in der teureren Business-Klasse reisen wollte, entbrandete ein heftiger Streit zwischen ihm und seinem Arbeitgeber, dem Pumpenhersteller Düchting. Am Ende stand die Kündigung. Gestern traf man sich vor dem Bochumer Arbeitsgericht wieder.
Der Prozess endete einvernehmlich: Der 34-Jährige bleibt gekündigt, ganz im Sinne von Düchting, aber nicht mehr fristlos, sondern fristgemäß zum 31. Dezember 2011. „Aus betrieblichen Gründen“, wie es heißt. Dafür erklärte sich der Pumpenhersteller bereit, dem Ex-Angestellten eine Abfindung von 11 750 Euro zu zahlen. Bei Düchting hatte er im Schnitt 4600 Euro im Monat verdient. Ein kurzer Handschlag, das war’s. Vorausgegangen war ein erbitterter monatelanger Streit.
Hintergrund ist die Tätigkeit des Industriemechanikers: Über viereinhalb Jahre arbeitete er bei Düchting, musste oft Pumpen bei Kunden im Ausland kontrollieren. In der Karibik, in China, Indien. Eigentlich schöne Länder, „aber irgendwann wurde es immer mehr“, erinnert sich der 34-Jährige – und das immer in der beinengen Touristen-Klasse.
Thrombosegefahr
Vor allem die Thrombosegefahr war dem reisenden Mechaniker ein Dorn im Auge. Immer wieder seien ihm seine Füße eingeschlafen. „Die stundenlangen Reisen wurden zur Qual.“ Seinen Vertrag würde er erfüllen, habe er seinem Arbeitgeber mitgeteilt, „aber Fernreisen sind unter diesen Bedingungen nicht mehr möglich“. Ein Attest könne er nachreichen, was er aber nicht tat. „Düchting hatte keine Forderung an mich gestellt, das zu machen“, so der Kläger gegenüber unserer Zeitung.
Die Firma teilte dem stämmigen Mann mit, dass nicht einmal die Leitungsebene in der Komfortklasse die Beine ausstrecke. Mit mehreren tausend Euro seien diese „Luxus“-Reisen zu teuer. Als keine Reaktion des Angestellten erfolgte, wertete man dies als positives Signal. Weit gefehlt.
Kündigung
Als ein Einsatz in Katar anstand, winkte der Monteur ab: Mehr Beinfreiheit oder kein Auslandsdienst! Das begründete er auch damit, dass man ihm nicht einmal einen Platz am Notausgang angeboten hätte - – was Düchting aber getan hatte, wie es vor Gericht hieß. Die beschwerliche Reise nach Katar musste letztlich ein externer Ingenieur erledigen. Am 30. November bekam der „Flugmuffel“ die Kündigung. Einen Tag vor Heiligabend folgte gleich die nächste.
Der Pumpenhersteller hatte nach eigenen Angaben von einer heiklen E-Mail erfahren: Darin soll der 34-Jährige im Oktober seinen Noch-Arbeitgeber bei Kunden schlecht gemacht haben. „Sie bekommen nicht die gewünschte Qualität“, soll er ihnen mitgeteilt haben. Der Monteur wollte zu der E-Mail lieber nichts sagen.
Trotz allem gibt’s ein „sehr gut“ im Arbeitszeugnis. Auf die Bedauerungsformel für den Abschied aus dem Betrieb will Geschäftsführer Carsten Düchting dann aber doch lieber verzichten.
Düchting ist ein Familienunternehmen, das 1938 gegründet wurde. In den 50er Jahren baute Firmengründer Wilhelm Düchting eine Pumpenfabrik auf. Heute liefert der Betrieb Pumpen in die ganze Welt – von Indien bis Kuwait. Sie werden vor allem im Bergbau eingesetzt, neu entwickelte Maschinen sogar in der Meerwasserentsalzung.
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