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Eurythmie zum Geburtstag

19.05.2011 | 17:13 Uhr
Eurythmie zum Geburtstag
Szenenbild aus Josef Gunzingers "Symphonische Entwicklung Saturn" des Eurythmie-Ensembles Euchore aus Dornach

Witten. Rudolf Steiner hätte an diesem Geschenk zu seinem 150. Geburtstag gewiss seine Freude gehabt: Das Euchore Eurythmie-Ensemble aus Dornach/Schweiz gastierte mit einem anspruchsvollen Programm im gut besuchten Saalbau.

Mit der „symphonischen Entwicklung Saturn“ von Josef Gunzinger hatte das Ensemble eine wirklich schwere Kost aus Dornach mit nach Witten gebracht. Die dramatische Komplexität und die esoterische Tiefe der Komposition wurden durch sparsame Gesten einprägend zum Ausdruck gebracht. Innerhalb der Bühnenkunst Eurythmie setzt dieses Stück über kosmische Bilder der Evolution neue Impulse frei, die nur von einer Bühnengruppe erfasst werden können, die wie Euchore das Vorgreifen gekonnt beherrscht - die Fähigkeit also, die entsprechende eurythmische Geste bereits anzudeuten, noch bevor der zugehörige Ton oder Laut erklingt.

Nüchtern und schlicht dagegen stellte Euchore Teile des himmlischen Prologs aus Goethes Faust I dar. Die Künstler, die sich persönlich stark zurücknahmen, zeigten das von Sprachgestalter Christian Peter rezitierte Dreigespräch der Erzengel Raphael, Gabriel und Michael so, wie man es aus vielen Aufführungen kennt, sehr klassisch und traditionell. Ein Programmpunkt, der vielleicht besser als Einstieg in den Abend seinen Platz gefunden hätte.

Ganz ergriffen hatten die Eurythmisten Anton Bruckners 7. Sinfonie, eine Darstellung, in der die Präzision des Komponisten auf das große eurythmische Talent des Euchore-Ensembles traf. Schon im ersten Satz der E-Dur-Sinfonie wurde erkennbar, wie die Musik durch die Körper der Darbietenden floss und sich dadurch sichtbaren Ausdruck verschaffte.

Der aus Bochum (Opernensemble Zauberflöte) bekannte Dirigent Lukas Reinitzer formte aus dem Projektorchester Sinfonia Orpheon einen harmonischen Partner der Eurythmisten. Auch wenn die Bläser leider nicht immer sauber intonierten und auch bei den Streichern Schwächen erkennbar waren, so brachte das Orchester die Dramatik des Werks gut zum Ausdruck, ohne ins Pathos abzugleiten.

Bernd Kassner

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