Experten tagen zu ritueller Gewalt
28.04.2011 | 17:44 Uhr 2011-04-28T17:44:00+0200
Witten.Rituelle Gewalt ist grausam. Sie hinterlässt oft Wunden an Körper und Seele. Und die Anzahl der Fälle hat, so Aussteigerberaterin Silvia Eilhardt, in den letzten Jahren zugenommen. Am Mittwoch, 4. April, trifft sich deshalb im Rathaus ein Arbeitskreis von Experten zu diesem brisanten Thema.
„Angefangen haben wir im Jahr 2003 mit sieben Teilnehmern, inzwischen sind es 45. Erstmals sind auch zwei Therapeutinnen aus Zürich dabei“, sagt Silvia Eilhardt, die den Arbeitskreis ins Leben gerufen hat. Zweimal im Jahr kommen die Experten aus ganz Deutschland in Witten zusammen. Zu den Teilnehmern gehören Ärzte, Rechtsanwälte, Religionswissenschaftler, Sozialarbeiter und sogar ein Mitarbeiter des Staatsschutzes. Thema des Arbeitskreises diesmal: Umgang der Medien im Bereich Satanismus und rituelle Gewalt.
Die umfasst physische, sexuelle und psychische Formen von Gewalt, die planmäßig und zielgerichtet im Rahmen von Zeremonien ausgeübt werden. Häufig würden Opfer ritueller Gewalt auch gezwungen, selbst zu missbrauchen oder zu misshandeln und können dann damit erpresst werden, so Eilhardt. Die Dunkelziffer bei ritueller Gewalt sei vermutlich hoch. Darum sei es wichtig, Anzeichen bei Opfern zu erkennen. „Und auch deshalb sind wir bestrebt, die Experten aus verschiedenen Bereichen miteinander zu vernetzen“, so Eilhardt. „Außerdem müssen wir noch mehr Leute schulen, etwa Lehrer und Erzieher, damit sie Anzeichen von ritueller Gewalt bei ihren Schützlingen erkennen können“, meint sie.
Hilfe national vernetzen
Silvia Eilhardt selbst hat bereits mehrere Arbeitskreise u. a. in Rheinland-Pfalz, München und Trier mit aufgebaut. Auch um deren nationale Vernetzung ist sie bemüht. In Witten betreut sie derzeit drei aktuelle Fälle, davon zwei aus dieser Stadt. Wenn sie aus den Erinnerungen einer heute 35-Jährigen vorliest, die als Fünfjährige Opfer ritueller Gewalt wurde, ahnt man als Zuhörer die grausamen Dimensionen und Folgen einer solchen Misshandlung. Wohl auch, um sich zu schützen, entwickelte das Kind, das Opfer des eigenen Vaters wurde, eine multiple Persönlichkeit: „Ich weiß, wer ich bin. Im Keller bin ich Lou“, heißt es in den Protokollen der jungen Frau, die an jenem Ort misshandelt wurde. „Der Teufel bekommt mich, erzählt mein Vater“, beschreibt sie in ihren Erinnerungen, wenn sie sich in einem weißen Kleid für den Missbrauch „vorbereiten“ musste.
Um sich mit den Folgen des Erlebten auseinander zu setzten und das Trauma zu verarbeiten, käme die junge Frau seit zwei Jahren zu ihr in die Beratung, so Eilhardt, „anfangs einmal wöchentlich, inzwischen immer nur in Krisenzeiten.“ Außerdem werde sie natürlich auch therapeutisch betreut.
Das Treffen des Arbeitskreises am kommenden Mittwoch ist zwar nicht öffentlich, aber Silvia Eilhardt vom Amt für Jugendhilfe und Schule bietet zum Thema „rituelle Gewalt“ regelmäßig Beratungen an. Sie ist täglich von acht bis zwölf Uhr im Rathauszimmer 35 und nachmittags nach Absprache zu erreichen ( 581-5195).
Eilhardt: „Es ist vermehrt festzustellen dass diejenigen, die hierher kommen, Vertrauen haben, über ihr Erlebtes zu berichten.“
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