Evangelische Gemeinden bilden künftig Teams

Als Flüchtlingsbeauftragte berief die Synode Pfarrer Dirk Ochtrup aus Rüdinghausen (li.) und Presbyter Sigurd Hebestreit aus Johannis. In der Mitte die stellvertretende Superintendentin Heike Rienermann.
Als Flüchtlingsbeauftragte berief die Synode Pfarrer Dirk Ochtrup aus Rüdinghausen (li.) und Presbyter Sigurd Hebestreit aus Johannis. In der Mitte die stellvertretende Superintendentin Heike Rienermann.
Foto: Nicole Schneidmüller-Gaiser
Was wir bereits wissen
Die Zeichen stehen auf Kooperation: Weniger Gemeindemitglieder, weniger Pfarrer – drei Gemeinden sollen künftig Teams rund um die Seelsorge bilden.

Witten..  Die Zahl der Protestanten sinkt, wenn auch nicht so massiv wie andernorts. Seit 2010 hat der Evangelische Kirchenkreis Hattingen-Witten knapp 3500 Mitglieder verloren, rund 1000 im letzten Jahr. Eine Folge des Rückgangs: Die Zahl der Pfarrstellen, die sich an der Größe der Gemeinden orientiert, geht weiter zurück. Die Sommersynode traf dazu am Wochenende weitreichende Entscheidungen.

Für eine Pfarrstelle werden künftig 2900 Gemeindeglieder zugrunde gelegt – bisher versorgte ein Pfarrer 2700 Menschen. Die hauptamtlichen Theologen sollen in Kooperationsräumen von in der Regel drei Gemeinden zusammenarbeiten und mit den Hauptamtlichen anderer Berufsgruppen Teams bilden. Für jeweils 8000 Gemeindeglieder kann zukünftig eine volle Gemeindepädagogenstelle besetzt werden. Dies gilt als Verstärkung der nicht-theologischen Hauptamtlichen. Bislang kam auf vier Pfarrstellen ein Pädagoge.

Rolle der Ehrenamtlichen immer stärker

Auf der Synode in Trinitatis präsentierte der Wittener Pfarrer Jürgen Krüger einen Bericht, der die kommenden zehn Jahre in den Blick nimmt und einen Schwerpunkt bei der Personalentwicklung setzt. „Es ist unser Auftrag, auch in Zukunft möglichst viele Menschen für ein Leben im Glauben und in der Gemeinde zu gewinnen“, war sich die Synode einig. Dies soll auch mit weniger Pfarrern noch möglich sein. Dabei wird die Gewinnung und Qualifizierung Ehrenamtlicher künftig eine noch größere Rolle spielen. Ehrenamtliche könnten viel mehr, als Küsterdienste zu übernehmen oder beim Gemeindefest Kuchen zu backen.

Ein weiteres wichtiges Thema der Sommersynode war eine neue Kita-Satzung. Der Kirchenkreis hat 24 Kindergärten. Die Satzung des 2007 gegründeten Trägerverbundes wurde nun, nach acht Jahren, überarbeitet und reformiert. Sie soll dem Trägerverbund größere Spielräume ermöglichen, wenn es um Personal-, Bau- und Finanzangelegenheiten geht. Eine zweiköpfige Geschäftsführung, zu der neben einem Theologen möglichst auch ein Kaufmann gehören soll, kann darüber hinaus im Einvernehmen mit der Gemeinde auch über den Rückbau oder den Aufbau von Standorten entscheiden.

Auch fremde Kitas können Verbund beitreten

Ebenfalls neu: Unter bestimmten Voraussetzungen können auch Kitas aus anderen Kirchenkreisen dem Verbund beitreten. Und: Für alle Kita-Gebäude wurde ein Muster-Nutzungsvertrag verabschiedet. Ab 2017 muss für jedes Gebäude eine Substanzerhaltungsrücklage gebildet werden, die mindestens 20 Prozent des aktuellen Feuerkassenwertes beträgt. Kirchensteuer-Mehreinnahmen sollen zum Aufbau eines entsprechenden Finanzsockels beitragen. Für das von Schließung bedrohte sanierungsbedürftige „Augustinchen“ in Witten dürfte das zu spät sein.