Fast 10 000 leben von Hartz IV
16.02.2010 | 18:27 Uhr 2010-02-16T18:27:00+0100
Die Zahl der Hilfebedürftigen in Witten ist gestiegen. Die JobAgentur ist mit 2009 trotzdem zufrieden, weil noch düsterere Szenarien ausblieben.
Die Bilanz, die die JobAgentur des Ennepe-Ruhr-Kreises am Dienstag für das Jahr 2009 präsentiert hat, wertet Landrat Dr. Arnim Brux als Erfolg – „angesichts der schwierigen Lage” und „gemessen an den Erwartungen zu Jahresbeginn”. Trotzdem: Im Dezember 2009 gab es in Witten 249 (oder 2,6 Prozent) mehr Menschen, die von Hartz IV leben, als noch ein Jahr zuvor – insgesamt 9 834.
„Das Risiko, hilfebedürftig zu werden, hat sich natürlich deutlich erhöht”, gesteht Landrat Brux. Auch der Kreiskämmerer Dr. Jürgen Brückner betont zwar, vor einem Jahr habe man „viel düsterere Aussichten” gehabt. „Trotzdem sind die Zahlen nicht erfreulich.” Zumal die Rettung in Kurzarbeit die Zahlen noch einigermaßen stabil gehalten hat. Rund 8 000 Personen im Kreis befinden sich aktuell in Kurzarbeit. Im schlimmsten Fall müsse man noch einmal mit einer Entlassungswelle rechnen.
Deutlich weniger jugendliche Arbeitslose
Dass Besserung vorerst nicht in Sicht ist, lässt auch ein Blick auf die noch aktuelleren Zahlen vermuten, die bei der Bilanz für 2009 beinahe unter den Tisch fallen. Allein im Januar 2010 erhöhte sich die Zahl aller Arbeitslosen im Kreis um fast 900 auf 14 975. So hoch lag dieser Wert im letzten Jahr zu keiner Zeit.
Es gab aber auch Positives zu berichten. Die Zahl jugendlicher Hartz-IV-Empfänger (unter 25) hat sich im Kreis von Dezember 2008 bis Dezember 2009 um rund 15 Prozent auf 526 reduziert. „Das ist auch Ausdruck der Bemühungen, die zum Jahresende hochgefahren wurden”, glaubt Brückner. Für die U25-Betreuung habe die JobAgentur vor Ort zwei Stellen geschaffen, verriet Anke England, Leiterin der Wittener Regionalstelle. „Damit erfüllen wir den Betreuungsschlüssel von 1 zu 75”, fügte Stellvertreter Michael Gonas hinzu. Ein Fallmanager kümmert sich nun um 75 jugendliche Arbeitslose.
Spitze beim Beschäftigungspakt für Ältere
Beim Beschäftigungspakt für Ältere war die JobAgentur des Kreises bundesweit wieder spitze. 344 Arbeitslosen über 50 vermittelte sie 2009 einen Arbeitsplatz – 203 von ihnen auf dem ersten Arbeitsmarkt, also in ein Beschäftigungsverhältnis ohne Zuschüsse aus der Arbeitsmarktpolitik.
Insgesamt aber gelang es nicht mehr so häufig, Arbeitslose in ein reguläres Beschäftigungsverhältnis zu vermitteln. Der Rückgang im Kreis schlägt sich auch in einem Rückgang in Witten nieder: 1 379 Vermittlungen in den ersten Arbeitsmarkt sind über 100 weniger als 2008. Hier setzt die JobAgentur auf den Arbeitgeberservice, der erst im September eingerichtet wurde und in Witten vier Mitarbeiter umfasst. „Er akquiriert Stellen, fährt auch viel raus zu den Unternehmen”, erklärt Gonas. „Und er holt viel mehr Stellen rein, als es vorher gab.” Dass Arbeitgeber von sich aus anrufen, um Stellen anzubieten, sei schließlich selten geworden.
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Komisch je weiter man sich von der Zahlenstatistik weg zu den Menschen geht die Grundlage dafür sind, umso weniger Sozialschmarotzer findet man.