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Farbenrausch und Formenpracht

18.06.2007 | 11:22 Uhr

39 Künstler öffneten am Wochenende in Mitte, Bommern, Annen, Herbede und Heven ihre Ateliers und Arbeitsräume. Besucher konnten ihnen über die Schulter schauen. Ein kleiner Rundgang

"Schade, dass immer nur ein paar erwähnt werden", sagt Angelika Pesch, eine von 39 Künstlern, die am Wochenende ihre Werke und Arbeitsräume am Tag des offenen Ateliers präsentierten. Aber wo soll man anfangen, bei so vielen Ateliers in Witten?

Vielleicht in der Vorburg des Haus Herbede. Dort gib es schon seit vielen Jahren Künstler und Kunsthandwerker. Angelika Pesch ist eine von ihnen. Die 47-jährige zeigt ihre auf Holz gemalten Figuren. "Für mich steht der Mensch mit all seinen Beziehungen im Mittelpunkt", sagt Pesch. Auf dünnen Holzplatten streicht sie mehrere Schichten einer selbst gemischten Farbe, die auf herkömmlicher Holzlasur basiert. Eine langwierige Arbeit. Die Menschen auf ihren Bildern sind alle schlank, grazil. Sie stellt sie auf eine geschwungene, dynamische Art dar. "Früher habe ich in Holz geschnitzt, das war immer länglich", so die Wittenerin.

Ein Laie würde denken, dass das Material die Arbeitsweise bestimmt. Deshalb wählt Ateliernachbar Jörg Hanowski, seit er künstlerisch tätig ist, das Glas als sein Material: "Glas ist amorph, ich bestimme, wie es hinterher aussieht", sagt der 46-Jährige. Die Kunst wurde ihm zwar schon in die Wiege gelegt, doch entschied er sich zunächst für eine solide Ausbildung zum Glasapparatemeister. "Die arbeiten in der Chemie", erklärt er. So ist es nicht verwunderlich, dass sein Arbeitsplatz fast wie der eines "verrückten Professors" aussieht. Nur bunter. Hanowski formt mit einem Handbrenner farbige Glasröhrchen um, befüllt sie mit Edelgas und kann sie so zum Leuchten bringen. Die Skulpturen wirken wie Weltraum-Insekten aus einer fernen Zukunft.

Etwas bodenständiger schaut das Atelier der Malerin Ankelika Geppert aus. Die gelernte Einzelhandelskauffrau hat sich ihren Arbeitsraum im eigenen Reihenhaus, mitten im grünen Annen eingerichtet. Auch wenn am Wochenende jeder Pinsel an seinem Platz lag, "kann das hier ganz schön durcheinander aussehen". Dann ziehe sie sich eine alte Hose und ein Hemd ihres Mannes an und lege los. "Wenn ich einmal angefangen habe, mach' ich einfach weiter. Nur mein Magen meldet sich dann mal", so die Künstlerin.

Nur wenige 100 Meter Luftlinie entfernt liegt das Atelier von Rita Gumpricht. Jedoch scheinen Welten diesen Ort von der grünen Reihenhaussiedlung zu trennen. Tief versteckt im Wittener Industrie- und Technologiezentrum, eine Etage über einem Elektroladen, hat Rita Gumpricht ihren Arbeitsplatz eingerichtet. Ein Ort, der schon als Bühne für das performativ-schamanistische Hemli-Theater mit "Piano Voice" Jens Thomas diente. Mit der bei Gumpricht vorherrschenden Farbe schwarz kann der Op-Art-Künstler Jonas Heinevetter nicht so viel anfangen. Seine Arbeiten strotzen vor grellen Farben, die er im Gegensatz zum berühmten Victor Vasarely nicht mathematisch, sondern organisch anordnet.

Die Tage der offenen Ateliers ermöglichten Streifzüge, die sich lohnten. Die Atelierbesuche zeigten eine ungeheure Vielfalt an individueller künstlerischer Tätigkeit, die Lust auf noch mehr "Tage des offenen Ateliers" machen.

Von Melanie Pohle

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