Fiat hat den Mercedes gekauft

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Witten..  „Hill-Rom war der Fiat, der den Mercedes gekauft hat“ – mit dieser Formel bringt IG-Metall-Bevollmächtigter Mathias Hillbrandt die Situation beim Pflegebettenhersteller Völker im Wullener Feld aus seiner Sicht auf den Punkt.

Das in drei Generationen aufgebaute Familienunternehmen stieg auf zum deutschen Marktführer bei innovativen und hochwertigen Pflegebetten, verdiente sich weltweites Renommee. Völker setzte unter anderem mit integrierten Seitengittern und elektrischem Antrieb Standards, an denen sich andere orientierten. Als Heinrich Völker die Firma 2012 veräußerte, übernahm Hill-Rom in der neuen Unternehmensarchitektur den Vertrieb. Die Völker GmbH ist seitdem reine Produktionsstätte.

Kein direkter Marktzugang

„Hill-Rom kauft die Betten von Völker, um sie dann auf dem Markt zu verkaufen. Das Problem der Völker GmbH ist, dass sie keinen direkten Marktzugang hat“, erläutert Prof. Heinz-J. Bontrup. Der Name drohe unterzugehen. Der Ökonom hat für die Arbeitnehmerseite ein Fachgutachten erstellt.

Hill-Rom, das auch Betten in Frankreich produziert, steht laut Ralf Leifeld, Rechtsberater des Betriebsrats, für ein anderes Konzept: „Bei denen geht es um Masse und Marge.“ Die früheren Völker-Verkäufer kämen mit dieser Philosophie nicht zurecht. Von 15 sind nur drei geblieben. Dem Vertriebsgeschäftsführer wurde gekündigt. „Der eigene Vertrieb von Völker ist tot“, sagt IG-Metall-Chef Mathias Hillbrandt. Ohne Verkäufer mit Expertenwissen sind die Aussichten, im Markt der High-End-Produkte zu bestehen, nicht gut.

Für den Betriebsratsvorsitzenden Rolf Vieth gibt es weitere Warnzeichen. So werde die Produktion von Aktivliegeflächen zugunsten von Hill-Rom-Matratzen eingestellt. Hochgelobte Eigenentwicklungen wie ein Diagnosetool und eine Bluetoothsteuerung (kabelloses Pflegebett) würden nicht weiter verfolgt. Auch die Plattformstrategie, dass eben Betten-Komponenten von Völker (z.B. Antrieb) und Hill-Rom zueinander passen sollten, habe man aufgegeben.

„Der Wettbewerb hat früher auf Völker geguckt,“ sagt Vieth, „wir waren Vorreiter, alle haben nach uns geschaut und uns kopiert.“ Diese Position sei ernsthaft in Gefahr. Heinrich Völker, Enkel des Gründers, war nach dem Verkauf an Hill-Rom zunächst noch als Berater für die neuen Eigentümer tätig. Inzwischen, so der Betriebsrat, sei der Wittener auf dem Firmengelände nicht mehr willkommen.