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Fantasy mit Bodenhaftung

17.08.2008 | 12:42 Uhr
Fantasy mit Bodenhaftung

„Flügelschlag des Schmetterlings”: Das neue Stück von Heaven Fun rankt um die Chaostheorie und Allmachtsphantasien. Und es stellt klar, dass das Leben kein „Wünsch dir was” ist. Premiere im Saalbau

Eigentlich wollte das Hevener Musical-Ensemble Heaven Fun sein Stück „Flügelschlag des Schmetterlings” gar nicht an diesem Wochenende aufführen. Doch Hauptdarstellerin Jenny Brenning fliegt bald nach Australien, also musste ein spontaner Termin her. „Wir mussten auf die Tube drücken”, erklärte Projektleiter Paul Gerhard Milewski im Gespräch mit unserer Zeitung schmunzelnd. Gut, dass sie es gewagt haben!

Denn die Premiere im fast ausverkauften Saalbau machte mal wieder klar, warum das 25-köpfige Team aus Hevener Jugendlichen zwischen 16 und 29 Jahren 2006 den Jugendkulturpreis des Landes NRW erhielt. Die Schauspieler brachten das Stück, das um die Chaos-Theorie rankt, nach der bekanntlich ein Flügelschlag eines Schmetterlings einen Orkan auslösen kann, nicht nur perfekt inszeniert auf die Bretter – sie erzeugten vor allem mit ihren selbst geschriebenen Texten, selbst komponierten Liedern und eigens choreographierten Tänzen eine einzigartige Stimmung, immer irgendwo zwischen Weisheit und Witz.

Die Stärke der jungen Leute zeigte sich dabei vor allem in der Lebensnähe ihrer Texte, welche die teilweise arg Fantasy-lastige Story nachvollziehbar erscheinen ließ. Einen zusätzlichen Spannungsbogen schlugen sie mit „Flashbacks”, indem sie also Zeitsprünge und Zeitenwechsel einbauten. Ein überaus modernes Theaterelement, das zündete.

Finna (gespielt von Jenny Brenning) erhält von einer als „Hexe” bekannten Jungfer (herrlich dämonisch: Annika Schlüter) den sagenumwobenen „Mantel der Wünsche”. Dieser erfüllt ihr buchstäblich jeden Wunsch – doch Finna muss bald feststellen, dass sich dadurch die Welt nicht zu ihren Gunsten zurechtrücken lässt. Denn sobald sie sich in der Wüste einen Fluss wünscht, verschwindet der in ihrem Heimatort. Und die Krankheit, von der sie eine Freundin erlöst, peinigt fortan ihre Schwester (authentisch theatralisch: Sina Caspers). „Die Verantwortung lastet schwer auf mir”, singt Brenning nach dieser Erkenntnis leidenschaftlich. Und man kann förmlich nachfühlen, warum diese Last sie zu Stein erstarren lässt. Die amüsante Auseinandersetzung mit dem allzu menschlichen Wunsch nach Allmacht wird durch einen altklugen Narren (seine Mitmenschen wunderbar nervend: Martin Lingnau) noch zusätzlich aufgelockert.

Das Preisgeld, das sie vom Land NRW 2006 erhielten, steckten die Laiendarsteller um Heaven-Fun-Leiter Milewski in „Flügelschlag eines Schmetterlings”. Eine lohnenswerte Investition, die leider nach ihrer Premiere nicht so schnell wieder in dieser Form zu sehen sein wird. Schließlich geht Hauptdarstellerin Jenny Brenning nach ihrem Abitur erst mal per „Work 'n' Travel”-Austausch nach Australien – und von ihrem spröden Charme lebt das Stück nun mal wortwörtlich.

„Es ist das Schicksal unserer Truppe, dass immer wieder Schauspieler nach ihrer Schulzeit aus Witten wegziehen”, so Milewski. „Aber ich bin zuversichtlich, dass wir das wie in der Vergangenheit auch diesmal wieder auffangen.” Die gelungene Aufführung vom Samstag, an der 15 Schauspieler, fünf Bandmitglieder und zehn Helfer im Hintergrund mitwirkten, macht dafür ordentlich Mut.

Bernd Peters


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